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20.11.2013

14:48 Uhr

Immobilienprofis

„In zentraler Lage steigen die Mieten weiter“

VonJens Hagen

Der Immobilienmarkt bietet noch viele Chancen für Investoren. Daran glauben Stefan Korthals, Geschäftsführer der Corpus Sireo in Köln, und Dietmar Fischer, Partner von Ernst & Young Real Estate. Sie haben keine Angst vor einer schärferen Regulierung durch CDU und SPD. Die Profis finden immer noch attraktive Lagen für Anleger. Und sie sagen, warum die Mieten weiter steigen sollten.

Frankfurt bei Nacht: Der Immobilienboom macht die Wahl des passenden Objekts nicht einfacher. dpa

Frankfurt bei Nacht: Der Immobilienboom macht die Wahl des passenden Objekts nicht einfacher.

Herr Fischer, Herr Korthals, die mögliche neue Regierung hat den Wohnungsmarkt für sich entdeckt. Erwarten Sie eine Umkehr der Politik hin zu mehr Staatswirtschaft?
Stefan Korthals: Das kann man so sehen. Die neue Politik wird aber nicht funktionieren. Freier Markt ist immer besser als Regulierung. In der Folge der Änderungen dürfte die Qualität der Objekte schlechter werden. Wer die Mieten deckelt, der bewirkt, dass es etwa am Prenzlauer Berg demnächst keine schöne neue Wohnung zu mieten gibt, sondern eine abgewohnte alte, die der Mieter gegebenenfalls selbst renovieren muss.
Dietmar Fischer: Der freie Markt funktioniert grundsätzlich sehr gut, vielleicht einige Viertel in den großen acht Metropolen ausgenommen. Insofern bedarf es keiner Regulierung. Die Folge wird sein, dass sich Investoren in anderen Anlageklassen umsehen.

Stefan Korthals ist Geschäftsführer bei Corpus Sireo in Köln. PR

Stefan Korthals ist Geschäftsführer bei Corpus Sireo in Köln.

Wären die Änderungen wirklich so gravierend? Bestandsmieten sollen um höchstens 15 Prozent in vier Jahren angehoben werden - bisher gilt dies für eine Frist von drei Jahren. Bei der Weitervermietung ist eine Mietpreisbremse eingeplant, die bei zehn Prozent liegen könnte.
Korthals: Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus der Praxis. Neubauten kosten aktuell zwischen 3000 Euro und 3500 Euro pro Quadratmeter. Damit sich das rechnet, müsste ein Vermieter mindestens 12 bis 15 Euro pro Quadratmeter Miete einnehmen. In Berlin liegt der Mietspiegel aber bei zirka acht Euro. Wenn sich die Miete auf dieser Basis nur um zehn Prozent bei jedem Wechsel erhöhen darf, wird niemand bauen, da es sich nicht rechnet.

Immobilien-Markt: Auf diese Trends setzen Asset Manager

Demografische Entwicklung

Ganze 93 Prozent der befragten Asset Manager halten den demografischen Wandel für den wichtigsten Faktor für das Asset Management von Wohnimmobilien. Immerhin 75 Prozent der Bestandshalter sehen das genauso.

Schere zwischen arm und reich

Es folgt als Faktor die Schere zwischen arm und reich. 60 Prozent der Asset Manager sowie 38 Prozent der Bestandshalter sehen diesen Aspekt als wichtigste Einflussgröße auf das Asset Management.

Pluralität der Lebenskonzepte

Den Aspekt „Pluralität der Lebenskonzept“ sehen 53 Prozent der Asset Manager als wichtigen Faktor für das Management der Wohnungswirtschaft. 38 Prozent der Bestandshalter sehen dieses Thema ebenfalls als wichtig an.

Klimaschutz und Energieeffizienz

47 Prozent der Asset Manager und 38 Prozent der Bestandshalter sehen den Klimaschutz und die Energieeffizienz als größten Einflussfaktor auf das Asset Management in der Wohnungswirtschaft.

Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise werden nur von einem geringeren Teil der Bestandshalter (zwölf Prozent) als relevant für die weitere Entwicklung des Asset Managements im Wohnimmobiliensegment gesehen. Unter den Asset Managern sind immerhin vier von zehn Befragten dieser Meinung.

