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05.11.2013

15:15 Uhr

Koalition und Makler

Mieter zahlen bald keine Provision mehr

VonThomas Schmitt

Eine gute Nachricht für Mieter. Wenn sie künftig eine Wohnung suchen, darf der Makler kein Geld mehr verlangen. Wer den Vermittler bestellt hat, soll ihn auch bezahlen. Dieses Prinzip wollen CDU und SPD festschreiben.

Mieter dürfen sich freuen. Wer eine Wohnung sucht, soll künftig nichts mehr an den Makler zahlen. Getty Images

Mieter dürfen sich freuen. Wer eine Wohnung sucht, soll künftig nichts mehr an den Makler zahlen.

DüsseldorfDie Maklergebühren für Vermietungen werden neu geregelt. Das zeichnet sich in den Koalitionsverhandlungen ab. Ziel der Änderung ist, die Kosten für die Wohnungssuche zu senken. Bisher darf die Maklergebühr maximal zwei Monatskaltmieten plus Umsatzsteuer betragen. Ob der Vermieter oder der Mieter die Gebühr entrichten muss, ist nicht geregelt.

„Bei den Maklergebühren gilt der Grundsatz, wer bestellt – bezahlt.“ Dies bezeichnete der SPD-Abgeordnete Florian Pronold als ein Ergebnis der Koalitionsarbeitsgruppe Verkehr, Bau und Infrastruktur. Konkret geht es der SPD vor allem darum, Wohnen bezahlbar zu halten. Das heißt, die Sozialdemokraten haben vor allem Menschen im Blick, die Wohnungen suchen.

Die Mieterverbände begrüßten den Plan. „Viele Vermieter werden sich überlegen, ohne Makler zu vermieten“, reagierte Bernhard von Grünberg vom Mieterbund Nordrhein-Westfalen auf den Plan der Koalitionsrunde. Es werde zu weniger Aufträgen für Makler kommen, aber nicht zu einer Erhöhung der Mieten.

Was sich am Wohnungsmarkt ändert

Koalitionsverhandlungen

Die Union diskutiert mit der SPD über Veränderungen am Wohnungsmarkt. Das Teilkapitel Bauen, Wohnen, Mieten, aus den Koalitionsverhandlungen, hat der SPD-Abgeordnete Florian Pronold mit dem CSU-Politiker Peter Ramsauer vorgestellt.

Quelle: Florian Pronold, SPD-Verhandlungsführer

Mietpreisbremse

Mieter sollen besser geschützt werden. So werde bei energetischen Sanierungen die Umlage begrenzt. Es gebe weniger Mieterhöhungsspielraum und eine Bremse bei Wiedervermietung. Zukünftig gelte als Bemessungsgrundlage für die Miete die tatsächliche Quadratmeterzahl der Wohnfläche, nicht die, die im Mietvertrag womöglich falsch stehe.

Neubau

Der Wohnungsneubau soll mit einer Sonder-Abschreibung für den Neubau von Mietwohnungen angekurbelt werden. Verstärkt sollen Mietwohnungen in Regionen mit angespannten Wohnungsmärkten entstehen. Zusätzlich wollen beide Verhandlungspartner Bundesgrundstücke für bezahlbares Wohnen vor Ort günstiger abgeben.

Maklergebühren

Wer bestellt, zahlt. Keine Umwälzung der Kosten mehr auf Wohnungssuchende.

Städtebauförderung

Es werde ein Programm „Soziale Stadt“ aufgelegt. Frühere Kürzungen sollen rückgängig gemacht werden.

Wohngeld

Der Heizkostenzuschuss soll wieder eingeführt werden. Menschen mit geringen Einkommen und hohen Mietlasten sollen nicht in Hilfebedürftigkeit abrutschen.

Die Interessenvertreter der Eigentümer und der Makler sind skeptischer. Die bisherige Regelung habe funktioniert, sagte Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus und Grund in Berlin auf Anfrage von Handelsblatt Online. Der Makler müsse oft aus einer Vielzahl von Interessenten den richtigen Mieter aussuchen. Das sei mit viel Arbeit verbunden.

Letztlich bremse dieser Vorschlag der Koalitionsarbeitsgruppe zusammen mit anderen die Investitionen in den Mietwohnungsbau. Viele private Vermieter müssten zudem wohl künftig draufzahlen, erwartet Warnecke: „Bestraft wird die große Masse der privaten Wohnungseigentümer“, also letztlich der kleine Bürger.

Bereits heute werde die Maklergebühr nur in den angespannten Wohnungsmärkten wie Köln, Bonn oder Düsseldorf vom Mieter bezahlt, ergänzte Erik Uwe Amaya von Haus & Grund Rheinland. In allen anderen Teilen des Landes sei es bereits üblich, dass der Vermieter die Maklercourtage übernimmt. Grund hierfür sei, dass die Wohnungsmärkte in Deutschland sehr unterschiedlich seien.

 

Kommentare (131)

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Republikaner

05.11.2013, 15:32 Uhr

Wo nichts verdient wird, wird auch nichts gearbeitet. Populistische, sozialistische Vorschläge dieser Art sind bestenfalls gut gemeint, werden aber in der Praxis genau das Gegenteil bewirken. Übrigens sind die größten Makler in Deutschland die Sparkassen und Raiffeisenbanken. War es ein geplanter Schlag gegen die Banken? Auf Antworten bin ich gespannt.

mattbav

05.11.2013, 15:34 Uhr

Hoffentlich werden in Zukunft vermehrt Verkäufer und Vermieter auf einen Makler verzichten. Z.B in Bayern sind Häuser für 1 Mio Euro keine Seltenheit. Und da muss man nicht fürs Haus zeigen dem Makler 70.000 Euro in den Rachen schmeissen. Für mich ist diese Branche ein überteuertes Übel. Bei Mietwohnungen kann auch die Hausverwaltung die Vermietung übernehmen. Anzeige schalten, Wohnung vorführen, Bonität prüfen, sowas ist keine X Monatsmieten wert, nur in München oder Hamburg hat man keine andere Wahl wenn alle Vermieter und Eigentümer Makler beschäftigen. Ich hoffe das wird in Zukunft besser. Lebens und private Krankenversicherung wären auch deutlich attraktiver wenn man die grundsätzlich übers Internet abschliessen könnte und nicth erst mal 1-2 Jahresbeiträge an den Versicherungsmakler gehen. Diese Branchen sind total überbezehalt und es gibt keinerlei Wettbewerb über den Preis. Alle Makler verlangen die selbe Provision. Schluss damit. Eine weiteres Übel sind die total überzogenen Gebühren für den Notar. Dafür dass einem so ein Herr in 5 Minuten einen Vertragstext herunternuschelt ist man den Preis eines Neuwagens los. Ich halte nicht viel von der SPD, aber mit der FDP wäre da nie was passiert.

WILHER

05.11.2013, 15:36 Uhr


Wie reagiere ich darauf, wenn ich mal wieder eine Wohnung zu vermieten habe in Hamburg oder München.
Ich werde verschiedene bekannte Makler anrufen, sie informieren, dass ich eine Wohung zu vermieten habe.
Ich werde ihm dann auch sagen, dass ich ihn nicht beauftrage, für mich einen Mieter zu suchen.
Hoffentlich besteht dann insgesamt genug Nachfrage, dass sich potentielle Mieter bei ihm melden.
Mit denen kann er dann zu mir kommen.
Vielleicht nehme ich dann einen seiner Interessenten in meine Wohnung, aber zahlen werde ich dem Makler nichts.
Den Maklervertrag muss er wohl oder übel mit dem Mieter schließen.

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