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06.06.2013

12:37 Uhr

Immobilienmarkt

Die deutsche Blase

VonJörg Hackhausen

In deutschen Großstädten steigen die Immobilienpreise rasant. Solange Geld weiterhin so billig zu haben ist, wird sich daran auch nichts ändern. Dabei sind die Risiken und Nebenwirkungen für Hauskäufer unübersehbar.

Getty Images

DüsseldorfDer deutsche Immobilienmarkt boomt. Die Preise schießen in die Höhe, besonders in Ballungsgebieten. Das freut die Hausbesitzer, die Immobilienbranche sowieso. Aber kaum einer will die Gefahr sehen.

Dabei ist kaum zu übersehen, was die Preise anheizt: billiges Geld. Davon ist derzeit jede Menge vorhanden, die Notenbanken stellen es bereit. Es ermöglicht Investitionen, die sonst nicht vernünftig gewesen wären. Es verführt Hauskäufer dazu, mehr zu riskieren.

Wenn dieses Geld auf einen Immobilienmarkt trifft, auf dem das Angebot ohnehin schon knapp ist, wirkt es wie ein Brandbeschleuniger. Besichtigen lässt sich das Ergebnis in Deutschland, aber auch in Norwegen oder der Schweiz. Dort legen die Preise für Immobilien seit Jahren zu.

In Berlin sind die Preise für Eigentumswohnungen in den vergangenen Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen. Die Entwicklung hat sich zuletzt noch beschleunigt. So sind die Wohnungspreise in den sieben größten deutschen Städten laut Bundesbank allein im Jahr 2012 um 11 Prozent gestiegen.

„Die niedrigen Finanzierungskosten sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Immobilienpreise in Deutschland in den kommenden Jahren weiter steigen dürften“, schreibt Ulrike Rondorf, Volkswirtin der Commerzbank, in einer Studie. „Wir rechnen mit stetig weiter steigenden Preisen für Wohnimmobilien in der Größenordnung von drei bis fünf Prozent pro Jahr.“

Prognose für Mieten bis 2015

Hamburg

Durchschnittspreis 2012: 10,4 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +10,5 Prozent

Quelle: Feri Eurorating Services AG

München

Durchschnittspreis 2012: 12,6 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,5 Prozent

Frankfurt am Main

Durchschnittspreis 2012: 11,5 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

Dresden

Durchschnittspreis 2012: 6,1 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

Berlin

Durchschnittspreis 2012: 7,5 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,2 Prozent

Freiburg

Durchschnittspreis 2012: 8,9 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,7 Prozent

Augsburg

Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,5 Prozent

Bonn

Durchschnittspreis 2012: 9,4 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

Bremen

Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Düsseldorf

Durchschnittspreis 2012: 9,6 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Leipzig

Durchschnittspreis 2012: 5,7 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Köln

Durchschnittspreis 2012: 9,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,9 Prozent

Münster

Durchschnittspreis 2012: 8,7 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,7 Prozent

Chemnitz

Durchschnittspreis 2012: 4,9 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +5,4 Prozent

Bochum

Durchschnittspreis 2012: 6,3 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +4,5 Prozent

Die Bundesregierung wiegelt ab: Eine gesamtwirtschaftliche Immobilienpreisblase sei nicht zu erwarten, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Betrachtet man den Bundesdurchschnitt, ist das nicht falsch. An einigen Landstrichen geht der Boom vollständig vorbei. In weiten Teilen Ostdeutschlands, aber auch in ländlichen Gegenden im Westen, ziehen die Menschen weg.

Auch das gehört zur Realität auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Trotzdem: Die Immobilienmärkte in vielen Ballungsgebieten sind jetzt schon heiß gelaufen. Daran wird sich nichts ändern, solange Geld weiterhin so billig zu haben ist. Noch nie war es hierzulande so günstig, sich Geld zu leihen.

Geld hat seinen Preis. Es kostet mal mehr, mal weniger – je nachdem, wie es die Notenbanken für richtig halten. Sie bestimmen, zu welchen Konditionen sich die Banken Geld leihen, und dieses wiederum an Unternehmen und Privatleute weiter verleihen können.

Seit fünf Jahren sorgen die Notenbanken dafür, dass Geld so billig wie möglich zu machen. Erst vor wenigen Wochen hat die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf 0,5 Prozent gesenkt. Damit will sie den Staaten und Unternehmen in Südeuropa helfen, über die Runden zu kommen. Andernfalls könnten diese sich gar nicht mehr finanzieren.

Kommentare (35)

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Maximilian.Baehring

06.06.2013, 12:44 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Maximilian.Baehring

06.06.2013, 12:56 Uhr

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Georg

06.06.2013, 12:58 Uhr

"Noch größere Sicherheit bieten Volltilgerdarlehen, die am Ende der Laufzeit vollständig abbezahlt sind.... " tja, dann darf aber auch gar nix mehr schiefgehen. Wer so ein Darlehen bezahlen kann, braucht eigentlich momentan keinen Kredit.

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