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27.03.2013

15:20 Uhr

Immobilienkonzern

IVG tief in der Krise

Dem Immobilienkonzern IVG steht das Wasser bis zum Hals. Er muss bis Ende nächsten Jahres über drei Milliarden Euro refinanzieren. Ein neuer ganzheitlicher Finanzierungsplan soll bis zum Sommer ausgearbeitet werden.

Der Büro- und Hotelkomplex „Squaire“ am Frankfurter Flughafen ist eines der ehemaligen Prestigeprojekte der IVG. Nun steht dem Immobilienkonzern das Wasser bis zum Hals. dpa

Der Büro- und Hotelkomplex „Squaire“ am Frankfurter Flughafen ist eines der ehemaligen Prestigeprojekte der IVG. Nun steht dem Immobilienkonzern das Wasser bis zum Hals.

FrankfurtTiefrote Zahlen, eine Verschuldung nahe am Maximum und nervöse Banken: Der Immobilienkonzern IVG stürzt im fünften Jahr seiner Sanierung immer tiefer in die Krise. Die anstehenden Verhandlungen mit den Gläubigern werden zur Herkulesaufgabe und zwingen das Management dazu, einen völlig neuen „ganzheitlichen“ Finanzierungsplan auszuarbeiten, wie Vorstandschef Wolfgang Schäfers am Mittwoch in Frankfurt ankündigte. Der Plan soll bis zum Sommer stehen, die Hauptversammlung wird deshalb auf Ende Juli verschoben. Eine neue Kapitalspritze der Anleger ist ebenso wenig ausgeschlossen wie ein Forderungsverzicht der Banken. Das machte Finanzchef Hans Volkert Volckens deutlich: „Wenn wir weiter nur Löcher stopfen, dann werden wir keine Kapitalmarktfähigkeit oder Dividendenfähigkeit erreichen.“ Der Bonner Konzern halte sich alle Optionen offen.

Die klare Ansage trieb Investoren in Scharen davon: Die IVG-Aktie, inzwischen nur noch im Kleinwerteindex SDax notiert, brach in der Spitze um 40 Prozent auf 76 Cent ein. Ohne Kapitalschnitt wäre auf diesem Niveau nicht einmal eine Kapitalerhöhung möglich. Aber auch so haben die Anleger schon viel Geld verloren: In den Boomzeiten 2007 kostete die Aktie einmal 35 Euro, Ausschüttungen haben sie seit Jahren nicht gesehen. Den Anleihegläubigern geht es nicht viel besser: Der 2006 ausgegebene Hybridbond notiert nur noch zu 28 Prozent seines Nennwerts, Zinsen gibt es im Moment nicht.

Die IVG sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als vier Milliarden Euro, der Großteil davon Bankkredite. Bis Ende 2014 müssen insgesamt 3,16 Milliarden Euro refinanziert werden, rechnete Volckens vor. Die Gespräche mit den Banken, die in Zeiten strengerer Kapitalanforderungen ohnehin knausrig geworden sind, laufen schon seit einiger Zeit.

Viel Verhandlungsmacht habe der Konzern nicht, räumte IVG-Chef Schäfers ein: Der Verschuldungsgrad (LTV) der Gesellschaft liege per Ende 2012 bei überdurchschnittlich hohen 70,6 Prozent. Bei 75 Prozent dürfen die Banken die Kredite vorzeitig kündigen: „Wenn wir die 75 Prozent überschreiten - was wir noch nie getan haben - dann hätten wir einen Covenants-Bruch vorliegen“, erklärte er. Eine Möglichkeit wäre, große Immobilien wie den Geschäftskomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen zu verkaufen, bei dem über Jahre die Baukosten aus dem Ruder gelaufen sind. Aber dafür Investoren zu finden, ist im aktuellen Marktumfeld schwierig - und auch kein Garant für ein Einlenken der Banken, wie Schäfers einräumte: „Selbst wenn wir 'The Squaire' verkaufen können, liegt unsere Verschuldung auf einem Niveau, das für die Banken nicht mehr darstellbar ist.“

Die IVG hatte sich unter dem alten Management mit milliardenschweren Projektentwicklungen verhoben und stand in der Finanzkrise vor dem Abgrund. Seither läuft die Sanierung unter Schäfers und Volckens, letzterer ist erst seit Herbst 2011 an Bord. Die Gläubiger verlieren aber offenbar zunehmend die Geduld: Finanzkreisen zufolge haben die ersten Banken Teile ihrer Darlehen an Kreditfonds und andere Investoren mit Abschlag weitergereicht - was die Refinanzierungsverhandlungen zusätzlich erschweren dürfte. Wer am Ende an Bord bleibt und zu welchen Bedingungen, ist offen. „Ohne einen Haircut von etwa 20 Prozent wird es nicht gehen“, schätzt ein Restrukturierungsexperte.

Chancen und Risiken

Halle a. d. Saale

Auf dem letzten Platz liegt Halle. Hier liegt das Risiko bei 3,30 (auf einer Skala von 1-5). Dafür ist die durchschnittliche Rendite mit 9,9 Prozent am höchsten.

Duisburg

Die Ruhrpott-Stadt weißt ein eher hohes Risiko auf: 2,97. Die Rendite von 9,0 Prozent lockt dafür umso mehr.

Magdeburg

Die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt birgt mit 2,97 ein eher hohes Risiko. Dafür liegt die Rendite aber auch bei 9,6 Prozent.

Kassel

Kassel bewegt sich wie Bochum mit 2,64 im mittleren Risiko-Bereich. Rentabel ist sie mit 8,9 Prozent aber allemal.

Bochum

Die Stadt im Ruhrpott birgt ein Risiko von 2,64. Dafür weist sie eine Rendite von 9,3 Prozent auf.

Augsburg

Wie auch in Heilbronn liegt das Risiko bei 2,31. Allerdings ist die Rendite in Augsburg mit 6,9 Prozent am geringsten.

Heilbronn

Bei den Schwaben liegt das Risiko bei 2,31 und die Rendite beträgt 7,2 Prozent.

Aachen

Zusammen mit Braunschweig belegt Aachen mit 1,98 Platz 2. Allerdings ist die Rendite hier nicht so hoch, sondern liegt nur bei 7,1 Prozent.

Braunschweig

Die kleine Stadt im Norden ist auch sicher. Mit 1,98 teilt sie sich den Platz mit Aachen. Die Rendite beträgt 8,3 Prozent.

Bielefeld

Der klare Sieger ist Bielefeld. Hier liegt das Risiko bei gerade einmal 1,65. Die Rendite erreicht mit 8,3 Prozent immerhin das Mittelfeld.

Im Immobilien-Kerngeschäft verdient der Konzern nach wie vor kein Geld, weil immer wieder Abschreibungen auf einstige Prestige-Objekte das Ergebnis verhageln. Der Rückzug aus den Auslandsmärkten geht nur langsam. Lediglich das Geschäft mit unterirdischen Öl- und Gasspeicheranlagen (Kavernen) spülte der IVG zuletzt Geld für die Kredittilgungen in die Kasse.

Am Ende belief sich der Nettoverlust 2012 auf fast 100 Millionen Euro, wie die IVG schon vor drei Wochen mitteilte - dabei hatte der Konzern eigentlich ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt hatte. Ob es dieses Jahr besser wird, ließ das Führungsduo offen: Es gebe erhebliche Unsicherheiten. Durch die Schuldenkrise liege der gewerbliche Mietmarkt am Boden. Die Konkurrenten DIC Asset und Alstria Office hatten sich zuletzt optimistischer geäußert.

Von

rtr

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