Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.10.2013

13:34 Uhr

Interview Marc Stilke

„Die Lage ist der neue Luxus“

VonJens Hagen

Der Chef des Internetportals Immobilienscout 24 weiß wie kein anderer, wie Deutsche am liebsten wohnen. Im Interview erklärt er, warum teuer kein Tabu ist, wo die Preise stagnieren und wie das Internet alles verändert.

Die Frankfurter Skyline ist ein Hingucker. Wer allerdings in exklusiver Lage entlang des Mainufers wohnen will, zahlt drauf.

Die Frankfurter Skyline ist ein Hingucker. Wer allerdings in exklusiver Lage entlang des Mainufers wohnen will, zahlt drauf.

Herr Stilke, kaum jemand dürfte den deutschen Immobilienmarkt so genau kennen wie Sie. Helfen  Sie uns: Wie gelange ich an eine Wohnung im Zentrum von München mit hundert Quadratmeter Wohnfläche für eine Kaltmiete von 600 Euro?

So eine Wohnung dürfte kaum zu finden sein. Im Zentrum von München zahlen Mieter deutlich mehr als sechs Euro pro Quadratmeter, in der Regel dürfte ein zweistelliger Eurobetrag pro Quadratmeter fällig werden.

Da auch die Nebenkosten immer weiter steigen, sind solche Mieten für viele Menschen nicht mehr bezahlbar. Sie werden in das Umland der Städte gedrängt. Sehen Sie politischen Handlungsbedarf?

Nein. Wer die Mieten langfristig konstant halten möchte, sollte keine Preisdeckelung oder ähnliches vornehmen, sondern dafür sorgen, dass sich das Angebot erhöht. Nur wenn die Neubauquote in den Metropolen steigt, lässt sich der ständige Zuzug von Menschen auf dem Wohnungsmarkt preislich abfedern. Ich kenne aber Investoren, die sechs bis acht Jahre auf eine Baugenehmigung warten müssen. Nur wenn sich die Bedingungen für Investitionen auf dem Immobilienmarkt verbessern, werden wir auch bei den Mieten positive Wirkungen sehen.

Wann ist auf dem Mietmarkt in den Metropolen das Maximum erreicht?

Wir werten regelmäßig unsere Datenbestände von Angebotsmieten aus und beobachten aktuell eine interessante Entwicklung. Die Mieten für neue Objekte in den besonders begehrten Großstädten wie München, Hamburg oder Köln stagnieren erstmals seit Jahren oder sinken sogar ein wenig. Eine Ausnahme bildet Berlin, da besteht noch Nachholbedarf.

Marc Stilke ist Vorstand bei Deutschlands größtem Immobilienportal Immoscout 24.

Marc Stilke ist Vorstand bei Deutschlands größtem Immobilienportal Immoscout 24.

Woran liegt das?

Anscheinend ist in vielen Lagen die preisliche Schmerzgrenze der Mieter bereits erreicht. Mittlerweile geht ja auch ein beachtlicher Teil des Einkommens für die Miete und Nebenkosten drauf. 

Ist ein Ende des deutschen Immobilienbooms in Sicht?

Nun ja, es geht weiter, aber etwas langsamer. An den treibenden Kräften hat sich nichts geändert. Eine Zinswende ist erst einmal nicht in Sicht, Baugeld bleibt günstig. Die Angst vor Inflation bleibt ebenso ein Thema wie die Immobilien als Altersvorsorge. Privatrenten bringen kaum noch Rendite, warum also nicht das Eigenheim günstig finanzieren, so Werte schaffen und sich gegen steigende Mieten absichern?

Wo wohnt man günstig - und wo teuer?

Günstig, Platz 6

Vogtlandkreis
Der Vogtlandkreis im Westen von Sachsen kann mit günstigen Grundstückspreisen aufwarten: In der Gemeinde Ellefeld etwa kostet der Quadratmeter 295,5 Euro.

Günstig, Platz 5

Uckermark
Die brandenburgische Uckermark landet auf Platz fünf der günstigsten Regionen Deutschlands. In der Gemeinde Templin wohnt es sich besonders günstig: Hier zahlt man nur 343,8 Euro.

Günstig, Platz 4

Bad Kissingen
Der Kreis Bad Kissingen liegt im bayerischen Unterfranken, nahe an der Grenze zu Hessen und Thüringen. In der Gemeinde Zeitlofs zahlt man wenigsten: nämlich nur 248,3 Euro.

