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13.11.2013

12:09 Uhr

Jahresgutachten

Wirtschaftsweise sehen keine Immobilienblase

Die fünf Wirtschaftsweisen sehen keine Anzeichen für eine Immobilienblase in Deutschland. Allerdings räumen die Experten ein, dass die Entwicklung in einigen Regionen nicht nachhaltig sei.

Mietshäuser in Hamburg zu sehen: Der Anstieg der Mietpreise in der Hansestadt hält unvermindert an. dpa

Mietshäuser in Hamburg zu sehen: Der Anstieg der Mietpreise in der Hansestadt hält unvermindert an.

BerlinDie fünf Wirtschaftsweisen sehen keine Hinweise für eine Immobilienblase in Deutschland, warnen aber vor Überhitzungsgefahren in einigen Regionen. „Insgesamt gesehen lässt die seit einigen Jahren zu beobachtende Belebung des deutschen Immobilienmarkts bisher keine Anzeichen für gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklungen erkennen“, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresgutachten es Sachverständigenrates. Bei den Preisen für Wohneigentum seien „im historischen wie im internationalen Vergleich keine Überhitzungstendenzen zu diagnostizieren“.

Allerdings dürfe dieser Befund nicht darüber hinwegtäuschen, „dass es in einigen Regionen und insbesondere in einzelnen Lagen zu Entwicklungen gekommen ist, die sich als nicht nachhaltig erweisen könnten“, warnen die Professoren. Die Bundesbank hatte erst kürzlich darauf hingewiesen, dass in Großstädten wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf die Preise für Wohnimmobilien um bis zu 20 Prozent überbewertet sein könnten.

Wo wohnt man günstig - und wo teuer?

Günstig, Platz 6

Vogtlandkreis
Der Vogtlandkreis im Westen von Sachsen kann mit günstigen Grundstückspreisen aufwarten: In der Gemeinde Ellefeld etwa kostet der Quadratmeter 295,5 Euro.

Günstig, Platz 5

Uckermark
Die brandenburgische Uckermark landet auf Platz fünf der günstigsten Regionen Deutschlands. In der Gemeinde Templin wohnt es sich besonders günstig: Hier zahlt man nur 343,8 Euro.

Günstig, Platz 4

Bad Kissingen
Der Kreis Bad Kissingen liegt im bayerischen Unterfranken, nahe an der Grenze zu Hessen und Thüringen. In der Gemeinde Zeitlofs zahlt man wenigsten: nämlich nur 248,3 Euro.

Günstig, Platz 3

Wartburgkreis
Der Wartburgkreis liegt in Thüringen an der Grenze zu Hessen. Günstigster Wohnort ist die Gemeinde Treffurt: Dort kostet der Quadratmeter 242,9 Euro.

Günstig, Platz 2

Kreis Haßberge
Der Kreis Haßberge liegt nördlich des Mains im bayerischen Unterfranken. In der Gemeinde Kirchlauter kostet der Quadratmeter 232,4 Euro.

Günstig, Platz 1

Mansfeld-Südharz
In der Region Mansfeld-Südharz bei Leipzig wohnt es sich am günstigsten - vor allem in der Gemeinde Sandersleben: Dort kostet der Quadratmeter 192,8 Euro. Aber auch in Blankenheim (233,5 Euro), Hettstedt (259,5 Euro) und Friedeburg (267,7 Euro) sind die Preise niedrig.

Teuer, Platz 6

Bitburg-Prüm
Der Kreis Bitburg-Prüm ist der am dünnsten besiedelste Landkreis von Rheinland-Pfalz. Doch im rund 400 Einwohner großen Ort Kruchten kostet der Quadratmeter laut Immobilienscout24 4882,9 Euro.

Teuer, Platz 5

Hamburg
Ein Quadratmeter in der Hamburger Hafencity kostet 5760,2 Euro. Ein wenig günstiger lebt es sich im Bezirk Harvesthude (5168,8 Euro).

Teuer, Platz 4

Norderney
Die ostfriesische Insel Norderney wartet mit hohen Grundstückspreisen auf. Für einen Quadratmeter zahlt man 6578,8 Euro.

Teuer, Platz 3

München
Der Münchener Bezirk Lehel landet auf dem dritten Platz. Dort kostet der Quadratmeter 6947,6 Euro. Auch die Bezirke Altstadt (6918 Euro), Maxvorstadt (5848,2 Euro), Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (5445,1 Euro) und Schwabing-West (5441,5 Euro) haben hohe Grundstückspreise.

Teuer, Platz 2

Rathsweiler
Im Kreis Krusel in Rheinland-Pfalz liegt der Ort Rathsweiler: Dort kostet der Quadratmeter 6951,3 Euro.

Teuer, Platz 1

Sylt
Die Gemeinde Kampen auf der Insel Sylt hat die teuersten Grundstückspreise Deutschlands: Der Quadratmeter kostet hier 12.605 Euro.

Quelle

Quelle: Immobilienscout24; Referenzobjekt: eine Wohnung mit 80 Quadratmetern, 3 Zimmer, 30 Jahre alt.

Das ungewöhnlich niedrige Zinsniveau trägt den Gutachtern zufolge wesentlich zur hohen Nachfrage nach Immobilien bei. „Ein stärkerer Zinsanstieg würde die Dynamik des Markts erheblich abbremsen“, so die Experten. Wegen der überwiegend langfristigen Zinsbindung würde das verzögert auf die Investoren durchschlagen. Größere Risiken für die Gläubigerbanken sehen die Weisen nicht. „Bei einer in der Regel vergleichsweise hohen Eigenkapitalfinanzierung ist das Finanzsystem gegen einen begrenzten Rückgang der Immobilienpreise grundsätzlich recht gut abgesichert“, heißt es in dem Gutachten.

Die steigenden Mietpreise sehen die Ökonomen nicht mit Sorge. Zwar seien sie 2011 und 2012 schneller gestiegen als die Verbraucherpreise, davor aber hätten sie stagniert oder seien sogar gesunken. Deshalb sei der jüngste Mietanstieg „als moderat zu bewerten“. Die Wirtschaftsweisen sprechen sich gegen den von Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen diskutierte Mietpreisbremse aus. Damit werde versucht, „ein gewünschtes Marktergebnis gesetzlich zu erzwingen“.

Von

rtr

Kommentare (1)

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observer

13.11.2013, 12:32 Uhr


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