Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.10.2014

16:37 Uhr

Immobilienbranche

Wann platzt die Blase?

Immobilieninvestitionen werden immer riskanter. Im Gewerbebereich sehen einige Experten bereits eine Überhitzung. Doch wann die Party zu Ende geht, kann niemand genau sagen. Privatanleger sollten auf der Hut sein.

Bildet sich in der deutschen Immobilienbranche eine Blase oder nicht? Darüber streiten die Experten. Reuters

Bildet sich in der deutschen Immobilienbranche eine Blase oder nicht? Darüber streiten die Experten.

FrankfurtDie Immobilienmesse Expo Real dürfte in diesem Jahr eine große Party werden. Denn ungeachtet der Ukraine-Krise und der anhaltenden Schuldenprobleme in Südeuropa erweist sich der deutsche Immobilienmarkt als ausgesprochen krisenfest. Investoren aus dem In- und Ausland stürzen sich auf Büros, Laden- und Logistikflächen, Hotels und Wohnungen. Allein im gewerblichen Immobilienbereich dürfte das Transaktionsvolumen bis Jahresende auf 40 Milliarden Euro steigen, wie Maklerhäuser frohlocken. Das wäre so viel wie seit 2007 nicht mehr - kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Eigentlich perfekte Aussichten für das Branchentreffen, das von Montag bis Mittwoch in München stattfindet.

Doch manchen ist die Stimmung schon wieder zu gut, sie warnen vor Übermut und befürchten den großen Crash. „Der deutsche Immobilienmarkt ist in allen Bereichen ziemlich heiß gelaufen“, sagt Oliver Beyer, Partner bei der Kanzlei Simmons & Simmons, der Firmen und Fonds bei komplexen Transaktionen berät. „Es ist extrem viel Geld im Markt, Investoren kaufen sehr teuer ein und die Banken finanzieren inzwischen zu teilweise aggressiven Konditionen.“ Dabei ist noch das geringste Risiko, dass für alle Seiten die Renditen schrumpfen.

Wie die Zinsen sinken und die Preise steigen

Analyse

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken hat für Handelsblatt Online die Kaufpreise in den vier begehrtesten Metropolen Deutschlands berechnet. Im Vergleich mit der Zinsstatistik der Bundesbank für Baugeld zeigt sich: Die Zinsen fallen, die Immobilienpreise steigen.

2007

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 5,03%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3191 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2302 Euro pro Quadratmeter
München: 4232 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2949 Euro pro Quadratmeter

2008

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,83%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3302 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2385 Euro pro Quadratmeter
München: 4283 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2975 Euro pro Quadratmeter

2009

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,29%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3414 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2438 Euro pro Quadratmeter
München: 4384 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3090 Euro pro Quadratmeter

2010

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,70 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3503 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2521 Euro pro Quadratmeter
München: 4524 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3137 Euro pro Quadratmeter

2011

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,54 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3768 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2721 Euro pro Quadratmeter
München: 4905 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3320 Euro pro Quadratmeter

2012

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,78 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4023 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2949 Euro pro Quadratmeter
München: 5252 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3494 Euro pro Quadratmeter

2013

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,85 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4287 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 3166 Euro pro Quadratmeter
München: 5590 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3660 Euro pro Quadratmeter

Im Mittelpunkt steht auf der Expo Real traditionell der gewerbliche Immobiliensektor. Hier macht Beyer – anders als bei Wohnimmobilien – noch keine Überhitzung aus. Nach seiner Einschätzung dürften die Preise etwa für Büros und Einzelhandelsobjekte in Bestlagen das Ende der Fahnenstange erreicht haben. „Hier sieht man die ersten Seitwärtsbewegungen – raus aus den teuren Zentren der Metropolen.“ Eine Meinung, die die Dekabank als großer Immobilieninvestor teilt. „Am deutschen Gewerbeimmobilienmarkt, speziell bei Büros, scheinen die Preise vor allem bei Spitzenobjekten in der Tat ziemlich ausgereizt“, berichtet Deka-Immobilienexperte Torsten Knapmeyer. Noch sieht er das insgesamt hohe Preisniveau als gerechtfertigt an. „Deutschland erfüllt seine Rolle als 'sicherer Hafen' in Europa.“ Interessant wird auf der Messe sein, welche Ausweichstrategien die Investoren entwickeln und bis zu welchem Punkt die Banken mitgehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×