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10.12.2015

08:32 Uhr

Kündigungswelle von Hochzinsverträgen

So verklagen Sie Ihre Bausparkasse

VonElisabeth Atzler

Mehr als 200.000 Bausparverträge haben die Bausparkassen schon gekündigt. Knapp tausend Klagen haben Sparer dagegen eingereicht. Wie Kunden sich wehren können – und was sie beachten sollten.

Gut tausend Sparer verklagen ihre Bausparkassen, ein höchstrichterliches Urteil steht noch aus. Getty Images

Gut tausend Sparer verklagen ihre Bausparkassen, ein höchstrichterliches Urteil steht noch aus.

FrankfurtDie niedrigen Zinsen lasten auf den Bausparkassen. Sie haben Sparern vor einigen Jahren relativ hohe Sätze zugesagt, am Kapitalmarkt fällt es ihnen nun schwer, das nötige Geld für ihr Versprechen zu verdienen. Deshalb kündigen die Bauparkassen reihenweise Verträge. Insgesamt haben die Bausparkassen mehr als 200.000 Bausparverträge gekündigt. Die Kündigungen treffen Kunden aller großen Institute - von Landesbausparkassen, der BHW, Schwäbisch Hall und Wüstenrot.

Dabei geht es um Verträge, die seit mindestens zehn Jahren zuteilungsreif waren. Die Kunden hätten ein Darlehen also längst in Anspruch nehmen können, haben das aber nicht getan. Ein Vertrag ist zuteilungsreif, wenn die vereinbarte Mindestansparsumme erreicht wurde und eine ausreichende Bewertungszahl vorliegt. Das hängt vom gewählten Tarif ab.

Diese Bausparkassen sollten Sie lieber meiden

Die schlechtesten Bausparkassen

Wenn Ihre Kundendaten kaum erfasst werden, ihr Bausparwunsch unberücksichtigt bleibt, die Finanzierungskosten unnötig hoch sind, Informationen in der Angebotsbroschüre fehlen und beim Beratergespräch auf Diskretion kein Wert gelegt wird, dann sind Sie mit Sicherheit bei einer Bausparkasse, die durch die Test von „Finanztest“ durchgefallen ist. Auf den folgenden Klappen finden Sie die schlechtesten Bausparkassen im Vergleich.

Platz 7

Deutsche Ring
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (4,5)
Qualität des Angebots: Ausreichend (3,6)
Kundeninformation: Ausreichend (3,6)
Begleitumstände: Sehr gut (0,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,6)

Platz 6

Bausparkasse Mainz
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,3)
Qualität des Angebots: Befriedigend (3,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Befriedigend (2,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,9)

Platz 5

BHW
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Ausreichend (4,0)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,1)
Begleitumstände: Sehr gut (1,5)
Gesamtnote: Ausreichend (4,2)

Platz 4

LBS West
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,6)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,6)

Platz 3

Aachener
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,5)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,9)
Kundeninformation: Befriedigend (3,4)
Begleitumstände: Befriedigend (2,6)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 2

Deutsche Bank Bauspar
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (2,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,5)
Kundeninformation: Sehr gut (1,5)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 1

LBS Rheinland-Pfalz
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,6)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (4,9)
Begleitumstände: Sehr gut (1,4)
Gesamtnote: Mangelhaft (5,4)

Quelle: Finanztest.

Viele Kunden lassen sich das aber nicht gefallen. Sie klagen. In etwa 1.000 Fällen sind Sparer bereits vor Gericht gezogen. Der Verband der Privaten Bausparkassen nannte die Zahl von 970 Verfahren gegenüber dem Handelsblatt.
Wie sollten Kunden, deren Verträge gekündigt wurden, am besten vorgehen?

Wichtig ist, dass man zunächst prüft, welchen Grund die Bausparkasse für die Kündigung nennt. Ist die Bausparsumme in voller Höhe angespart, seien in der Regel die gesetzlichen Regelungen aus dem Darlehensrecht anwendbar, so die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein Rechtsstreit gilt in diesem Fall als wenig aussichtsreich.

