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27.08.2015

15:16 Uhr

Mieten lässt sich lernen

Der jugendliche „Wohnsinn“

VonJakob Huss

Die Idee der Leipziger Städtischen Wohnbaugesellschaft ist ganz schön schräg: In speziellen Unterrichtsstunden bringt sie Jugendlichen bei, wie man richtig mietet. Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund.

Nicht jede Wohnung eines jungen Mieters ist ein Schmuckstück. Imago

Chaotische Wohnung

Nicht jede Wohnung eines jungen Mieters ist ein Schmuckstück.

BerlinMieter sein kann man jetzt lernen – zumindest in Leipzig. Dafür sorgt jetzt die städtische Wohn- und Bau-GmbH (LWB). Zusammen mit Dozenten eines Vereins für eine neue Bildungskultur, Eduventis, organisiert sie Workshops für Jugendliche in Schulen. Das Ziel: Den 16-Jährigen erklären, wie schuldenfreies Wohnen funktioniert.

„Der totale Wohnsinn“ hat die Wohnungsbaugesellschaft ihr Projekt getauft – wie es der Name vermuten lässt, soll die Sache locker daherkommen, die Jugendlichen ansprechen. Und so treten die „Lehrer“, Azubis der LWB oder Mitarbeiter des Vereins sind also betont lässig. Ein Video zeigt sie, wie sie in T-Short, Basecap und Sneakers den Schülern alles rund ums richtige Haushalten erklären.

„Speziell beim Bezug der ersten eigenen Wohnung werden oft die Anforderungen unterschätzt, die aus der selbständigen Haushaltsführung erwachsen“, sagt Jens Eßbach, Leiter des LWB-Sozialmanagements. So würden Jugendlich oft nicht an alle Kosten denken, die ihnen aus einer eigenen Wohnung erwachsen.

Ablauf der Privatinsolvenz

Außergerichtlicher Einigungsversuch

Bevor die Privatinsolvenz beantragt werden kann, müssen Schuldner versuchen, sich außergerichtlich mit den Gläubigern zu einigen. Dabei können sie auch Unterstützung der Schuldnerberater erhalten.

Antragstellung beim Insolvenzgericht

Ist der außergerichtliche Einigungsversuch gescheitert, kann der Verbraucher einen Insolvenzantrag stellen. Diesem muss er die Bescheinigung einer geeigneten Stelle oder Person beilegen, die bestätigt, dass sein außergerichtlicher Einigungsversuch tatsächlich gescheitert ist.

Schuldenbereinigungsverfahren

Unter Umständen kann mit Unterstützung des Gerichts ein weiterer Versuch einer Einigung mit den Gläubigern unternommen werden.

Insolvenzverfahren

Das eigentliche Insolvenzverfahren beginnt mit der Feststellung der Vermögens- und Schuldensituation und gegebenenfalls der Verwertung vorhandenen pfändbaren Vermögens.

Insolvenzplanverfahren

Eventuell kann sich ein Insolvenzplanverfahren anbieten. Dabei können Verbraucher eine Art Sanierungsfahrplan aufstellen und darin individuell festlegen, welche Quote sie an die Gläubiger zahlen und wie viel Zeit sie dafür benötigen. Gericht und Gläubiger müssen dem Plan zustimmen.

Wohlverhaltensphase

Während dieser Phase muss der Schuldner sein pfändbares Einkommen an den Insolvenzverwalter abtreten. Er ist verpflichtet, jede zumutbare Arbeit anzunehmen und muss dem Gericht und Insolvenzverwalter wesentliche Veränderungen mitteilen. Die Wohlverhaltensphase beginnt mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens und dauert sechs Jahre. Unter bestimmten Umständen kann sie auf fünf oder drei Jahre reduziert werden.

„Essen, Kleidung, Genussmittel, Strom, Kosten für Telefon und Internet“, schreibt ein Azubi-Lehrer in einer Unterrichtstunde an die Tafel. Für all dies muss das monatliche Budget reichen – nicht zu vergessen die Miete selbst. Zahlenkolonnen füllen die Tafel – es wird gerechnet. Der Azubi erklärt, dass es im schlimmsten Fall auch zur Zwangsräumung kommen kann.

Auch ihre Rechte und Pflichten als Mieter sollten Jugendliche genau kennen, glaubt die LWB. Begriffstafeln sollen helfen, die wichtigsten Fragen zu identifizieren, etwa, dass der Vermieter bei Haustieren vorher gefragt werden muss oder dass es ab einer bestimmten Uhrzeit aus Rücksicht auf die Nachbarn leise zugehen sollte.

Auf den ersten Blick kommt die Initiative der Wohnbaugesellschaft ein wenig schräg daher – richtiges Mietverhalten soll erst gelernt werden müssen? Auf den zweiten Blick steckt etwas durchaus ernstes dahinter. Laut Auskunftei Creditreform stellt „unangemessene Haushaltsführung“ nach wie vor der Hauptgrund für finanzielle Probleme in jungen Jahren dar. Auch, wenn sie sich im kleinen Bereich befinde: Im Zehnjahresvergleich sei die Zahl der überschuldeten Jugendlichen um 68 Prozent gestiegen.

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