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21.01.2006

10:00 Uhr

Immobilienmarkt Polen

Schnäppchenpreise an der Ostsee

Nicht nur die großen institutionellen Investoren entdecken Polen für sich. Auch für Privatpersonen wird das Land immer reizvoller. Das seien zum einen junge Leute mit einer Affinität für das Land und die Sprache, zum anderen kauften sich viele Mitt-Vierziger ein Ferienobjekt, sagt Claudia Spielberg, eine auf Polen spezialisierte Immobilienmaklerin. Auch ehemalige Vertriebene suchen Erholung in ihrer alten Heimat.

HB BERLIN. Mit dem EU-Beitritt des Landes im Mai 2004 begann eine fünfjährige Übergangsfrist, in der der Immobilienerwerb in Polen an eine Genehmigung durch das Innenministerium gebunden ist. Das betrifft in erster Linie selbst genutzte Häuser. „Innerhalb von zwei Monaten hat man in der Regel seine Genehmigung auf dem Tisch“, sagt Peter Diedrich, Rechtsanwalt und Notar bei Luther Rechtsanwält, der Anwaltsgesellschaft von Ernst & Young. Der Kauf einer Eigentumswohnung und der Erwerb eines Objektes, das man nicht ausschließlich selbst nutzt, sondern zu Teilen an Urlauber vermietet, sind dagegen genehmigungsfrei. Gleich zu Beginn der Verhandlungen sollten sich interessierte Käufer den Grundbuchauszug zeigen lassen. Das Grundbuchsystem in Polen ist zwar mit dem deutschen durchaus vergleichbar, das heißt man erfährt daraus, welche Lasten auf einer Immobilie liegen. Der Hausbesitzer ist aber nicht zwangsläufig in das Grundbuch eingetragen. Denn rechtswirksam Eigentümer wird man in Polen mit Abschluss des notariellen Kaufvertrages, nicht mit der Grundbucheintragung, wie dies in Deutschland der Fall ist. Viele Polen sparen sich daher diesen formellen Akt der Grundbucheintragung.

Im Falle eines Verkaufs birgt dies Gefahren für den Käufer, sagt Diedrich: „In der Vergangenheit gab es bereits Fälle, in denen Polen Häuser verkauft haben, ohne Eigentümer zu sein. Daher sollte man, wenn man sich für ein konkretes Objekt interessiert, den polnischen Verkäufer bitten, sich vor dem Kaufvertrag noch ins Grundbuch eintragen zu lassen.“ Nach polnischem Recht sei der Käufer einer Immobilie nur geschützt, wenn er mit demjenigen den Kaufvertrag abschließt, der ins Grundbuch eingetragen ist.

Trotz des Beitritts Polens zur Europäischen Union und der damit einhergehenden Vereinfachungen treiben auf dem Immobilienmarkt noch immer Strohleute ihr Unwesen. Sie verdienen ihr Geld damit, dass sie sich besonders Interessenten vor Ort als Vermittler für eine Immobilie anbieten. In den Verhandlungen treten die Strohleute anstelle des deutschen Interessenten als Käufer auf, lassen sich ins Grundbuch eintragen und verschwinden anschließend mit dem Geld. Noch immer komme diese Art von Betrug vor, warnt Diedrich. Daher sein Rat, die Finger von solchen Geschäften zu lassen, denn ein über einen Strohmann zustande gekommener Vertrag sei generell unwirksam und das Geld damit verloren.

Eine intensive Suche kann in Polen hingegen lohnen. Einzelne Schnäppchen seien in der Nähe der Ostsee schon ab 20 000 Euro zu haben, nach oben gebe es keine Grenze, sagt Maklerin Spielberg. Der Preis ist, genau wie in Deutschland auch, abhängig von der Lage. tam

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