Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2011

16:57 Uhr

Immobilienmarkt

Anleger schwören auf Betongold

VonMarlies Uken
Quelle:Zeit Online

Die Finanzkrise lässt die Kaufpreise für Häuser rasant steigen. Anleger investieren in Toplagen. Doch den Käufern droht ein Verlustgeschäft. Haben wir es mit einer Immobilienblase zu tun?

Neubausiedlung im Norden von Frankfurt: Immobilienkredite sind derzeit spotbillig. dpa

Neubausiedlung im Norden von Frankfurt: Immobilienkredite sind derzeit spotbillig.

HamburgImmobilienscout24 ist ein Gewinner der Finanzkrise. "Seit der Lehman-Pleite explodieren bei uns die Suchanfragen", sagt Michael Kiefer, der die Abteilung Immobilienbewertung leitet. Allein im Juli verzeichnete der virtuelle Makler knapp 700.000 Suchanfragen für Kaufimmobilien – eine Steigerung von fast 500 Prozent zu Anfang 2008.

Auch die Angebotspreise würden steigen, gerade in Metropolregionen wie München, Hamburg und Berlin. Für einen Blick auf den Münchner Viktualienmarkt oder die Hamburger Alster legen Käufer nicht selten mehrere Millionen Euro hin. Ein sechsstelliges Angebot gilt da noch als Schnäppchen.
Die Zahlen des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken belegen die Entwicklung. Im zweiten Quartal 2011 sind die Preise für Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent gestiegen. Der VDP wertet regelmäßig die Daten von 21 Banken aus, die Immobilienkredite vergeben.

Es ist ein Trend, den nicht nur Immobilienmakler feststellen, sondern auch viele Deutsche in ihrem privaten Umfeld. Wohin mit dem Geld in Zeiten der Finanzkrise? Die Aktienmärkte sind unattraktiv, ständig fällt der Dax auf einen neuen Tiefstand. "Anleger betrachten die deutschen Immobilienmärkte vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Euro-Pleitekandidaten als sicheren Hafen", sagt Kiefer. Vom "Betongold" schwärmen Immobilienmakler in Verkaufsgesprächen.

Und so ist es zwar auch die klassische Kleinfamilie, die sich eine Wohnung oder ein Häuschen im Grünen zulegt, um dort selbst zu wohnen. Aber die Struktur der Käufer ändert sich zurzeit, sagt Michael Voigtländer, Experte für Immobilienökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Viele Privatleute kaufen sich zurzeit eine Wohnung als reine Kapitalanlage."

Eigenheim: Wie Hauskäufer jetzt optimal finanzieren

Eigenheim

Niedrige Zinsen sichern

Noch lässt sich das Eigenheim günstig finanzieren.

Das Zinsniveau kommt ihnen entgegen, Immobilienkredite sind billig. Auch vermögende Senioren würden inzwischen zuschlagen und ihr Geld in einer Stadtwohnung anlegen. Nach einer Immobilienscout24-Umfrage unter mehr als 2.600 Kaufinteressenten hat sich die Zahl der reinen Kapitalanleger in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Die steigende Nachfrage lässt die Preise steigen – und zwar nicht nur die Kaufpreise, sondern auch die Mieten. Denn die Käufer legen ihre Kreditkosten auf die Mieter um, um die Wohnung zu refinanzieren.

In München reißen die Mieten regelmäßig neue Rekorde. Für einen Quadratmeter in einer Altbauwohnung in der Innenstadt müssen Mieter inzwischen im Schnitt 13,50 Euro berappen – und zwar als Kaltmiete.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Riedi

22.09.2011, 18:27 Uhr

In Deutschland in Immobilien zu gehen wird m.E. durch die gruene Auflagenpolitik zur versteckten Enteignung fuehren. Europa an sich wird an Bedeutung verlieren und sich in Grabenkaempfen messen. Buergerkriege, angesichts der Sparmassnahmen koennten ausbrechen und die Mieten werden langfristig fallen, da das Einkommen sinken wird. Was die Wertsteigerung betrifft, sie werden deutlich im Minus sein. Dies ist keine Immoblase, dies ist das Bild eines Standortes D und Europa, der seine Bedeutung eingebuesst hat.

Realo

22.09.2011, 18:43 Uhr

Und selbst wenn die Mieten sinken, kann man damit immerhin monatlich für ein Einkommen sorgen, das - wenn auch dünn - aber regelmäßig fließen und den Eigentümer nützen kann. Der Wertverlust ist nicht annähernd so hoch wie der bei Wertpapieren (wovon das meiste schon heute Klopapier geworden ist). Es geht ja nicht darum dasselbe vordergründige Gewinnmaximierungsszenario zu unterstellen wie bei Hedgefonds, sondern das Kapital zu sichern. Und solange ich denken kann, waren letztlich die Häuslebauer (die ja mietfrei wohnen) in Notzeiten dann immer noch besser dran sich mit einem geschmälerten Einkommen über Wasser halten zu können als Mieter, die ja auch keinerlei Einfluss auf die Wärmeversorgung oder sonstige technische Ausgaben zusätzlich zur Miete haben. Das ganze Gezeter um die Wärmedämmung kann man vergessen, einfach blockieren. Als Eigentümer kann mich niemand zwingen! Je weniger Strom ich verbrauche je mehr muss ich zahlen , weil angeblich "lt. Lieferant" der bei dem wenigen Strombezug nicht kostengünstig produzieren kann. So kann man auch Argumente total verdrehen! Will heissen, die Manager können nicht rechnen und deswegen muss ich zahlen. Notfalls werde ich auswandern.

muellmonster

22.09.2011, 18:51 Uhr

Was für ein Quatsch: 'In Deutschland haben sich die Immobilienpreise real seit den siebziger Jahren kaum verändert'. 'In München kostet eine Doppelhaushälfte mit 125 Quadratmetern Wohnfläche und Garage inzwischen durchschnittlich 680.000 Euro'
Genau Herr Kholodilin. In den siebziger Jahren hat eine Doppelhaushälfte in München etwa 1,3 mio DM gekostet, genau.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×