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27.06.2014

10:34 Uhr

Keine Blase in Sicht

Der Immobilienboom geht weiter

VonReiner Reichel

ExklusivHohe Preise, aber keine Blase: Die Immobilienunternehmen sind in Hochstimmung. Die Ängste von Bundesbank und Finanzministerium schlägt die Branche in den Wind. Ein Indikator zeigt: Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

Give me five! Die Immobilienbranche ist in Feierlaune. Getty Images

Give me five! Die Immobilienbranche ist in Feierlaune.

Es ist eine heiß diskutierte Frage: Wie lange hält der Boom auf dem deutschen Immobilienmarkt noch an? Private Kapitalanleger fragen sich vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Preise in den Metropolen schon seit einiger Zeit, ob sie ihr Geld jetzt noch in Betongold investieren sollen oder ob ein Rückschlag droht. Und seit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor wenigen Tagen seine Besorgnis über die Preisentwicklung äußerte, hat die Angst vor der Immobilienblase wieder zugenommen.

Doch professionelle Investoren sind mehrheitlich überzeugt: Die Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt ist und bleibt erfreulich. Dies zeigt der neue IW-Immobilienindex, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln erstellt hat und dessen Ergebnisse künftig vierteljährlich vorab im Handelsblatt vorgestellt werden.

Wie die Zinsen sinken und die Preise steigen

Analyse

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken hat für Handelsblatt Online die Kaufpreise in den vier begehrtesten Metropolen Deutschlands berechnet. Im Vergleich mit der Zinsstatistik der Bundesbank für Baugeld zeigt sich: Die Zinsen fallen, die Immobilienpreise steigen.

2007

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 5,03%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3191 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2302 Euro pro Quadratmeter
München: 4232 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2949 Euro pro Quadratmeter

2008

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,83%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3302 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2385 Euro pro Quadratmeter
München: 4283 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2975 Euro pro Quadratmeter

2009

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,29%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3414 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2438 Euro pro Quadratmeter
München: 4384 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3090 Euro pro Quadratmeter

2010

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,70 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3503 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2521 Euro pro Quadratmeter
München: 4524 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3137 Euro pro Quadratmeter

2011

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,54 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3768 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2721 Euro pro Quadratmeter
München: 4905 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3320 Euro pro Quadratmeter

2012

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,78 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4023 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2949 Euro pro Quadratmeter
München: 5252 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3494 Euro pro Quadratmeter

2013

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,85 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4287 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 3166 Euro pro Quadratmeter
München: 5590 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3660 Euro pro Quadratmeter

Demnach beträgt der Index in Bezug auf die derzeitige Geschäftslage 84,1, während der Erwartungsindex bei 34,1 liegt. Diese niedrige Ziffer bedeutet jedoch nicht, dass die Immobilienprofis einen Einbruch befürchten würden. Vielmehr ist die gegenwärtige Situation so gut, dass ein Großteil der Investoren einen weiteren Aufschwung für nicht realistisch hält.

"Insgesamt ist die Stimmung der Immobilienunternehmen als sehr gut zu bewerten", fasst Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Immobilienökonomik beim IW Köln, die Ergebnisse zusammen. Konkret bezeichnen 86 Prozent der befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut. Nur fünf Prozent erwarten, dass sich die Situation in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern wird - allerdings geht nur eine Minderheit davon aus, dass die Lage noch besser wird. Auch eine Blasengefahr sehen die Immobilienprofis nicht. Jedes zweite befragte Unternehmen glaubt, dass der Wert seiner Immobilien in nächster Zeit steigen wird; kein einziges befürchtet einen Preisrückgang.

So funktioniert der Immobilienindex

Befragung

Für den IW-Immobilienindex befragen die Forscher des Kölner IW Projektentwicklungsfirmen, Immobilien-Aktiengesellschaften, Fondsgesellschaften und weitere Investoren. Von 600 angeschriebenen Unternehmen beteiligten sich etwa 120 an der ersten Befragung.

Methode

Der IW-Immobilienindex misst die gegenwärtige Geschäftslage der Unternehmen und die Einschätzung für die nächsten zwölf Monate. Damit entspricht er dem Schema klassischer Konjunkturbefragungen wie zum Beispiel dem Ifo-Geschäftsklimaindex. Berücksichtigt werden die Teilmärkte Büro, Handel, Wohnen und Projektentwicklung.

Index

Der Gesamtindex von 84,1 bei der aktuellen Geschäftslage beziehungsweise von 34,1 Punkten bei den Geschäftserwartungen ergibt sich aus der Differenz der positiven und der negativen Antworten. Zur Verdeutlichung: 85,5 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, 1,4 Prozent als schlecht. Die Differenz ergibt den Indexwert von 84,1 Punkten.

Erscheinungsweise

Die Untersuchung wird viermal jährlich durchgeführt. Angedacht ist, den IW-Immobilienindex künftig auch für Großbritannien und Frankreich zu erheben.

Besonders gute Laune haben zurzeit Investoren, die auf dem Wohnungsmarkt tätig sind: 92 Prozent von ihnen bezeichnen ihre momentane Lage als gut, keiner als schlecht. 67 Prozent der Wohnungsinvestoren erwarten, dass sich die gute Geschäftslage halten wird. 24 Prozent gehen von einer weiteren Lageverbesserung aus. Wenig im Vergleich zu Investoren auf dem Gewerbeimmobilienmarkt: 47 Prozent der Büro- und 63 Prozent der Handelsinvestoren setzen auf noch bessere Geschäfte als zurzeit.

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