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31.07.2014

13:23 Uhr

Immobilienkredite

Die unglaublich günstigen Baugeld-Offerten

VonJens Hagen

Die Zinsen für Baugeld eilen von einem historischen Tief zum nächsten. Banken, Vermittler und Versicherer locken aktuell mit erstaunlich günstigen Immobilienkrediten. Welche Offerten den Hauskauf preiswert machen.

Fröhliches Sparschwein: Das historische Zinstief bei Baugeld macht Immobilien günstig. dpa

Fröhliches Sparschwein: Das historische Zinstief bei Baugeld macht Immobilien günstig.

DüsseldorfSelbst altgediente Vertriebs-Profis bringt der scheinbar endlose Sinkflug der Baugeld-Zinsen in Wallung. „Abgesehen von der Niedrigzinsphase des vergangenen Jahres konnten Immobilienkäufer seit Bestehen der Bundesrepublik noch nie so billig einen Hauskredit aufnehmen wie derzeit“, erklärte Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender des Baugeld-Vermittlers Interhyp, in seinem Zinskommentar Anfang Mai. Einen Monat später schwärmt Gories, dass „Kreditinstitute Immobilienfinanzierungen so billig wie selten in der Geschichte der Bundesrepublik vergeben können“.

Doch es geht noch besser. Anfang diesen Monats kommentiert Gories unter Überschrift: „Immobilienkredite auf Allzeittief“: „Potenzielle Immobilienkäufer sollten nicht auf noch niedrigere Konditionen spekulieren. Der Boden scheint erreicht.“ Aber die Zinsen fallen immer weiter. Vergangene Woche feierte ein Interhyp-Newsletter ein neues Allzeittief. „Im Juli der Rekorde“ können „Bauherren von wahren Weltmeister-Zinsen profitieren“. Und seit dieser Meldung ging es weiter runter.

Baugeld ist so günstig wie nie. Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung gibt es heute für einen Zins von 2,0 Prozent, wie ein Durchschnittsatz von 40 Instituten der FMH Finanzberatung zeigt. Im Januar 2012 waren es drei Prozent. Zwei Jahre davor vier Prozent und Mitte 2008 noch 5,5 Prozent. In der Baufinanzierung liegen Welten zwischen Krediten, die ein Prozentpunkt mehr oder weniger kosten. Die Kosten für einen Kredit über 100.000 Euro sinken innerhalb der Zinsbindung von zehn Jahren um 11.200 Euro je ein Prozent Zinsdifferenz, wenn die Zinsersparnis für eine erhöhte Tilgung investiert wird.

Bauzinsen im historischen Vergleich

1980: Zinsen knapp unter zehn Prozent

Im Sommer 1980 musste man für einen Immobilienkredit rund 9,5 Prozent Zinsen bezahlen. Damit kostete den Kreditnehmer eine Finanzierung über 200.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung rund 178.000 Euro - bei einer Tilgung von einem Prozent und einem Beleihungsauslauf von 60 Prozent.

Die monatliche Rate betrug damals umgerechnet 1.750 Euro.

1990: Nach dem Mauerfall steigen die Zinsen

Nach der Wiedervereinigung wurde es für Kreditnehmer fürs Eigenheim teurer. Während man Mitte der Achtziger Jahre rund 7,5 Prozent Zinsen zahlen musste, waren es Anfang der Neunziger Jahre bereits neun Prozent und mehr. Für das oben vorgerechnete beispielhafte Darlehen von 200.000 Euro mussten Kreditnehmer rund 1.700 Euro pro Monat aufbringen.

2000: Es geht abwärts

Mit Beginn des neuen Jahrtausends brachen für Kreditnehmer bessere Zeiten an. Immobiliendarlehen waren mit sechs Prozent Zinsen so billig wie nie zuvor. Vor der Internetblase lagen die Zinsen sogar bei vier Prozent - der Aktienboom hatte die Kreditzinsen Anfang 2000 in die Höhe getrieben. Der Beispielkredit über 200.000 Euro konnte im Juni 2000 bereits mit einer Monatsrate von rund 1.200 Euro bedient werden. Die Kosten für den gesamten Kredit beliefen sich auf zehn Jahre gerechnet bei 113.000 Euro. 65.000 Euro weniger als 20 Jahre zuvor.

2010: Nach der Krise kommt das Zinstief

Zuerst die Banken-, dann die Finanz- und schließlich Schuldenkrise lasteten schwer auf Europa. Um die Wirtschaft anzukurbeln senkte die EZB die Zinsen auf ein rekordniedriges Niveau. Die Bauzinsen bewegten sich im Juni 2010 bei rund 3,6 Prozent. Im Vergleich zu 2000 halbierte sich die Monatsrate für den beispielhaften 200.000-Euro-Kredit damit fast auf rund 770 Euro. Die Kosten über zehn Jahre hinweg beliefen sich 2010 auf nur noch rund 68.000 Euro.

2014: Kredite so günstig wie nie

Die Niedrigzinsphase macht Sparern zu schaffen, hat für aber auch Auswirkungen auf die Immobilienfinanzierung. Die Zinsen für den oben vorgerechneten Kredit über 200.000 Euro lagen im Juni 2014 bei rund 2,2 Prozent. Die monatliche Kreditrate betrug damit 533 Euro. Das ist weniger als ein Drittel der Rate vom Juni 1980. Vor rund 25 Jahren mussten Kreditnehmer fast die gesamte Kreditsumme als Kosten kalkulieren, heute dagegen nur noch 42.000 Euro, also knapp ein Fünftel. Seitdem gin es noch einmal gut 20 Basispunkte runter.

Wie das Zinstief in der Realität ankommt, das zeigt der Blick in die Konditionentableaus der Anbieter. Vor allem Kredite mit niedriger Beleihung sind derzeit spottbillig. Wer etwa einen Anschlusskredit sucht oder sehr viel Eigenkapital mitbringt, kann etwa bei der Commerzbank ein Volltilger-Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung zu einem Effektivzins von 1,56 Prozent abschließen. Der Kreditanteil darf allerdings nicht mehr als 54 Prozent des Kaufpreises betragen.

„Die meisten Kunden dürften aber länger als zehn Jahre brauchen, um ihren Kredit komplett zu tilgen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Bei einer Beleihung von 50 Prozent bietet die Degussa Bank ein Darlehen mit einer Zinsbindung von 15 Jahren an - zu einem Zins von 2,32 Prozent. Für eine Zinsbindung von 20 Jahren verlangt die Allianz bis zu 50 Prozent Beleihung nur 2,58 Prozent.

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