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03.10.2016

16:34 Uhr

Immobilienmesse Expo Real

Gekommen, um Geschäfte zu machen

VonAnne Wiktorin

Hochstimmung auf Europas Immobilienmärkten: Die Nachfrage nach Mietshäusern, Bürotürmen und Shoppingcentern, Hotels, Lagerhallen und sogar nach Parkhäusern oder Pflegeheimen ist groß. Die Branche hat nur ein Problem.

Für die Immobilienszene ein entscheidendes Treffen: die Expo Real. PR

Messe in München

Für die Immobilienszene ein entscheidendes Treffen: die Expo Real.

MünchenAb Dienstag treffen sich in München Immobilieninvestoren und -manager aus der ganzen Welt. Sie kommen, um Geschäfte zu machen – und die Großwetterlage zu diskutieren. Wie gut die Laune in der Branche ist, das werden die Besucher der alljährlich in München stattfindenden internationalen Immobilienmesse Expo Real ab Dienstag live erleben können.

Bis Donnerstag trifft sich die Branche in der bayerischen Landeshauptstadt – und zumindest so viel kann man schon sagen: Es wird voll werden in den insgesamt sechs Ausstellungshallen. Denn gegenüber 2015 stieg die Zahl der Aussteller, die sich mit einem eigenen Stand auf der Messe präsentieren, noch einmal um gut drei Prozent auf 1.764. Und vieles spricht dafür, dass damit auch die Zahl der Teilnehmer erneut steigen wird: Im vergangenen Oktober reisten knapp 38.000 Immobilienexperten an die Isar, fast 30 Prozent von ihnen kamen aus dem Ausland.

Deutschlands größte Makler

Makler für Gewerbeimmobilien

Bürogebäude, Shoppingcenter, Lagerhallen oder Hotels sind bei Investoren beliebter denn je. Davon profitieren auch die internationalen Maklerhäuser. Das zeigt eine Auswertung der Fachzeitschrift „Immobilienmanager“.

Die Redaktion hat die Geschäftszahlen der Branche für das Jahr 2015 auswertet. In allen Segmenten stiegen 2015 die Preise und damit auch die Umsatzerlöse. Auch im Vermietungsgeschäft hatten die Makler, die Gewerbeobjekte vermitteln, wenig Grund zur Klage.

Gewerbemakler Platz 3

Corpus Sireo, ein Tochterunternehmen der Swiss-Life-Gruppe, zählt zu den führenden deutschen Maklerhäusern und vermittelt sowohl Büro- und Einzelhandelsgebäude als auch Wohnimmobilien. Im Segment der gewerblichen Immobilien schaffen es die Kölner unter die Top-3. Der Nettoumsatz lag 2015 bei gut 73 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es 69 Millionen.

Gewerbemakler Platz 2

An Nummer zwei der größten deutschen Gewerbemakler steht die deutsche Tochter des internationalen Immobilienberatungshauses BNP Paribas Real Estate. Das Unternehmen gehört zum französischen Finanzkonzern BNP Paribas und unterhält Niederlassungen in weltweit 36 Ländern.

In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 700 Mitarbeiter an zwölf Standorten. Laut Angaben des „Immobilienmanagers“ lag der Umsatz 2015 bei 114,7 Millionen Euro nach 91 Millionen im Jahr zuvor.

Gewerbemakler Platz 1

Mit deutlichem Vorsprung vor dem französischen Konkurrenten führt die deutsche Tochter des US-Immobilienberatungshauses JLL die Rangliste der größten Gewerbemakler in Deutschland an. JLL - das Kürzel steht für Jones Lang LaSalle - ist ein an der New Yorker Börse notierter, weltweit agierender Dienstleister, Berater und Investmentmanager im Immobilienbereich. Weltweit mehr als 60.000 Mitarbeiter in etwa 280 Büros erwirtschafteten 2015 einen Jahresumsatz aus Honoraren von 5,2 Milliarden US-Dollar.

In Deutschland setzte JLL 2015 175 Millionen Euro um nach 121 Millionen Euro im Jahr 2014. Ein Plus von 45 Prozent und eine höhere Steigerungsrate als jeder Gewerbemakler.

Wohnungsmakler

Anders als bei den Gewerbemaklern legt bei den auf Wohnimmobilien spezialisierten Vermittlern nur das Geschäft mit Käufen und Verkäufen kräftig zu. Die Provisionen für die Vermittlung von Mietwohnungen hingegen sind bei allen Maklerhäusern, die an der Auswertung der Fachzeitschrift „Immobilienmanager“ teilgenommen haben, rückläufig.

Der wichtigste Grund: Für die Vermittlung von Mietwohnungen gilt seit Juni 2015 das sogenannte Bestellerprinzip. Danach zahlt derjenige den Makler, der ihn auch beauftragt, und nicht wie zuvor meist der Mieter. Eigentümer mit wenigen Wohnungen nehmen seitdem die Vermietung oft selbst in die Hand. Und größere Wohnungseigentümer handeln mit Maklern Pauschalen aus, die geringere Provisionen als früher üblich vorsehen.

Wohnungsmakler Platz 3

Die Bausparkassen-Tocher LBS Immobilien Nordwest gehört zu den größten deutschen Wohnimmobilienmaklern. Ihr Geschäftsgebiet umfasst die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Berlin - ein Markt, in dem mehr als ein Drittel der Deutschen leben und in dem jährlich etwa 250.000 Wohnimmobilien im Wert von 40 Milliarden Euro den Besitzer wechseln.

