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03.06.2014

13:46 Uhr

Makler

Mietpreisbremse ausgebremst

VonJens Hagen

Die Mietpreisbremse droht im Chaos zu versinken. Ein Gutachten erklärt den Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums für verfassungswidrig. Die CDU sieht starken Nachbesserungsbedarf. Der Zeitplan gerät aus den Fugen.

Immobilienwissen verzweifelt gesucht: Die Mietpreisbremse verschiebt sich, der Gesetzesentwurf wird geschreddert. Getty Images

Immobilienwissen verzweifelt gesucht: Die Mietpreisbremse verschiebt sich, der Gesetzesentwurf wird geschreddert.

Unter den Maklern geht die Angst um. Wenn die Mietpreisbremse so umgesetzt wird, wie im Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums vorgesehen, drohen deutliche Umsatzeinbrüche. Die Unsicherheit ist so groß, dass sich verzweifelte Makler auf der Suche nach Informationen an Handelsblatt Online wenden. „Ich habe dem Bundestagsabgeordneten bereits zweimal eine Mail geschrieben, die sehr unfreundlich ignoriert wurde“, schreibt eine Maklerin aus Süddeutschland.

Sie fürchtet um ihre Existenz. Das geplante Bestellerprinzip, nachdem derjenige den Makler bezahlt, der seine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, könnte ihr Geschäftsmodell der Vermietung von möblierten Wohnungen eliminieren. „Da Sie ja generell näher am Puls der Zeit sind, wissen Sie etwas Neues?“, so lautet die bange Frage der Maklerin an den Redakteur.

Der Risiko-Scores deutscher Städte (Platz 1 bis 12)

Städterating

Die Risiken für de Kauf von Wohnimmobilien soll eine Analyse der Immobilienexperten von Dr. Lübke & Kelber zeigen. Grundlage sind Daten zur Bevölkerung, Sozioökonomie, Wohnungsmarkt, Miet- und Kaufpreise und Nachfrage.
Als Ergebnis dieser Analyse ergeben sich vier verschiedene Risikogruppen, die mit Ratings von A++ bis A- unterteilt wurden. Die Städte mit A++ bieten das geringste Risiko, Städte mit A- das höchste Risiko. Bei dem ausgewiesenen Risiko-Score gilt folgende Arithmetik: Je großer die Zahl, desto risikoärmer ist der Standort für Immobilieninvestitionen.

Platz 1

München
Risiko-Score: 1,63
Rating: A++

Platz 2

Frankfurt
Risiko-Score: 1,61
Rating: A++

Platz 3

Ingolstadt
Risiko-Score: 1,47
Rating: A+

Platz 4

Regensburg
Risiko-Score: 1,37
Rating: A+

Platz 5

Potsdam
Risiko-Score: 1,31
Rating: A+

Platz 6

Freiburg
Risiko-Score: 1,30
Rating: A+

Platz 7

Düsseldorf
Risiko-Score: 1,28
Rating: A+

Platz 8

Dresden
Risiko-Score: 1,27
Rating: A+

Platz 9

Ulm
Risiko-Score: 1,24
Rating: A+

Platz 10

Mannheim
Risiko-Score: 1,22
Rating: A+

Platz 11

Nürnberg
Risiko-Score: 1,18
Rating: A+

Platz 12

Lüneburg
Risiko-Score: 1,16
Rating: A+

Die politische Lage ist verhärtet. Ein Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV), der gänzlich ohne zutun der CDU erstellt wurde, brüskierte die Mitglieder der Unionsparteien. Bei einem Treffen der Koalitionäre im April legte die Union einen Fragen- und Forderungskatalog vor, den das Ministerium von Minister Heiko Maas aktuell noch abarbeitet. „Wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir sowohl mit dem Inhalt, wie auch mit der Art und Weise der Erstellung des Gesetzesentwurfs nicht einverstanden waren“, sagt Jan-Marco Luczak, Mietrechtsexperte der CDU.

Das BMJV müsse Antworten und Kompromissvorschläge liefern, damit eine Grundlage für weitere Verhandlungsrunden bestehe. „Der Zeitplan ist damit nicht mehr haltbar“, sagt Luczak, der auch stellvertretender Vorsitzender des Rechtsausschusses ist. Eigentlich sollte vor der Sommerpause eine Einigung erzielt werden, das Gesetz Anfang 2015 in Kraft treten. „Wir rechnen frühestens Mitte 2015 mit einem Gesetz, deutliche Änderungen am Entwurf vorausgesetzt“, sagt Luczak.

Das Ministerium ist noch skeptischer. „Derzeit werden die Stellungnahmen der anderen Ressorts sowie der Länder und Verbände ausgewertet und geprüft“, erklärt ein Sprecher. „Eine Kabinettsbefassung wird innerhalb der nächsten Monate erfolgen. Wenn die Mietpreisbremse noch im nächsten Jahr greift, haben wir gut gearbeitet.“

Die betroffenen Makler möchten die Verlängerung nutzen, um die schlimmsten Auswirkungen der Mietpreisbremse noch abzumildern. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) bringt nun schweres Geschütz gegen den Gesetzesentwurf in Stellung. Denn nicht nur aus Sicht der Union ist das Vorhaben des Maas-Ministeriums ein Rohrkrepierer.

Kommentare (19)

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03.06.2014, 14:07 Uhr

Die SOZIS sind eben Träumer mit wolkigen Sprüchen, aber nicht zum Regieren geeignet (das Chaos, das sie anrichten, sieht man aktuell in Baden-Württemberg), denn sie sollten wissen, dass jeder massive Eingriff in die Marktmechanismen zu ungewollten Verwerfungen führt.

Im vorliegenden Fall sind die Mieter absolut die Dummen und können sich für die Preissteigerungen bei den SOZIS bedanken.

Account gelöscht!

03.06.2014, 14:10 Uhr

Es spricht doch überhaupt nichts dagegen, daß der die Musik bezahlt, der sie auch bestellt hat. und, sind wir doch mal ehrlich: hat bis dahin ein makler überhaupt danach gefragt, wer ihm seine Courtage zahlt? Von der dafür zum Teil abgelieferten Leistung mal ganz abgesehen...

Account gelöscht!

03.06.2014, 14:26 Uhr

Ich habe ja Sympathie dafür, dass derjenige der etwas bestellt auch die Zeche zahlt. ABER: Zu der Wahrheit gehört aber eben auch, dass der Vermieter mit seiner Immobilie Geld verdienen will und muss, und der Mieter unterm Strich derjenige ist, der etwas haben will bzw. bestellt.

Eine Wohnung leistet sich immer der, der drin wohnt. Daher gibt es KEINE Rechnung, die der Mieter nicht zahlt! Wenn der Vermieter zukünftig einen Makler einschaltet, wird er die Rechnung bezahlen, von der Steuer absetzen und seine Kosten auf die Miete draufschlagen. Wenn das so ziemlich alle machen, ist das vor allem auf lange Sicht ein Nachteil für den Mieter (die Miete sinkt ja nicht, wenn die Kosten für den Makler über die Miete wieder drin sind...)

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