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21.07.2012

14:57 Uhr

Immobilienkrise nicht vorbei

Preise in Spanien weiter im Sinkflug

VonAnne Grüttner

Ein Ende der Immobilienkrise in Spanien ist noch nicht abzusehen. Marode Banken, Rezession und sehr teure neue Hypothekenkredite drücken die Preise nach unten. Mallorca bildet allerdings eine Ausnahme.

Villa mit eigenem Zugang zum Golfplatz in Santa Ponsa. Engel & Völkers

Villa mit eigenem Zugang zum Golfplatz in Santa Ponsa.

MadridSpaniens Immobilienkrise ist noch nicht zu Ende. Die Preise für Wohnungen, Häuser und Grundstücke werden aller Erwartung nach noch einmal kräftig fallen. Anders sind die Banken, die längst die größten Immobilienverwalter Spaniens geworden sind, nicht zu sanieren. Sie besitzen inzwischen Gebäude im Wert von rund 70 Milliarden Euro, und viele ihrer Kredite sind mit Immobiliengarantien unterlegt.

Gleichzeitig verursachen Rezession und horrend teure neue Hypothekenkredite zusätzlichen Druck auf die Preise. Allein im Jahr 2011 sind die Preise in den großen Städten sowie an der Mittelmeerküste um mehr als 13 Prozent gesunken, stellt der spanische Immobilienbewerter Tinsa fest.

Die zehn größten Fehler beim Hauskauf im Ausland

Anzahlen ohne Sicherheit

Privatschriftliche Vorverträge sind in Spanien und Frankreich bindend, aber eine Anzahlung ohne Sicherheit kann ein großer Fehler sein - gerade in Krisenzeiten, wo auch am Bau Pleiten drohen. Tipp: Vor der ersten Überweisung eine Bankbürgschaft vom Verkäufer verlangen.

Kaufen vom Papier

Ein schöner Prospekt ist schnell gedruckt. Schon mancher als Traumhaus gepriesener Strandbungalow erwies sich bei näherer Betrachtung als baufällige Bruchbude. Im schlimmsten Fall existiert das Haus nur auf dem Papier. Tipp: Erst besichtigen, dann anzahlen.

Mängel missachten

Pfusch am Bau ist keine Seltenheit bei Neubau-Ferienimmobilien. Bei Altbauten können Niedrigstpreise ein Zeichen für fehlende Isolierung, Heizung oder anstehende Großreparaturen sein. Tipp: Einen unabhängigen Bausachverständigen hinzuziehen.

Miterben vergessen

Erben verkaufen im Ausland oft, ohne die geerbten Immobilien vorher umschreiben zu lassen. Wenn die Miterben ihre Unterschrift verweigern, kommt der Kauf nicht zustande. Tipp: Testament oder Erbschein prüfen lassen.

Nationales Recht ausblenden

Gerichtsstand ist meist im Ausland. Und sogar wenn die juristische Auseinandersetzung vor einem deutschen Gericht landet, geht es häufig um fremdes Baurecht. Tipp: Suchen Sie sich einen sprachkundigen Rechtsanwalt.

Schulden übernehmen

Alte Schulden bei Banken oder Behörden können den Wert der Ferienimmobilie erheblich mindern. Tipp: Käufer sollten Nachweis der Lasten- und Schuldenfreiheit verlangen.

Schwarzbau erwerben

In Italien und Spanien wird viel schwarz gebaut. Statt eine Baugenehmigung einzuholen, wird das Bußgeld im Kaufpreis einkalkuliert. Den Ärger damit hat später der Käufer. Tipp: Beim Ortstermin Bauten mit Genehmigung vergleichen.

Sprachbarriere vernachlässigen

Schon Juristen-Deutsch ist oft unverständlich. Einen Kaufvertrag in Fremdsprache sollte der Käufer unbedingt übersetzen lassen. Tipp: Vereidigten Übersetzer engagieren.

Vom Falschen kaufen

Viele Eigentumsregister in Urlaubsländern sind unvollständig, und nicht alle Anbieter von Ferienimmobilien sind zum Verkauf berechtigt. Tipp: Eine Register-Abfrage vornehmen und im Zweifel lieber nicht kaufen.

Weiterverkauf unterschätzen

Eine Wohnung im nicht bebaubaren Küstenbereich entpuppt sich schnell als Ladenhüter. Tipp: Wer später weiterverkaufen will, sollte das Baurecht am Ort sorgfältig prüfen.

In den Ferienorten am Meer sitzen die Banken vor allem auf schwer verkäuflichen Wohnungen aus dem unteren Marktsegment. Etwas höher sieht es anders aus. Es gebe zwar auf diesem Niveau viele interessante Objekte, aber keine Schwemme, berichtet Marcus von Busse, Generaldirektor von Engel & Völkers (E&V) in Spanien: „Oft sind Käufer und Verkäufer in einer ähnlichen Situation: Bei den Käufern ist der Finanzierungsanteil gering, beim Verkäufer ist das Motiv selten massiver Finanzdruck."

Ein Ausnahmefall ist Mallorca, wo die Preise in den vergangenen Jahren nur halb so stark sanken wie auf dem Festland, was von Busse nicht wundert: „Mallorca ist ein internationaler Standort. Der Gebäudemarkt hat eine große Dynamik. Es gibt immer wieder neue Käufergruppen." Die Insel lebe davon, leicht erreichbar zu sein, eine gute Infrastruktur und internationale Schulen zu besitzen.

Einen massiven Preisverfall gab es im Zuge der Krise auch in Portugal. Seit dem Höhepunkt des Immobilienbooms vor fünf Jahren, als Portugal einen leichten Wirtschaftsaufschwung erlebte, sind die Preise in der Algarve um bis zu 50 Prozent gefallen. Der heftigste Preisverfall sei aber schon vorbei, sagt Frank Lipinski von E&V in Portugal. „Der Markt wird sich an der gesamten Algarve voraussichtlich auf dem aktuellen Tiefstand halten."

Kommentare (1)

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Juergen

27.10.2012, 09:31 Uhr

Wer in die Cala Romantica schaut, sieht das ganze Elend der Immobilienkrise auf Mallorca. 150 nicht fertiggebaute Häuser dümpeln vor sich hin, in der Urbanisation stehen ca. 45 Häuser zum Verkauf, niemand will diese Objekte haben bzw. die möglichen Käufer lassen sich anhand der überzogenen Preise nicht meh über den Tisch ziehen. Dies ist nur eine Urbanisation. Cala Murada, genau das gleiche Szenario. Wohnungen in Sa Coma so gut wie unverkäuflich. Wo bitte ist die Krise an Mallorca vorbeigegangen??????????

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