In etwa 150 Kunden-Centern und bei den etwa 100 Partner-Sparkassen vermittelte die LBS Immobilien Nordwest 2015 nach eigenen Angaben mehr als 12.000 Immobilien im Wert von 2,3 Milliarden Euro an neue Käufer. Mit einem gegenüber 2014 leicht gestiegenen Umsatz von 105,3 Millionen Euro (2014: 104,1 Millionen Euro) belegt die LBS Immobilien Nordwest im Maklerranking Platz 3.

Wohnungsmakler Platz 2

Das 1977 gegründete Maklerhaus Engel & Völkers mit Stammsitz in Hamburg gilt als Spezialist für die Vermittlung von Wohnimmobilien in guten und sehr guten Lagen. Das Franchiseunternehmen, das inzwischen Lizenzen an Makler in 32 Ländern vergeben hat, die an mehr als 700 Standorten präsent sind und etwa 8.000 Mitarbeiter beschäftigen, hat in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Der Courtageumsatz der Gruppe stieg von 173 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 410 Millionen Euro im Jahr 2015.

In Deutschland stieg der Nettoumsatz der Engel-&-Völkers-Büro 2015 auf 123,6 Millionen Euro nach 110 Millionen Euro im Jahr zuvor. Für die Hamburger Marke bedeutet das: Platz 2 unter Deutschlands Wohnungsmaklern.

Wohnungsmakler Platz 1

Mit riesigem Abstand zum Zweitplatzierten führt die Sparkassen-Finanzgruppe das Ranking der deutschen Wohnungsmakler an. Die Immobilienabteilungen der gut 400 deutschen Sparkassen vermitteln den Löwenanteil der deutschen Häuser und Wohnungen an neue Käufer und Mieter.

Zugute kommt ihnen dabei ihre große Vertriebsstärke: Mit ihrem Netz von rund 14.450 Geschäftsstellen sind sie nicht nur in Großstädten, sondern auch in dem meisten kleinen Gemeinden vertreten.

Das schlägt sich deutlich im Vermittlungsumsatz nieder: 2015 erreichte er ein Volumen von 418 Millionen Euro nach 388 Millionen im Jahr zuvor. Für die Sparkassenmakler heißt das: Platz 1 im Maklerranking.

Auch in diesem Jahr wieder mit dabei sein wird Timothy Horrocks, verantwortlich für Investments in Kontinentaleuropa bei TH Real Estate. Die Immobilientochter des US-Pensionsfonds TIAA, einer der größten seiner Art, zählt mit 97 Milliarden Dollar Immobilienvermögen zu den Schwergewichten am Investmentmarkt. „Die Expo Real ist immer noch das zentrale Ereignis der Immobilienbranche“, beschreibt Horrocks die Rolle der Münchner Messe. „Wir nutzen sie in diesem Jahr, um Gespräche mit Kunden und Geschäftspartnern, aber auch möglichen Verkäufern von Logistik- und Einzelhandelsimmobilien zu führen“, kündigt er an.

Auch Iris Schöberl, die für den in London ansässigen Assetmanager der kanadischen Bank BMO das Immobilieninvestmentgeschäft in Deutschland leitet, hält die Münchner Messe für „einen der international zentralen Branchentreffs“. Selbstverständlich seien auch ihre europäischen Kollegen aus London und Paris vor Ort: „Die europäischen Märkte und insbesondere Deutschland werden für internationale Investoren noch interessanter werden“, prognostiziert sie – was den Wettbewerb um attraktive Immobilien noch verschärfen werde.

Immobilieninvestments: Ein Aufschwung, der nicht enden will

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Premium Ein Aufschwung, der nicht enden will

Steigende Preise, sinkende Renditen, wenig Angebot: Davon lassen sich Immobilienanleger nicht abschrecken. Ihre Risikobereitschaft nimmt spürbar zu, sagen Experten. Dabei gäbe es durchaus Gründe für mehr Skepsis.

Das bestätigt Timo Tschammler, Mitglied der Deutschland-Geschäftsführung des internationalen Immobilienberatungshauses JLL. „Fakt ist und bleibt, dass Deutschland weit oben auf der Beliebtheitsskala der Immobilieninvestoren steht und immer noch attraktive Anlagemöglichkeiten für alle Arten von Investorentypen und alle Risikoprofile bietet“, beschreibt er die aktuelle Situation. Daran ändere auch nichts, dass sich der Investmentrekord aus dem vergangenen Jahr 2016 nicht wiederholen werde: In den ersten neun Monaten dieses Jahres investierten Käufer deutschlandweit knapp 33 Milliarden Euro in Bürogebäude, Einkaufszentren, Hotels oder andere gewerblich genutzte Gebäude. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 14 Prozent mehr.

Dies aber sei keinesfalls ein Ausdruck nachlassenden Interesses: „Es könnte mehr Kapital investiert werden, aber es fehlt das adäquate Angebot“, sagt Tschammler. Nachdem sich die Kauflust der Investoren zwischen Juli und September noch einmal deutlich erhöht habe, werden Käufer laut JLL-Prognose am Jahresende bis zu 50 Milliarden Euro für deutsche Gewerbeimmobilien ausgegeben haben. „Damit würde sich das Jahr 2016 auf Platz drei in der historischen Betrachtung hinter 2007 und 2015 einreihen“, rechnet Tschammler vor.

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