Günstig, Platz 3

Wartburgkreis
Der Wartburgkreis liegt in Thüringen an der Grenze zu Hessen. Günstigster Wohnort ist die Gemeinde Treffurt: Dort kostet der Quadratmeter 242,9 Euro.

Günstig, Platz 2

Kreis Haßberge
Der Kreis Haßberge liegt nördlich des Mains im bayerischen Unterfranken. In der Gemeinde Kirchlauter kostet der Quadratmeter 232,4 Euro.

Günstig, Platz 1

Mansfeld-Südharz
In der Region Mansfeld-Südharz bei Leipzig wohnt es sich am günstigsten - vor allem in der Gemeinde Sandersleben: Dort kostet der Quadratmeter 192,8 Euro. Aber auch in Blankenheim (233,5 Euro), Hettstedt (259,5 Euro) und Friedeburg (267,7 Euro) sind die Preise niedrig.

Teuer, Platz 6

Bitburg-Prüm
Der Kreis Bitburg-Prüm ist der am dünnsten besiedelste Landkreis von Rheinland-Pfalz. Doch im rund 400 Einwohner großen Ort Kruchten kostet der Quadratmeter laut Immobilienscout24 4882,9 Euro.

Teuer, Platz 5

Hamburg
Ein Quadratmeter in der Hamburger Hafencity kostet 5760,2 Euro. Ein wenig günstiger lebt es sich im Bezirk Harvesthude (5168,8 Euro).

Teuer, Platz 4

Norderney
Die ostfriesische Insel Norderney wartet mit hohen Grundstückspreisen auf. Für einen Quadratmeter zahlt man 6578,8 Euro.

Teuer, Platz 3

München
Der Münchener Bezirk Lehel landet auf dem dritten Platz. Dort kostet der Quadratmeter 6947,6 Euro. Auch die Bezirke Altstadt (6918 Euro), Maxvorstadt (5848,2 Euro), Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (5445,1 Euro) und Schwabing-West (5441,5 Euro) haben hohe Grundstückspreise.

Teuer, Platz 2

Rathsweiler
Im Kreis Krusel in Rheinland-Pfalz liegt der Ort Rathsweiler: Dort kostet der Quadratmeter 6951,3 Euro.

Teuer, Platz 1

Sylt
Die Gemeinde Kampen auf der Insel Sylt hat die teuersten Grundstückspreise Deutschlands: Der Quadratmeter kostet hier 12.605 Euro.

Quelle

Quelle: Immobilienscout24; Referenzobjekt: eine Wohnung mit 80 Quadratmetern, 3 Zimmer, 30 Jahre alt.

Wo müssen sich Mieter zur Decke strecken?

In den Metropolen wie Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart, Hamburg geben die Mieter mittlerweile zwischen einem Viertel und einem Fünftel ihres Einkommens für die Kaltmiete aus – die Nebenkosten wie Energie, Abfallentsorgung und ähnliches nicht eingerechnet. Das sind übrigens Werte, wie sie in anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Großbritannien auch üblich sind. 

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

nik

16.10.2013, 13:55 Uhr

"In den Metropolen wie Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart, Hamburg geben die Mieter mittlerweile zwischen einem Viertel und einem Fünftel ihres Einkommens für die Kaltmiete aus(...)",

Wo leben Sie denn? Ein Viertel/Fuenftel?? Ich wuerde eher sagen Haelfte. Durchschnittliches Nettogehalt liegt bei ca. 1600 in De. Eine normale Miete betreagt 600-1000.

Gast

16.10.2013, 14:18 Uhr

Wie die Deutschen wohnen wird er kaum wissen. Woher auch? Das Internetportal sammelt Angebot und Nachfrage, wie die konkrete Wohnsituation aussieht wird hier aber nicht erfasst.

Sokrates

16.10.2013, 14:35 Uhr

Vor ca. 20 Jahren hatte ich auch eine Immobilienplattform programmiert. Ich bekam keine Inserate, vermutlich weil jeder Immobilienmakler seine eigene Homepage haben wollte. Irgendwas habe ich wohl falsch gemacht. Damals hatte mir der Axel Springer Verlag verboten für mein Portal im Hamburger Abendblatt zu werben. Als der Springer Verlag Immonet aufkaufte und auf einen Schlag hunderte Angebote aus den Printmedien auf Immonet übernahm, sah ich für mein Portal keine Zukunft und habe die Programmierung eingestellt. Etwas wehmütig blicke ich an diese Zeit zurück, als ich erfahren habe, das der Springer Verlag eine Milliarde Euro für eine französische Immobilienplattform gezahlt hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×