Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.11.2015

14:57 Uhr

Mieten

Private Wohnungskonzerne als Heilsbringer?

VonReiner Reichel

Börsennotierte Großvermieter sind doch nicht die Miettreiber, für die sie gehalten werden, zeigt die Studie eines Wirtschaftsforschungsinstituts. Der Deutsche Mieterbund hat Zweifel an dem Ergebnis.

Laut Institut der deutschen Wirtschaft sind private Vermieter mitunter günstiger als öffentliche Anbieter. Imago

Wohnungen in Berlin

Laut Institut der deutschen Wirtschaft sind private Vermieter mitunter günstiger als öffentliche Anbieter.

DüsseldorfErst verkauften Bund, Länder und Gemeinden ihre Wohnungen an als Heuschrecken verschriene Finanzinvestoren. Dann jammerten Politiker gemeinsam mit von Mietsteigerungen betroffenen Bürgern über die angeblich hohen Mieten, die die neuen Eigentümer verlangten. Und das hat Thomas Hegel, Chef des drittgrößten börsennotierten Wohnungsvermieters in Deutschland, LEG Immobilien, genervt.

Also brachte er Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Immobilienökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) auf die Idee, zu untersuchen, welche Hausbesitzer wie teuer vermieten. Das Ergebnis der Wirtschaftsforscher: „Staatlich heißt nicht immer günstiger.“

Voigtländer untersuchte in Kooperation mit der LEG in zehn Städten in Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland, auf das die LEG fokussiert ist, 300.000 Mietangebote in drei Jahren. Das Ergebnis: In Bielefeld, Bonn und Essen bieten LEG, Vonovia (früher Deutsche Annington) und Viva West ihre Wohnungen billiger an als öffentliche Wohnungsgesellschaften. In Dortmund verlangen die Konzerne genauso viel wie die kommunalen Vermieter: im Schnitt 5,22 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter. In Essen und Dortmund haben die privaten Großanbieter Marktanteile zwischen 26 und 30 Prozent. Bei der Auswertung der Angebote wurden Preiseffekte aufgrund unterschiedlich guter Lagen und Wohnungsqualitäten herausgerechnet.

Durchschnittliche Mietkosten nach Vermietertyp

Kirchliche Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,83 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,44 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,29 €/m²

Private Immobilienunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,77 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,60 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,42 €/m²

Öffentliche Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,70 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,77 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,16 €/m²

Sonstige Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,44 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,44 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,13 €/m²

Kommunale Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,29 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,49 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,11 €/m²

Wohnungsgenossenschaften (ohne kirchliche Unternehmen)

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,07 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,31 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,16 €/m²

Quelle für alle Angaben: GdW-Jahresstatistik

Nach der IW-Studie sind die kleinen privaten Vermieter eindeutig die teuersten. Daraus schließt Voigtländer: „Es zeigt sich, dass Größe relevant ist. Alle Großen erzielen Vorteile.“ Der Größenvorteil erlaube es ihnen überproportional häufig Mieten unterhalb der Durchschnittsmieten anzubieten. Diese Vermieter-Gruppe hat folglich auch den größten Erhöhungsspielraum in den Städten, in denen die Mietpreisbremse gilt. Das sind zum Jahresende mehr als 250 Kommunen.

„Die Mietpreisbremse wird eher die kleinen Vermieter treffen“, erwartet Voigtländer. Auf jeden Fall seien Genossenschaften die günstigsten Wohnungsanbieter. Gegenüber den kleinen privaten Hausbesitzern biete sie ihre Wohnungen um 16 Prozent billiger an, die großen privaten haben Mietpreisvorteile von 6,5 Prozent und die öffentlichen Unternehmen von 5,5 Prozent. Die Angebote der öffentlichen Vermieter unterscheiden sich nach Voigtländers Einschätzung kaum von denen der großen privaten Wohnungsunternehmen „und sind preislich nicht konkurrenzfähig mit Genossenschaften“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×