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08.09.2015

10:26 Uhr

Leben in New York

Neun Quadratmeter für 1100 Dollar

Der Kühlschrank neben dem Bett? Die Toilette gleich daneben? Ein Auszubildender lebt in der wohl kleinsten Wohnung Manhattans. Um auf engstem Raum klarzukommen, hat sich der Kochlehrling eine tägliche Routine angewöhnt.

Hier zu leben, ist für viele Menschen ein Traum. ap

Skyline von New York

Hier zu leben, ist für viele Menschen ein Traum.

New YorkDas Badezimmer von Grayson Altenberg beginnt am Fußende seines Bettes: eine runde Duschkabine, ein kleines Waschbecken, ein Spiegel. Direkt neben seinem Bett befindet sich die Küche: zwei Herdplatten, zwei Tassen in einem Hängeregal. Den kleinen Kühlschrank kann er aus dem Bett heraus öffnen. Ein Fenster gibt es nicht. Tageslicht fällt nur durch einen Schacht in der Decke in den Raum. Auch ein Schrank fehlt. Seine Hemden liegen sorgfältig gefaltet auf schmalen Regalböden, die Altenberg unter der Decke angebracht hat. Die Toilette hat keine Tür. Weil dafür einfach kein Platz ist.

Grayson Altenberg lebt auf neun Quadratmetern. Und damit in einer der wohl kleinsten, voll ausgestatteten Wohnungen der Upper West Side - einem der begehrtesten Viertel Manhattans, westlich vom Central Park. Da, wo die monatlichen Mieten für ein Studio bei rund 3000 Dollar beginnen und Stars wie Al Pacino, Denzel Washington, Matt Damon, Michael J. Fox, Bono oder Sting zu Hause sind.

Fragen und Antworten zu Mietnebenkosten (Stand: August 2015)

Warum werden Betriebskosten „zweite Miete“ genannt?

Die Nebenkosten fallen zusätzlich zur regulären monatlichen Kaltmiete an. Mieter zahlen „warme Betriebskosten“ etwa für Heizung und Warmwasser und „kalte Betriebskosten“ unter anderem für Abwasser, Grundsteuer, Müllbeseitigung, Versicherungen oder Gartenpflege. Diese Kosten machen inzwischen einen beträchtlichen Teil der Wohnkosten aus, im Schnitt etwa ein Viertel. Bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung können sich die Nebenkosten auf mehr als 3100 Euro im Jahr summieren. Deshalb wird häufig von „zweiter Miete“ gesprochen.

Darf der Vermieter alle anfallenden Kosten umlegen?

Nein. Was der Mieter mittragen muss, ist gesetzlich geregelt - unter anderem in der Betriebskostenverordnung. Nicht dazu gehören zum Beispiel Kosten für die Verwaltung des Gebäudes und für Reparaturen oder Instandhaltung. Streit über Betriebskostenabrechnungen beschäftigt Gerichte immer wieder. Der Mieterbund warnt: Jede zweite von jährlich Hunderttausenden überprüften Abrechnung sei falsch, unplausibel oder unvollständig.

Wie hoch sind die Betriebskosten im Schnitt?

Nach der neusten Auswertung des Deutschen Mieterbunds mussten Mieter zuletzt im Schnitt 2,19 Euro pro Quadratmeter und Monat zahlen. Maximal wurden für das Abrechnungsjahr 2013 3,26 Euro fällig. Die Werte sind so unterschiedlich, da es lange nicht in allen Häusern Aufzüge, gemeinsames Kabelfernsehen, einen Gärtner, Schwimmbad oder Sauna gibt, für die Kosten umgelegt werden können. Wer in diesen Wochen Post mit der Abrechnung für 2014 bekommt, wird sich wahrscheinlich freuen können: Der Mieterbund rechnet damit, dass die Betriebskosten sinken und viele Mieter Rückzahlungen bekommen. Das liegt vor allem daran, dass der Winter 2014 recht mild war.

Warum ist das Wetter so wichtig?

Fast 70 Prozent der Nebenkosten gehen für Heizung und warmes Wasser drauf. Damit wird das Wetter zum entscheidenden Faktor. Der vergangene Winter war vergleichsweise warm, viele konnten die Heizung spät an- und früh ausschalten. Außerdem sind die Energiepreise zuletzt nach Jahren der Höhenflüge wieder gesunken - auch das sorgt für eine Entlastung. Doch das kann sich durch internationale Krisen und einen kalten Winter auch schnell wieder ändern.

Wäre eine Nebenkosten-Bremse sinnvoll?

Die Wohnungswirtschaft sieht in den Betriebskosten den Hauptgrund für die steigende Mietbelastung. Immer wieder wurde daher eine Begrenzung der Nebenkosten gefordert. Der Mieterbund hält das für keine gute Lösung. In Wahrheit seien die Nebenkosten stabil, die Mietbelastung steige durch höhere Kaltmieten, sagt Ropertz.

Was plant die Bundesregierung zur Entlastung der Mieter?

Die Bundesländer können seit Juni eine Mietpreisbremse einführen. Damit werden die Mieten bei Neuvermietung auf zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete beschränkt. Ein zweites Mietrechtspaket soll im Herbst vorgelegt werden, wie der SPD-Abgeordnete Dirk Wiese der „Saarbrücker Zeitung“ verriet. Damit solle etwa die Erstellung von Mietspiegeln reformiert und die Modernisierungsumlage zugunsten der Mieter gesenkt werden.

Ein Makler hat dem 22-Jährigen geholfen, die 1100 Dollar (etwa 990 Euro) teure Wohnung zu finden. Denn Altenberg kam im August mit Nichts außer einem großen Rucksack aus seiner Heimat Wisconsin nach New York City, um „es in der großen Stadt zu schaffen und nicht im Mittleren Westen hängenzubleiben“, wie er sagt. Ein Restaurant im Lincoln Center, ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern, hatte ihm eine Stelle als Kochlehrling angeboten. Der einzige Wunsch: eine Wohnung nah an der Arbeitsstelle. Mit wenig Platz hatte er gerechnet.

„Es klingt nach einem New Yorker Klischee“, sagt er, „aber um es hier zu schaffen, muss man einfach nehmen, was kommt“. Eigentlich war er davon ausgegangen, sich wenig Raum mit vielen Mitbewohnern teilen zu müssen. „Dass ich jetzt sogar meine eigene Wohnung in der Upper West Side habe - für das gleiche Geld, das ich in Harlem für ein Zimmer in einer WG gezahlt hätte - ist ein Traum.“

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