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04.11.2013

09:33 Uhr

Immobilienbetrug

Drei Zimmer, Küche, Abzocke

VonMichael Stahl, Peter Mandrella

In den Metropolen der Republik explodieren die Mieten. Davon profitieren neben Immobilienbesitzern auch Betrüger. Sie fälschen Anzeigen und machen mit dem Wohnungsmangel Kasse. Das kostet nicht nur die Opfer Geld. 

Immobilienbetrug: „Hat man das Geld einmal überwiesen, ist es unwiederbringlich verloren.“

Immobilienbetrug: „Hat man das Geld einmal überwiesen, ist es unwiederbringlich verloren.“

DüsseldorfDass es so einfach werden würde, hatte Stefan Kurth nicht erwartet. Aus beruflichen Gründen verschlägt es den 43-jährigen Marketingmanager nach Düsseldorf. Auf der Suche nach einer Wohnung stößt er bei Immobilienscout24.de rasch auf eine Anzeige, die sein Interesse weckt: Eine Wohnung mit 85 Quadratmetern im Trendviertel Bilk, vollmöbliert, gehobene Ausstattung, mit Balkon, Einbauküche, Gäste-WC, Klimaanlage und Garage. Das alles für 445 Euro warm, Internet und Telefon inklusive. Ein absolutes Schnäppchen in einer Stadt, in der die Kaltmiete laut des aktuellen LEG-Wohnungsmarktreports für Nordrhein-Westfalen bei durchschnittlich neun Euro pro Quadratmeter liegt.

Kurth nimmt Kontakt auf und bekommt prompt eine Antwort. In fehlerhaftem Englisch schreibt ein Klaus Wennemas, dass er beruflich nach Großbritannien versetzt wurde und nun einen Mieter für seine Wohnung suche. Weil ihn sein neuer Job in Großbritannien stark einspanne, müsse alles über das Internet geregelt werden.

Wie Betrüger Wohnungssuchende prellen

Vorkassebetrug

Der vermeintliche Besitzer einer Wohnung gibt an, gegen eine Kaution die Schlüssel für seine freie Immobilie zu schicken. Der Interessent solle hierzu das Geld per Western Union überweisen. Doch ein Schlüssel kommt nach erfolgter Transaktion nicht.

Quelle: Immowelt.de

Nachnahmebetrug

Alternativ wird auch die Versendung per Nachnahme vereinbart. Der Interessent bekommt per Post zwar die Schlüssel, für die er eine vereinbarte Nachnahmegebühr entrichtet, doch diese passen nicht ins Haustürschloss der Immobilie. Die gleiche Masche gibt es auch bei Kaufimmobilien. Hier soll der Interessent ebenfalls eine Kaution für die Schlüssel entrichten, um das Objekt besichtigen zu können.

Rabatte bei Vorabmiete

Eine abgewandelte Form des Vorkassebetrugs. Auch hier sitzt der vermeintliche Immobilienbesitzer im Ausland. Das Angebot: Wer vorab die Miete für mehrere Monate bezahlt, bekommt einen Abschlag. Auch wer sich hierauf einlässt, ist sein Geld in der Regel los.

Kostenpflichtige Listen

Betrüger geben sich als Makler aus und bieten gegen Geld Listen mit Wohnungen an, die (angeblich) zu mieten sind. Nicht selten stammen diese Listen von seriösen Maklern, die von dem Missbrauch nichts ahnen.

Phishing

Nicht nur die Nutzer von Online-Banking müssen sich vor Phishing in Acht nehmen. Auch auf Immobilienanbieter haben es Betrüger abgesehen. Sie hacken die Zugangsdaten von Portalnutzern, um anschließend ein seriöses Verkaufs- oder Vermietungsangebot für einen Vorkassebetrug zu missbrauchen.

Weitere Informationen

Unter www.schutz-vor-immobilienbetrug.de/ macht das Internetportal Immowelt ausführlich auf die verschiedenen Maschen der Betrüger aufmerksam.

Kurth antwortet, dass er die Wohnung gerne besichtigen würde. Kein Problem, schreibt Wennemas zurück. Allerdings müsse er als Sicherheit für die Schlüssel eine Kaution in Höhe einer Monatsmiete verlangen. Kurth solle das Geld per Western Union überweisen, anschließend bekäme er den Schlüssel. Der Deal platzt. Denn was Kurth und die Wohnung von Herrn Wennemas gemeinsam haben ist: Beide gibt es nicht. Stefan Kurth ist ein Pseudonym der Autoren dieses Textes, um zu Recherchezwecken Interesse an mutmaßlich unseriösen Angeboten zu bekunden. Die Wohnung in der Ringelsweide 28 im Düsseldorfer Stadtteil Bilk ist eine Erfindung von Betrügern, um an Geld zu kommen.   

„Vorkassebetrug ist der Klassiker“

Die Masche ist nicht neu. Seit einigen Jahren werden in einschlägigen Immobilienportalen regelmäßig luxuriös möblierte Wohnungen in bester Lage zu unschlagbar günstigen Quadratmeterpreisen angeboten. Der Haken dabei: Es gibt die Objekte überhaupt nicht. Die Adressen sind zwar korrekt, doch die auf den Fotos abgebildete Immobilie steht dort nicht. „Vorkassebetrug ist der Klassiker“, sagt Sonja May, Sprecherin beim Internetportal Immobilienscout24.de. „Wir haben oft in angespannten Mietmärkten die Situation, dass dort sehr günstige Wohnungen inseriert werden, die in Wahrheit gar nicht existieren.“ Wer im Vorfeld Geld an die vermeintlichen Vermieter überweist, um den Schlüssel zu bekommen, steht am Ende mit leeren Händen da.

Während auf dem Land immer mehr Immobilien leer stehen und die Preise fallen, sind in Metropolen wie München, Hamburg, Berlin oder Düsseldorf die Mieten und Kaufpreise für Häuser und Wohnungen seit 2010 stark gestiegen. Bezahlbarer Wohnraum wird hier immer rarer. Das trifft besonders einkommensschwache Familien mit Kindern. Sie haben in Großstädten nach Überweisung der Miete häufig weniger Geld zur Verfügung als eine Hartz-IV-Familie. „Die Leute gehen dorthin, wo die Jobs sind.

Die gibt es in den Ballungsgebieten“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Das erhöht den Druck auf die dortigen Immobilienmärkte. Die Suche nach günstigem Wohnraum wird somit nicht nur für Immobilienbesitzer zum einträglichen Geschäft. Auch unseriösen Geschäftemachern spielt die zunehmende Anspannung auf beliebten Mietmärkten in die Hände.

Kommentare (23)

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Der_ewige_Spekulant

04.11.2013, 09:45 Uhr

Richtig so.

Wer in der Stadtmitte von Ballungsgebieten eine 85 qm Wohnung für 450 € warm findet, der ist schlicht zu dumm, um
in der Stadtmitte von Ballungsgebieten zu wohnen.

Account gelöscht!

04.11.2013, 09:57 Uhr

Ich habe zum Glück Wohneigentum. :-)

Honorarredner

04.11.2013, 10:09 Uhr

Dank der mieterfreundlichen Gesetzgebung hat auch kaum einer der institutionellen Investoren in den Wohnungsbau zu investieren. Versicherungen haben Ihr Portfolio verändert und die Folgen sind bekannt. Eine Deckelung aller Mieten wird die Situaution weiter verschärfen.
Als Eigentümer muss man sämtliche Kosten im voraus zahlen, ob diese bei einer Räumung zurückkommen ist immer häufiger die Frage.Daher legt man Geld lieber woanders an.

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