Fischer: Die geplanten Änderungen sind nicht zielführend und werden für Mieter auf Dauer keinerlei Vorteile bringen. Die Wohnungsknappheit in den Metropolen ist das Kernproblem, und dies wird nicht gelöst, wenn Investoren verschreckt werden.
Korthals: Noch ein Beispiel: Wenn jemand seit 30 Jahren in einer Wohnung gelebt hat und bisher fünf Euro Miete bezahlt hat, dann kann es sein, dass der Vermieter 25.000 Euro für die Renovierung in die Wohnung stecken muss. Nur so bleiben Substanz und Wohnqualität erhalten beziehungsweise werden auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Damit sich so eine Investition rechnet, müsste die Miete aber auf acht Euro steigen. Wenn im Mietspiegel aber sechs Euro stehen und keine Mieterhöhungen möglich sind, werden Investitionen ausbleiben.

Kommentare (5)

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senfra@nefkom.net

20.11.2013, 15:43 Uhr

Kar, denn Wohnraum fehlt.

Und wer ist so irre, noch zu vermieten. Mieter können hausen wie die Säue, Richter unterstützen das und wer bezahlt das ?? Investiert nicht mehr?? Die Vermieter.

Irgendwann reicht’s.

Und letztendlich ist der Vermieter nicht dafür verantwortlich, Mindestlohnempfänger billige Sozialwohnungen zu stellen.
Dafür kann man Zelte günstig in ebucht kaufen

muunoy

20.11.2013, 16:20 Uhr

Naja, Sie können meiner Meinung nach noch in luxuriöse Immobilien investieren, wenn es in der Region gut bezahlte Jobs gibt. Ich selbst wohne in Münster zur Miete (Finger weg, Blasenbildung wegen Beamtenüberschuss), habe aber zwei Objekte im Rhein-Main Gebiet. Da ich diese in erster Linie aus steuerlichen Gründen habe, bin ich mit meiner Mietforderung aber unter dem Durchschnitt. Es sind aber beides sehr luxuriöse Wohnungen, die sich Mietnomaden und andere Problemmieter normalerweise nicht nehmen.
Aber einen riesigen Fehler hatte ich gemacht: Da ich es auch immer ungerecht fand, wenn der Mieter die Maklerprovision zahlen muss und sich bei mir ja auch das Finanzamt an den Kosten beteiligt, habe ich das bisher übernommen. Das führt jedoch zu einer hohen Fluktuation. Da denken sich viele, dass man ja mal für drei Monate ein Penthouse anmieten kann, wenn nur die tatsächlichen Mietkosten anfallen. Das war definitiv ein Fehler. Also, jetzt muss es meinem Mieter halt erst mal richtig was kosten, wenn er die Wohnung haben möchte. Wer mehrere Jahre drin bleibt, profitiert im Gegenzug von ausbleibenden Mieterhöhungen (habe einem Bestandsmieter noch nie die Kaltmiete erhöht). Eigentlich finde ich dies wirklich blöd. Aber da Vermieter (selbst, wenn sie selbst Mieter sind) ja in dieser sozialistischen Gesellschaft pöse, pöse sind und übervorteilt werden dürfen, muss man selbst halt auch etwas mehr an sich denken.

Account gelöscht!

20.11.2013, 16:41 Uhr

Vor dem Immobilienkauf in Hamburg zum Zwecke der Vermietung kann ich nur warnen.

Die regierende SPD hat in Hamburg ein Wohnraumschutzgesetz beschlossen, danach muss der Vermieter Leerstand einer Wohnung ab dem 1. Tag der Behörde melden, sonst bis zu 50 000€ Strafe.

Steht Ihre Immobilie leer, so hat die Stadt das Recht, einen Zwangsverwalter - auf Ihre Kosten - einzusetzen, der für Sie den Mieter aussucht und alles andere.

Das Grundgesetz, die "Unverletzlichkeit der Wohnung" ist für Vermieter eingeschränkt, wenn die Behörde meint, sie nutzen Ihre eigene Wohnung nicht zu Wohnzwecken. Details zu dem unglaublichen Gesetz auf hamburg-wohnung.info

Dazu dürfen Sie jetzt auch noch den Makler selber bezahlen, bzw dessen Arbeit umsonst erledigen.

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