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11.08.2016

10:59 Uhr

Immobilienmärkte

Wohnungsriesen auf Wolke sieben

VonReiner Reichel

Aktionäre deutscher Immobiliengesellschaften können jubeln. Schon nach dem ersten Halbjahr 2016 ist absehbar, dass die Gesellschaften im kommenden Jahr ihre Gewinne steigern – und mehr ausschütten können.

Immer mehr Experten warnen vor überhitzten Immobilienpreisen in deutschen Großstädten dpa

Baustelle in Berlin

Immer mehr Experten warnen vor überhitzten Immobilienpreisen in deutschen Großstädten

DüsseldorfWer bietet mehr? Ein Immobilienkonzern, der nach dem ersten Geschäftshalbjahr die Ergebnisprognose nicht anhebt, wäre zurzeit eine echte Enttäuschung. Wohnungen sind knapp. Die Mieten steigen und die Verwaltung der Bestände wird weiter optimiert. Folglich kündigen Vonovia & Co. ständig höhere operative Ergebnisse, branchentypisch gemessen als FFO I (Funds from Operation), an.

Am Donnerstag glänzte die TAG: „Aufgrund der überaus positiven operativen Entwicklungen hebt der Vorstand die FFO-Prognose für das Geschäftsjahr 2016 von bisher 84 bis 85 Millionen Euro auf 92 bis 93 Millionen Euro an, teilte die Gesellschaft mit. Selbstverständlich stieg der operative Gewinn bereits im ersten Halbjahr. Ein Grund für die positive Entwicklung: Die Leerstandsquote ist seit dem Jahresbeginn von 7,7 auf 7,1 Prozent gesunken. Gemessen an den Leerständen der drei großen Wohnungsvermieter, Vonovia, Deutsche Wohnen und LEG, ist dies immer noch eine hohe Quote. Einmal mehr besonders stolz vermelden die Hamburger Vermietungserfolge für ihre Problembestände in Salzgitter. Dort wurde die Leerstandsquote seit Jahresbeginn von 12,1 auf 9,6 Prozent gedrückt.

Am Mittwoch hatte die LEG, die Nummer drei unter den börsennotierten Wohnungsvermietern Zahlen vorgelegt. Auch die Düsseldorfer nannten typischerweise eine Bandbreite für den FFO I. Nun sollen die rund 130.000 Wohnungen bis zum Jahresende 261 bis 265 Millionen Euro erwirtschaften, statt 257 bis 262 Millionen Euro. „Die positiven Effekte aus unserem Effizienzprogramm zeigen sich schneller als geplant“, kommentiert Vorstandschef Thomas Hegel die Anhebung. Nicht zu vergessen: Im Jahresvergleich kletterte der operative Gewinn in den ersten sechs Monaten um mehr als ein Drittel auf 138 Millionen Euro.

Preisentwicklung von Luxusimmobilien weltweit (2016)

Vancouver

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 36,4 Prozent

Die Studie vergleicht die Entwicklung der Immobilienpreise für Luxusobjekte (Top-fünf-Prozent des Markts) in 37 Großstädten weltweit. Quelle: Knight Frank

Schanghai

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 22,5 Prozent

Kapstadt

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 16,1 Prozent

Toronto

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 12,6 Prozent

Melbourne

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 11 Prozent

Paris

Die französische Hauptstadt führt die fünf Städte mit der schlechtesten Preisentwicklung an.

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 2,7 Prozent

Delhi

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 4,9 Prozent

Moskau

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 5,2 Prozent

Taipeh

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 7,7 Prozent

Hongkong

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 8,4 Prozent

Vergangene Woche war Branchenprimus Vonovia vorweggeprescht mit der Ankündigung: „Vonovia erhöht zum zweiten Mal in Folge die Prognose für 2016“. In Zahlen: Nun soll der FFO I auf 740 bis 760 Millionen Euro klettern. Zuvor begann die Spanne bei 720 Millionen Euro und endete 20 Millionen Euro darüber. Überflüssig zu sagen, dass das Halbjahresergebnis deutlich über dem des Vorjahres lag. Der einzige Immobilienkonzern im Dax verweist ebenfalls darauf, dass er ihm gelungen ist, seine aktuell rund 340.000 Wohnungen effizienter zu verwalten.

Es wäre schon eine arge Enttäuschung, wenn die Deutsche Wohnen, die dritte im Bund der börsennotierten Wohnungsvermieter mit mehr als 100.000 Wohnungen, am Freitag für ihren Halbjahresbericht nicht Textbausteine ihrer Vorgänger verwenden könnte – mit anderen Zahlen versteht sich.

Wenn die Gesellschaften halten, was sie versprechen, dürfen sich die Anleger auf steigende Dividenden im nächsten Frühjahr freuen. Denn typischerweise haben sich die Wohnungsgesellschaften verpflichtet, regelmäßig einen bestimmten Prozentsatz, meist um die 60 Prozent, des FFO I als Dividende auszuzahlen. Der FFO I enthält nur die Gewinne aus der Immobilienbewirtschaftung, also im Wesentlichen aus der Vermietung, aber nicht aus Wohnungsverkäufen.

Die Gefahr, dass die Gesellschaften leere Versprechungen machen, ist bei Wohnungsvermietern geringer als in anderen Branchen. Weil die Devise gilt, dass Menschen auch in schlechten Zeiten wohnen müssen, ist das Risiko, dass viele Wohnungen plötzlich leer stehen gering. Zwar steigt im Falle einer Rezession das Risiko, das Menschen ihre Miete nicht mehr zahlen können, weil sie ihre Arbeit verlieren. Doch eine solche Situation kommt nicht über Nacht.

Kommentare (6)

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Herr Toni Ebert

11.08.2016, 10:33 Uhr

Ja, man sieht, dass die Leser hier es immer mehr erkennen, wozu diese Artikel der Presse gut sind.

-.........hier hat man Spaß und Humor

Und wenn es um Informationen geht, die man für seine Arbeit braucht, dann geht man ins Internet.



Baron v. Fink

11.08.2016, 10:33 Uhr

Für Reit-Aktionäre signalisieren steigende Gewinne grundsätzlich auch steigende Dividenden.

Da können nur amerikanische Reits gemeint sein. In der Räte-EU gibt es doch nur Wurst auf den
Versammlungen der enttäuschten Anleger.

Herr Hans Mayer

11.08.2016, 10:40 Uhr

Überall Jubel, das Handelsblatt macht seine Sache sehr zur Zufriedenheit der Auftraggeber.
Und dann auch noch die vielen Migranten, die machen sich jetzt alle selbstständig und bringen das nächste Jobwunder. Wohl in der Hauptsache Flohmarkthändler, Dönerverkäufer und Kaftanschneider, ja sowas brauchen wir ganz dringend, auch Machetenhersteller und Verkäufer sind gefragte Leute.

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