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10.12.2013

14:02 Uhr

Immobilienkredite

EU verbessert Verbraucherschutz

Ein Haus- oder Wohnungskauf ist oft die größte Anschaffung im Leben. Viele Europäer übernehmen sich bei der Kreditaufnahme. Die EU will den Kunden nun mit mehr Informationen und dem Recht auf vorzeitige Rückzahlung helfen.

Viele EU-Bürger übernehmen sich beim Immobilienverkauf. Sie sollen vor faulen Krediten und ungerechten Klauseln geschützt werden. dpa

Viele EU-Bürger übernehmen sich beim Immobilienverkauf. Sie sollen vor faulen Krediten und ungerechten Klauseln geschützt werden.

Straßburg/BrüsselIn der Europäischen Union soll der Verbraucherschutz beim Abschluss von Immobilienkrediten verbessert werden. Eine entsprechende Richtlinie verabschiedete das Europaparlament am Dienstag in abschließender Lesung. Mit dem Votum ist das Gesetz praktisch beschlossen und muss nur noch formal vom Rat, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind, abgesegnet werden. Die Standards werden voraussichtlich von April 2015 an gelten.

Der Neuregelung zufolge müssen Verbraucher künftig schon vor Unterzeichnung des Vertrags umfassend über die möglichen Risiken hinsichtlich der späteren Zins- und Tilgungslast und über die Gesamtkosten ihres Darlehens informiert werden. Zusätzlich wurden die Regeln für die Prüfung der Kreditwürdigkeit verstärkt.

Auch künftig sollen Kunden die Wahlfreiheit zwischen einem variablen oder dem in Deutschland üblichen langfristigen stabilen Festzinssatz haben. Außerdem wird eine vorzeitige Rückzahlung von Krediten, die heute in Deutschland oft sehr teuer oder gar unmöglich sei, erleichtert. Das gleiche gilt für die Aufnahme eines Immobilienkredits in einem anderen EU-Staat.

Mit der Neuregelung zieht die EU die Lehren aus den Immobilienblasen, die in den USA, aber auch in einigen EU-Staaten maßgeblich zur Wirtschafts- und Finanzkrise beigetragen haben. Berater bei Geldinstituten sollen daher verpflichtet werden, Risiken während der gesamten Laufzeit eines Kredits mitberücksichtigen.

Zugleich können Kunden Kredite leichter vorzeitig zurückzahlen. In Deutschland haben Baudarlehen meist eine lange Zinsbindung von 10, 20 oder 30 Jahren. Wer die Summe vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit abbezahlen will, für den wird es oft teurer. Diese Entschädigungszahlungen werden eingeschränkt - bleiben aber erlaubt. Die deutsche Regelung zu Entschädigungen bei Festzinskrediten könne somit bestehen bleiben, sagte der Europaabgeordnete Andreas Schwab (CDU): „Das sichert die im europäischen Vergleich sehr günstigen Zinssätze deutscher Banken bei Immobilienkrediten.“

Die Anbieter von Baukrediten werden mehr kontrolliert, etwa von den Aufsichtsbehörden. Sie benötigen eine Zulassung für ihre Tätigkeit und müssen sich in einem Register eintragen. Damit will die EU verhindern, dass Berater Kunden zu unverantwortlich teuren Krediten überreden. Jeder Kunde hat ein garantiertes Rücktrittsrecht.

Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier begrüßte die Einigung: „Viel zu oft nehmen Verbraucher Hypothekenkredite auf, ohne sich der Risiken bewusst zu sein, die damit verbunden sind.“ Die neuen Regeln würden eine verantwortungsvolle Kreditvergabe fördern.

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