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09.07.2011

16:09 Uhr

Japans Immobilienmarkt

Tokios schlimmste Befürchtungen bestätigen sich nicht

VonJan Keuchel

Das verheerende Erdbeben in Japan im März hat auch den Immobilienmarkt in Tokio stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Preise fallen - allerdings nicht überall. Die zentralen Bezirke bleiben gefragt.

Geschäftsviertel Shinjuku in Tokio: Fein raus ist, wer sich auf Zentral-Tokio konzentriert. Quelle: dpa

Geschäftsviertel Shinjuku in Tokio: Fein raus ist, wer sich auf Zentral-Tokio konzentriert.

TokioTaro Kiramoto ist Architekt, sein bester Kunde ist einer der großen japanischen Immobilienkonzerne. Wenn Kiramoto auf die Erdbebengefahr in Tokio angesprochen wird, zieht er geräuschvoll die Luft durch die Zähne. Die neuen Gebäude, sagt er dann, die seien alle so gebaut, dass sie ein Erdbeben der Stärke sechs auf der japanischen Skala überstehen müssen. Aber sieben? "Das kann keiner wissen", räumt er vorsichtig ein und will seinen wahren Namen derzeit selbst in einer deutschen Zeitung auf keinen Fall lesen.

Über Tokios Immobilienmarkt zu sprechen, ist derzeit nicht leicht. Das große Erdbeben vom 11. März hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Trotz einer nie da gewesenen Stärke von fünf blieben zwar die meisten Häuser - Wolkenkratzer und Einfamilienhäuser - weitgehend unbeschädigt. Doch schwerer als die realen Schäden wirken bis heute die Ängste der Menschen fort, zumal Experten voraussagen, dass der Region Tokio in den kommenden 30 Jahren ein Erdbeben der Stärke sieben bevorsteht. Hinzu kommen die Folgen der Atomkatastrophe um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Neben der Angst vor radioaktiver Verstrahlung droht der Stadt Stromknappheit, sie muss den Verbrauch um 15 Prozent drosseln.

Lage für Tokios Bürovermieter keineswegs hoffnungslos

Doch hat das Auswirkungen auf Mieten, Preise, Bauaktivitäten? Glaubt man einer aktuellen Analyse der drei Maklergesellschaften CB Richard Ellis, Jones Lang Lasalle und Cushman & Wakefield, so ist es tatsächlich nicht ausgeschlossen, dass Unternehmen in den Monaten nach dem Beben ihre Entscheidung über die Anmietung neuer Flächen erst einmal zurückgestellt haben, bis sich die konjunkturellen Folgen der Katastrophe besser einschätzen lassen. Gänzlich hoffnungslos ist die Lage für Tokios Bürovermieter aber keineswegs, zeigt eine Umfrage unter 3400 Unternehmen. Sie wollen durchaus Flächen mieten, sich dabei aber stärker auf die Zentralbezirke konzentrieren.

Die Umfrage stammt von der japanischen Immobiliengesellschaft Mori Building, die Firmen im Raum Tokio befragt hat. Danach hat lediglich ein Prozent der Befragten ihre Umzugspläne nach dem Erdbeben aufgegeben. Und: Die Zahl derer, die "so schnell wie möglich" neue Büroräume suchen, ist deutlich höher als noch Ende 2010. Besonders auffallend ist, dass die meisten Firmen dabei auf die drei Zentralbezirke Chiyoda, Chuo und Minato schielen, wo die Neubautätigkeit nicht nachgelassen hat und die sichersten Gebäude stehen. Die Folge: Die Mietpreise dort werden steigen, Sicherheit geht offenbar vor Kosten. Negativ wird sich das allerdings auf die anderen 20 Tokioter Bezirke auswirken. Hier dürfte die Leerstandsrate, die derzeit bei über acht Prozent liegt, weiter steigen und die Preise absinken.

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