Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.03.2011

16:18 Uhr

Immobilienfonds

Neue Krise wegen Japan

Zahlreiche Immobilienfonds sind im großen Umfang in Japan engagiert. Wegen des Erbebens drohen jetzt hohe Verluste. Einige Fonds könnten in arge Bedrängnis geraten. Anleger fürchten um ihr Geld.

Die Lichter gehen aus: Tokios Shopping-Destrikt Ginza spart Strom. Quelle: dpa

Die Lichter gehen aus: Tokios Shopping-Destrikt Ginza spart Strom.

In der Finanzkrise standen sie wie ein Fels in der Brandung: Die offenen Immobilienfonds von Union Investment, Deka und der Deutsche-Bank-Tochter RREEF. Während die Anleger aus den Produkten anderer Anbieter Milliarden abzogen und die Fonds in Schieflage brachten, konnten sich diese drei Gesellschaften gut behaupten - auch weil sie zwischen privaten und institutionellen Investoren klar zu unterscheiden wussten.

Doch die Atomkatastrophe in Japan könnte nun auch sie in Bedrängnis bringen, denn einige ihrer Fonds sind in der Region stark investiert. Die angeschlagene deutsche Branche, die das Vertrauen der Anleger noch immer nicht zurückgewonnen hat, kommt nicht zur Ruhe. "Die Krise in Japan trifft jetzt vor allem die globalen Immobilienfonds", sagt Scope-Analystin Sonja Knorr mit Blick auf den UniImmo Global der Fondsgesellschaft Union Investment. Seit dieser Woche ist er eingefroren, ein Novum bei den Genossen. Anleger kommen bis auf weiteres nicht mehr an ihr Geld und können auch keine neuen Anteile kaufen. Die Gesellschaft argumentiert, die Immobilien in Japan müssten angesichts des Nuklearunfalls neu bewertet werden. Der Japan-Anteil am Portfolio liegt bei 14,0 Prozent.

Ähnlich hoch ist er beim Grundbesitz Global von RREEF mit 16,1 Prozent und dem Immobilien Global des Sparkassen-Fondsdienstleisters Deka mit 14,8 Prozent. RREEF und Deka reagierten schnell. Es gebe aktuell keinen Anlass, ihre Fonds ebenfalls einzufrieren, erklärten sie. Sie sprachen aber auch von einer Momentaufnahme. RREEF und Deka kommt zugute, dass ihre Japan-Immobilien nicht ausschließlich in Tokio liegen. Die Hauptstadt liegt gerade einmal 240 Kilometer entfernt vom Unglücksreaktor Fukushima.

Wie stark die Strahlenbelastung in der Metropole am Ende sein wird, lässt sich kaum abschätzen. Davon hängt aber maßgeblich ab, wieviel Investoren für die Objekte überhaupt noch zu zahlen bereit wären. Schon in den vergangenen Jahren schwächelte der gewerbliche Immobilienmarkt in Japan und kam später aus der Krise als etwa Europa. Nun warnt Analystin Knorr: "Es ist nicht auszuschließen, dass die Gesellschaften ihre Immobilienwerte in Tokio anpassen müssen." Das lasse sich aber noch nicht mit Sicherheit sagen. "Die Lage ist viel zu unübersichtlich."

Aus genau diesem Grund hält sich auch der Branchenverband BVI noch mit einer Einschätzung zurück. Er verweist darauf, dass das durchschnittliche Japan-Engagement aller offenen Immobilienfonds in Deutschland im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt. Ob dies die Anleger in den hauptsächlich betroffenen Produkten beruhigt, ist offen. Schon in der Finanzkrise hatte sich gezeigt, dass die Verunsicherung bei vielen groß genug war, ihr Geld vorsorglich abzuziehen.

Doch auch jene Fonds, die seit der Finanzkrise ohnehin dicht sind, machen die neuen Nachrichten einen Strich durch die Rechnung. Besonders trifft es den P2 Value von Morgan Stanley, der sich in der Abwicklung befindet. Der Fonds war in den Boomjahren zu einem Drittel in Japan investiert, litt dann unter dem Preisverfall und Mittelabflüssen und muss seine Immobilien nun abverkaufen, um die Investoren schrittweise auszuzahlen. In Tokio ist das derzeit ein denkbar schlechter Zeitpunkt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×