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14.12.2012

10:44 Uhr

Immobilienmakler

Die Geldmacher

VonUlrich Lohrer

Jeder darf diesen Beruf ausüben, ohne besonders qualifiziert zu sein: Immobilienmakler. Und während die Preise am Wohnungsmarkt steigen, kassieren die Makler kräftig ab. Die Kritik an der undurchsichtigen Branche wächst.

Immobilien in München. "Kaum bezahlbar" dpa

Immobilien in München. "Kaum bezahlbar"

MünchenDie Warteliste des Studentenwohnheims in Fulda ist lang. Auf 6.800 Studierende kommen 215 Plätze in den zwei öffentlichen Wohnheimen. Immer mehr Studienanfänger müssen daher auf den privaten Wohnungsmarkt ausweichen. „Die Suche dauert länger als noch vor einigen Jahren“, sagt Antje Mohr von der Pressestelle der Hochschule Fulda. Die Preise seien durch die größere Nachfrage deutlich gestiegen. „Viele Wohnungen und Zimmer sind nur noch über Makler zu bekommen und das ist nicht für alle Studierenden bezahlbar.“

Gegen eine Provision von bis zwei Nettokaltmieten plus Mehrwertsteuer bieten Makler die Zimmer an. Nicht nur für Studenten ist dies oft zu viel. Vor allem können die Wohnungssuchenden oft nicht verstehen, weshalb sie bis zu zwei Nettokaltmieten für die Vermittlung einer Wohnung zahlen sollen, wenn die Dienstleistung eines Maklers für sie lediglich in einer Massenbesichtigung einer Wohnung besteht.

Wo ein Haus mit 140 qm am meisten kostet

Harlaching (München)

1.089.100 Euro

Tegernsee (Miesbach)

1.165.900 Euro

Frauenkopf (Stuttgart)

1.178.500 Euro

Schwabing (München)

1.381.600 Euro

Oberkassel (Düsseldorf)

1.396.600 Euro

Hoheluft-Ost (Hamburg)

1.435.400 Euro

Harvestehude (Hamburg)

1.459.700 Euro

Haidhausen (München)

1.469.300 Euro

Lehel (München)

1.509.400 Euro

Neuhausen (München)

1.520.500 Euro

Quelle: Für die Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982. Stand: August 2012.

Beim Wettbewerb um eine Unterkunft sehen sich die Bewerber oft gezwungen, gegenüber fremden Menschen persönliche Angaben über Einkommens- und persönliche Verhältnisse zu machen. Es besteht nicht der Eindruck, für einen hohen Geldbetrag eine adäquate Dienstleistung zu bekommen. Man fühlt sich nicht als König Kunde, sondern als Bittsteller.

Kein Wunder: Auch wenn er seine Courtage beim Abschluss vom Mieter bekommt, so handelt der Makler in der Regel im Auftrag des Vermieters. Besonders in den Zentrumslagen der deutschen Großstädten, wo die Mieten und damit die Maklerprovision besonders stark gestiegen sind, regt sich daher Widerstand. Von den Grünen im Berliner Senat wird kritisiert, dass viele Wohnungen nur über Makler angeboten werden, was für die Interessenten oft unzumutbare hohe Courtagen mit sich bringe. Den mit den Mieten gestiegenen Maklerprovisionen stünde kein höherer Arbeitsaufwand für die Makler gegenüber. Im Gegenteil: Wohnungen seien bei hoher Nachfrage leichter an die Frau oder an den Mann zu bekommen.

Nun haben die Bundesländer Hamburg und Nordrhein-Westfalen eine Gesetzesinititative im Bundesrat angekündigt: Die bisherige Bezahlung der Makler, die einkommensschwache Haushalte benachteilige,  soll darin geändert werden,  dass derjenige den Makler zahlt, der ihn beauftragt hat. „Überall in der Wirtschaft zahlt der Besteller einer Leistung, bei den Maklercourtagen muss das künftig auch so laufen“, sagt Anjes Tjarks, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft und Initiator der Reform der Maklerregelung. Für dieses Bestellerprinzip haben bereits andere Bundesländer Unterstützung zugesagt. „Im Februar soll der Vorschlag dem Hamburger Senat und danach dem Bundesrat zur Abstimmung vorgelegt werden“, sagt Kerstin Graupner, Sprecherin bei der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung.

Kommentare (59)

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Account gelöscht!

14.12.2012, 10:59 Uhr

Mit dem Kauf teuerer Immobilien werden teure Investitionen in Deutschland getätigt und das Geld versenkt. Ganz Europa kauft in Deutschland oder London Immobilien, weil hier kein Chaos und Unruhen drohen. Ist doch gut ! Der Staat kassiert dabei kräftig ab mittels steigender "Grunderwerbsteuer" bei jedem Kauf oder Verkauf.
Was die Provision von Maklern angeht so sollte man diese "deckeln" auf z.B. 3 %. Denn warum muss man 6-8 % zahlen, wo die nur die Annonce online stellen brauchen und schon kasieren sie 6.000 EUR beim Verkauf einer 100.000 EUR Eigentums-Wohnung. Bisschen viel was ? Deckeln auf 3 % !

Aber der Staat kassiert auch hier ab, immerhin muss man Mehrwertsteuer auf die erhaltene Provision zahlen. Da ist das Schäuble auch egal, dass die Verkäufer abgezockt werden.

Immofritze

14.12.2012, 11:01 Uhr

Der Leser hat Recht. Wenn ich mir so anschaue welche Leute sich heute Makler schimpfen und dann 5% für einige Fotos, ein Inserat im Internet und Türaufsperren kassieren, da kann ich auf solche Dienstleistungen verzichten.
Das Problem ist dass die Vermieter und Verkäufer weiterhin auf solche bequeme Dienstleistungen nicht verzichten werden solange sie nicht selbst dafür bezahlen müssen. Einfach bestellen und die Rechnung andere bezahlen lassen.

Account gelöscht!

14.12.2012, 11:05 Uhr

Da ist das Schäuble auch egal, dass die KÄUFER abgezockt werden. - meinte ich natürlich -

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