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05.08.2011

14:19 Uhr

Logistikimmobilien

Lagerhallen sind rar in Deutschland

VonReiner Reichel

Der Umsatz mit Logistikimmobilien sinkt im ersten Halbjahr 2011 gegen den Trend. Die fehlenden Lagerhallen in Deutschland lassen den Preis steigen.

Aufgrund des geringen Angebots haben sich erstklassige Logistik- und Industrieimmobilien in den vergangenen zwölf Monaten an vielen Standorten verteuert. Quelle: dapd

Aufgrund des geringen Angebots haben sich erstklassige Logistik- und Industrieimmobilien in den vergangenen zwölf Monaten an vielen Standorten verteuert.

DüsseldorfAuf dem deutschen Investmentmarkt für Gewerbeimmobilien brummt das Geschäft. Doch gegen den Trend hat der Umsatz mit Lagerhallen und Industrieimmobilien im ersten Halbjahr 2011 abgenommen. Andreas Trumpp, Analyst bei Colliers International, einem weltweiten Netzwerk unabhängiger Immobilienberatungsunternehmen, registrierte hierzulande Besitzwechsel im Volumen von 587 Millionen Euro. Gegenüber der gleichen Vorjahresperiode ist das ein Minus von 17 Prozent. Verzerrt wird dieses Ergebnis allerdings durch eine Großtransaktion im Wert von 330 Millionen Euro aus dem vergangenen Jahr.

Dennoch ist Trumpp überzeugt, dass das Ergebnis deutlich besser hätte ausfallen können. Denn am Interesse der Käufer mangele es nicht. Vielmehr fehle schlicht das Angebot. Dies liegt insbesondere daran, dass während der Wirtschaftskrise kaum Hallen gebaut wurden, es sei denn, es hatte sich zuvor bereits ein Mieter dafür gefunden. Nun hat der Wirtschaftsaufschwung die Entwickler neuer Anlagen überrascht – sie können die gestiegene Nachfrage der Mieter wie der Investoren nicht bedienen.

Das schlägt auf die Preise durch. „Erstklassige Logistik- und Industrieimmobilien haben sich in den vergangenen zwölf Monaten an vielen Standorten verteuert. Grund dafür ist das geringe Angebot“, sagt Marcus Blumenthal, Logistikexperte des Maklernetzwerks Colliers in München. Auf jeden Fall steigen für die erstklassigen Objekte die Preise schneller als die Mieten. Das lässt sich an den sinkenden Mietrenditen für diese Hallen deutlich ablesen.

Teuerster Standort in Deutschland ist Colliers zufolge das Rhein-Main-Gebiet mit einer Rendite von 6,5 Prozent. Anders ausgedrückt: Hier zahlt ein Käufer im Durchschnitt das 15,4-Fache dessen, was er in einem Jahr an Miete einnimmt. Zum Vergleich: In Düsseldorf bedeuten 7,5 Prozent Rendite, dass ein Investor nur bereit ist, das 13,3-Fache einer Jahresmiete an den Verkäufer zu überweisen.

Sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite dominierten Vermögensverwalter den Transaktionsmarkt, stellen die Spezialisten für Lagerhäuser und Industrieflächen des Immobiliendienstleisters Jones Lang Lasalle (JLL) fest. Sie seien mit je 50 Prozent auf beiden Seiten präsent gewesen. Entwickler von Logistikgebäuden traten zu je 20 Prozent als Käufer und Verkäufer auf. Offene Immobilienpublikumsfonds allerdings hat JLL von Januar bis Juni in Deutschland als Käufer nicht entdeckt.

Das aber heißt keineswegs, dass alle Fonds von Lagerflächen lassen wollten, wie das Beispiel Deka Immobilien zeigt. Die Immobilienfondsgesellschaft der Sparkassen kaufte erst vor wenigen Tagen den im Bau befindlichen Lagerhallenkomplex „Castel San Giovanni“ in der Nähe der norditalienischen Stadt Piacenza für 37 Millionen Euro und legt ihn ins Portfolio ihres Publikumsfonds Deka Immobilien Europa. Zuvor hatte sie für Spezialfonds zweimal in den Niederlanden zugeschlagen.

Was für Deutschland gilt, trifft in ähnlicher Form für ganz Westeuropa zu: Moderne Flächen sind knapp, es wird wenig gebaut; in den nächsten zwölf Monaten werden die Fertigstellungen in Westeuropa daher unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt liegen, geht aus einem Marktbericht von JLL für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) hervor. Der daraus resultierende stärkere Wettbewerb hat für Vincent Lottefier, der das Firmenkundengeschäft von JLL in der EMEA-Region leitet, eindeutig zur Folge: „Die Mieten steigen bis zum Ende des Jahres 2011.“

Von Entspannung geht er auch danach nicht aus: „Hinzu kommt, dass die künftige Nachfrage in der EMEA-Region wahrscheinlich von einem breiteren Nutzerspektrum getragen wird“, sagt Lottefier und nennt Online-Shopping-Anbieter sowie den Sektor erneuerbare Energien als Beispiele.


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