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25.11.2014

10:14 Uhr

Immobilienkonzern Immofinanz

Maues Russlandgeschäft drückt Mieterlöse

Den Wirtschaftsabschwung in Russland bekommt nun auch der österreichische Immobilienkonzern Immofinanz zu spüren. Noch im ersten Quartal des Geschäftsjahres konnte das Unternehmen bei Mieterträgen ein Plus erzielen.

Im ersten Quartal des bis Ende April laufenden Geschäftsjahres 2014/15 verbuchte Immofinanz bei den flächenbereinigten Mieterträgen in Russland noch ein Plus von sechs Prozent. Reuters

Im ersten Quartal des bis Ende April laufenden Geschäftsjahres 2014/15 verbuchte Immofinanz bei den flächenbereinigten Mieterträgen in Russland noch ein Plus von sechs Prozent.

WienDer österreichische Immobilienkonzern Immofinanz bekommt den Wirtschaftsabschwung in Russland seit dem Sommer verstärkt zu spüren. Weil viele Mieter in den insgesamt fünf russischen Immofinanz-Einkaufszentren durch den schwachen Rubel mit Erlösrückgängen kämpfen, komme Immofinanz ihnen mit Mietsenkungen entgegen, sagte Firmenchef Eduard Zehetner in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Mieteinnahmen in Russland seien daher im zweiten Geschäftsquartal im Vergleich zum Vorquartal nicht mehr gestiegen. Im ersten Quartal des bis Ende April laufenden Geschäftsjahres 2014/15 verbuchte Immofinanz bei den flächenbereinigten Mieterträgen in Russland noch ein Plus von sechs Prozent, während sie in allen anderen Märkten stagnierten oder zurückgingen.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Russland ist mit einem Anteil von einem Viertel am Gesamtportfolio der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt für den Konzern. „Es ist eine Kaufzurückhaltung zu spüren“, sagte Zehetner. „Das ist nicht in jedem Shoppingcenter so – jüngere und größere sind davon mehr betroffen, bei kleineren merkt man faktisch nichts.“

In den Quartalsbilanzen des österreichischen Konzerns spiegelt sich auch die Entwicklung des Rubel wider. Die russische Währung hat seit dem Start des zweiten Geschäftsquartals Anfang August im Zuge der Ukraine-Krise im Vergleich zum Dollar ein Viertel an Wert verloren.

Bei einem schwächeren Rubel steigt der Wert der russischen Immobilien bei der Umrechnung in Euro. Im zweiten Quartal dürfte Immofinanz von diesem buchhalterischen Effekt profitieren, sagte Zehetner: Dadurch werde eine Abwertung der russischen Immobilien durch die schlechtere Wirtschaftsentwicklung mehr als ausgeglichen.

Im Ende Oktober ausgelaufenen zweiten Geschäftsquartal stehe daher unter dem Strich voraussichtlich ein Gewinn. Die Zahlen will das Unternehmen am 17. Dezember veröffentlichen.

Im ersten Quartal 2014/15 hatte das Unternehmen noch einen Verlust von knapp 14 Millionen Euro geschrieben: In der Periode hatte der Rubel vorübergehend an Wert gewonnen, was sich bei der Umrechnung in Euro negativ auf den Wert der Immobilien niedergeschlagen hatte.

Trotz der volatilen Entwicklung will Immofinanz an seinen russischen Einkaufszentren festhalten. „Wir müssen die Nerven behalten. Wir glauben an den russischen Markt. Wir werden moderat weiter investieren dort“, sagte Zehetner. Geplant sei etwa die Erweiterung des Einkaufszentrums Golden Babylon I im Großraum Moskau für knapp 80 Millionen Euro.

Hier sei Immofinanz gerade dabei, die erforderlichen Genehmigungen einzuholen. Mit den Bauarbeiten könne der Konzern voraussichtlich gegen Ende 2015 starten.

Von

rtr

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