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19.11.2013

16:51 Uhr

Immobilienboom

So viele Baugenehmigungen wie seit Jahren nicht mehr

Der Immobilienboom in Deutschland wird nicht kleiner: Die Zahl der Baugenehmigungen klettert derzeit auf den höchsten Stand seit 2004. Einen besonders großen Schub gibt es bei Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser.

Investoren setzen derzeit auf Immobilien. dpa

Investoren setzen derzeit auf Immobilien.

BerlinDer Boom im deutschen Wohnungsbau hält an. Von Januar bis September 2013 wurde der Bau von 202 .00 Wohnungen genehmigt, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das waren 13,5 Prozent oder 24 000 Wohnungen mehr als in den ersten neun Monaten 2012 - und so viele wie seit 2004 nicht mehr. Damit setzte sich die seit 2010 anhaltende positive Entwicklung bei Genehmigungen im Wohnungsbau fort. Grund dürften niedrige Zinsen und - angesichts steigender Mieten und Kaufpreise - anziehende Renditeaussichten sein. Nach den ersten sechs Monaten betrug der Anstieg nur 9,6 Prozent. „Es hat einen richtigen Schub bei den Mehrfamilienhäusern gegeben - allein im September lag das Plus bei 33 Prozent“, sagte der Chefvolkswirt des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann, der Nachrichtenagentur Reuters. „Nach wie vor suchen Investoren händeringend nach Anlagemöglichkeiten und setzen vor allem auf Immobilien.“ Blasen würden derzeit aber keine produziert, da auch die Nachfrage nach Wohnungen anziehe. Derzeit versuche die Baubranche nach dem schwierigen Start ins Jahr mit langem Winter und Hochwasser die Produktionsausfälle aufzuholen. Die Auftragspolster seien gut und die Kapazitäten am Anschlag, fügte Stiepelmann hinzu. „Es ist alles in Bewegung, was es an Maschinen auf deutschen Bauhöfen gibt.“ Dennoch reiche es nicht, um das ursprünglich für 2013 angepeilte Umsatzplus von zwei Prozent zu schaffen. „Wir werden um die null Prozent landen - bei einem kleinen Plus oder kleinen Minus.“ Pläne von Union und SPD für eine Mietpreisbremse stoßen bei der Wohnungsbranche und Mieterschützern auf ein unterschiedliches Echo.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) bezeichnete die neuen Daten als „positives Signal für den Wohnungsmarkt“. Präsident Axel Gedaschko sagte: „Der Aufwärtstrend beim Neubau ist ... dringend notwendig, um den bereits bestehenden Wohnraummangel in wachsenden Großstadtregionen in Deutschland nicht weiter zu verschärfen.“ Auch der Deutsche Mieterbund bekräftigte, dass der Wohnungsneubau weiter angekurbelt werden müsse. Gebraucht würden vor allem preiswerte und altersgerechte Wohnungen.

Nach Angaben der Statistiker stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit 25,1 Prozent und in Zweifamilienhäusern mit 14,2 Prozent besonders stark. Die Genehmigungen von Einfamilienhäusern stiegen hingegen nur leicht um ein Prozent.

Der amtierende Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) sagte, dass sich der positive Trend verstetige, entlaste den Markt. „Damit Wohnen auch in Zukunft bezahlbar bleibt, bleibt es beim Prinzip: Bauen, bauen, bauen.“ Hierbei für gute Rahmenbedingungen zu sorgen, sei auch die Marschroute in den Koalitionsverhandlungen.

Die von Union und SPD ebenfalls geplanten Instrumente wie eine Mietpreisbremse stoßen beim Branchenverband aber auf scharfe Kritik. „Investitionen in Modernisierung und Neubau werden sinken, der ohnehin kaum noch mögliche Wohnungsneubau im preisgünstigen Segment wird komplett zum Erliegen kommen, und die Mieten werden bei knapperem Angebot zukünftig weiter steigen“, warnte Gedaschko.

Union und SPD planen, drastische Mieterhöhungen gerade in Großstädten zu bremsen. Vorgesehen ist, dass bei einem Mieterwechsel die neue Miete maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen darf. Der Mieterbund verteidigte die Pläne, die Auswüchse verhindern sollten. Statt nur in angespannten Wohnungsmärkten sollte sie aber bundesweit gelten, sagte Präsident Franz-Georg Rips. Dass die Länder festlegen sollen, in welchen Orten die Begrenzung kommt, mache die Sache kompliziert und verzögere die Umsetzung.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Der Mieterbund forderte zudem, die Berechnungsbasis ortsüblicher Vergleichsmieten zu ändern. Berücksichtigt werden sollten zumindest Mieten der zurückliegenden zehn Jahre und nicht nur meist teurere Vertragsabschlüsse der vergangenen vier Jahre. Union und SPD wollen zugleich auch den Bau neuer Wohnungen ankurbeln - etwa mit der Wiederbelebung steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten.

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