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02.09.2013

12:35 Uhr

Luxusimmobilien

„Die wilden Zeiten sind vorbei”

Die Schweizer Stadt Genf erwägt, die Steuern für Millionäre zu erhöhen. Die Folgen sind schon zu spüren: Die Preise für superteure Immobilien brechen ein. Werden die Luxusvillen der Eidgenossen zu Ladenhütern?

Stadt am See: In Genf verfallen die Preise für Luxusobjekte. obs

Stadt am See: In Genf verfallen die Preise für Luxusobjekte.

Bei den Genfer Immobilienverkäufern ist aktuell Fingerspitzengefühl gefragt. So musste der Makler Alexander Koch de Gooreynd musste einem Kunden im vergangenen Juni eine schwierige Mitteilung machen. Der angestrebte Preis von 39,5 Millionen Franken, umgerechnet 32,1 Millionen Euro für seine Villa in Genf war einfach zu hoch angesetzt.

Das Haus mit acht Schlafzimmern, einem Weinkeller, 800 Quadratmetern Wohnfläche, direkt am See und mit Liegeplatz für eine Jacht im Vorort Collonge-Bellerive war schon seit neun Monaten auf dem Markt. Der Verkäufer wollte nicht noch länger warten und verkaufte das Anwesen schließlich schweren Herzens für acht Millionen Franken unter dem angestrebten Preis.

„Die wilden Zeiten sind vorbei”, sagt Koch de Gooreynd, der die Schweizer Sparte für Privatimmobilien bei Knight Frank leitet. Noch zwei Jahre zuvor wäre der höhere Preis noch durchaus durchgegangen. „Die Verkäufer werden deutlich realistischer.”

Der Preis für Genfer Immobilien, die mehr als sechs Millionen Franken wert sind, ist in den vergangenen zwölf Monaten um bis zu 25 Prozent eingebrochen, sagt Makler Sebastien Rohner von Barnes International Luxury Real Estate in Genf. „Einen Einbruch wie diesen habe ich noch nicht gesehen”, sagt Rohner. „Wohlhabende sehen Genf nach wie vor als attraktiv an, aber sie lassen sich Zeit und mieten, bevor sie kaufen.”

Das können Immobilienkäufer nicht leiden

Dünne Wände

15,8 Prozent der Hauskäufer wollen es gerne ruhig haben. Dünne Wände sind für sie ein absolutes No-Go. Dabei scheinen die Befragten, was die Schallisolierung ihrer Immobilie angeht, toleranter geworden zu sein. 2010 gaben etwa 31 Prozent von ihnen dünne Wände als Ausschluss-Kriterium an.

Quelle: Umfrage von Immobilienscout 24 und Interhyp unter 1951 Immobilienkäufern.

Schlechte Dämmung

Auch zu kalt darf es in dem Traumhaus nicht sein: 21,6 Prozent der Befragten gaben schlechte Dämmung als Ausschlusskriterium beim Immobilienkauf an.

Niedrige Decken

22,9 Prozent der Befragten stören sich an niedrigen Decken. Besonders unbeliebt sind sie bei Männern. Knapp ein Viertel der männlichen Befragten würde keine Immobilie mit niedrigen Decken kaufen.

Kein Balkon

Frauen dagegen stört vor allem es dann, wenn kein Balkon da ist. 31,75 Prozent der befragten Frauen würden keine Wohnung ohne Balkon erwerben. Insgesamt was das für 23,9 Prozent der Befragten ein Ausschlusskriterium.

Bad ohne Fenster

26,5 Prozent der Befragten würden kein Haus kaufen, in dem ein Bad keine Fenster hat. Auch unbeliebt: Bad ohne Badewanne. 13,5 Prozent der Frauen stören sich daran, bei Männern sind es nur 8,4 Prozent.

Keine Garage oder Stellplatz

Wenn zum Haus oder der Wohnung keine Garage gehört, würden 26,8 Prozent der Befragten die Immobilie nicht kaufen. Für knapp 29 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen ist die Garage unerlässlich.

Kein Garten

Für 36,4 Prozent der Immobilienkäufer ist ein Haus ohne Garten tabu. Bei Frauen sind das knapp 40 Prozent.

Problematische Nachbarschaft

47,5 Prozent der Befragten wollen nicht in einem Problemviertel wohnen. Besonders streng sehen das die Männer. Für etwa die Hälfte von ihnen ist eine problematische Nachbarschaft ein Ausschlusskriterium beim Hauskauf.

Die Gründe für den Preisverfall in Genf sind profan. Vermögende stören sich etwa daran, dass Politiker erwägen, Steuererleichterungen für ausländische Millionäre zu stoppen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Zuzüge multinationaler Unternehmen in die Stadt sinkt.

Weniger als zwei Fahrstunden von den Skigebieten Chamonix und Verbier entfernt, ist es Genf dank niedriger Steuern, politischer Stabilität und hoher Lebensqualität gelungen, bislang mehr als 900 multinationale Konzerne anzulocken. Darunter befinden sich etwa Procter & Gamble, der Rohstoffhändler Gunvor und die Hedgefonds-Verwalter Brevan Howard und BlueCrest Capital.

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