Anders ist das, wenn die Verträge seit mindestens zehn Jahren zuteilungsreif waren. Bekommt der Kunden ein Schreiben von der Bausparkasse mit einem Auftrag auf Guthabenauszahlung, sollte er den nicht unterschreiben und zurückschicken – sondern besser seinem Unmut Luft machen, wie die Verbraucherzentrale empfiehlt. Zum Beispiel durch einen Brief an die Bausparkasse. Im Zweifelfall kann man sich an eine Verbraucherzentrale wenden.

Der Kunde ist entschlossen zu klagen. Aber wie?

Der erste Schritt sollte sein, sich einen guten Anwalt zu suchen. Beispielsweise einen Juristen, der auf Anlegerrecht oder Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert ist.

Wie sieht die Rechtsprechung bisher aus?

Der Verband der Privaten Bausparkassen hat bisher 89 Urteile registriert – 79 zugunsten der Bausparkasse und zehn zugunsten der klagenden Kunden. Vor Gericht geht es vor allem um die Frage, ob sich die Bausparkassen auf Paragraf 489 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) berufen können.

Kommentare (6)

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Herr Kurt Siegel

10.12.2015, 08:53 Uhr

Ob Bausparkasse (die heute bei diesen Zinsen ehedem keiner mehr braucht) oder Bank, alle sind sie gleich, bei Sonne werden Regenschirme verkauft, wenn es regnet gibt es keine Hilfe.

Warum eine Bearbeitungsgebühr bei BSV zahlen, ist doch absoluter Unsinn !

Frau Sandra Turm

10.12.2015, 09:15 Uhr

79 Urteile, in denen die Sicht der Bausparkassen bestätigt wird, und nur 10 dagegen. Sie empfehlen hier prominent den Verbrauchern, sich auf einen Rechtsstreit einzulassen, bei dem seine Chancen 9 zu 1 stehen! Ist das seriös? Welche Anwaltslobby steht dahinter?
Auch die 79 Richter, die pro Bausparkassen entscheiden haben, werden vermutlich ihr Handwerk verstehen. Warum gehen Sie darauf nicht ein, sondern geben einer Mindermeinung so viel Raum? Eine neutrale Berichterstattung sieht anders aus.

Herr Heinz Keizer

10.12.2015, 10:26 Uhr

Die Bausparkassen hatten und haben durchaus ihre Berechtigung. Leider wurde durch die Zinsmanipulation der EZB deren Geschäftsmodell nachhaltig zerstört. Erste Landesbausparkassen müssen schon die Sparkassen um Hilfe bitten. Wird diese Politik weitergeführt, stehen in spätestens 2 Jahren alle Bausparkassen vor dem Aus. Das wird negative Auswirkungen auf die Ansparung von Eigenkapital für den Eigenheimbau haben und sich somit mittel- bis langfristig auch auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Beim derzeitigen Zinssatz ist die Bearbeitungsgebühr von 1 - 1,6 % nicht mehr zeitgemäß. Eine Bausparkasse (und auch eine Bank) sammelt einerseits Gelder von Anlegern ein, das sie an Bauinteressenten als Darlehen vergibt. Dies geschieht nach festgelegten Regeln. Jedenfalls nicht danach, ob es regnet oder ob die Sonne scheint. Wenn Kredite, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr bedient werden können, wird die Bank und auch die Bausparkasse als erstes mit dem Kunden ein Gespräch suchen, um zu einer Lösung zu kommen. Wenn das nicht erfolgreich ist, werden rechtlich festgelegte Maßnahmen ergriffen. Man kann es natürlich auch wie in Griechenland machen, wo nichts passiert, wenn einer seinen Darlehensverpflichtungen nicht nachkommt. Dafür bekommen die griechischen Banken von europäischen Steuerzahlern Geld. Wer wird die deutschen Banken "retten"?

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