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03.02.2015

16:10 Uhr

Mieten

Ungebremster Mietpreisanstieg war gestern

VonKatharina Schneider

Droht in Deutschland eine Immobilienblase? Sind Mieten in Innenstädten bald unbezahlbar? In seinem Frühjahrsgutachten gibt der Zentrale Immobilien Ausschuss Entwarnung. Doch politische Vorgaben könnten stören.

Die Kaufpreise für Immobilien steigen noch, aber langsamer. Getty Images

Ein Häuschen im Einkaufswagen

Die Kaufpreise für Immobilien steigen noch, aber langsamer.

DüsseldorfGute Nachrichten für Mieter: Der Mietpreisanstieg geht zu Ende. Zu diesem Ergebnis kommt das Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Zwar sind die Mietpreise auch 2014 gestiegen, aber nicht mehr so stark wie im Vorjahr – in Westdeutschland kletterten sie um 2,7 statt zuvor noch 3,3 Prozent, in Ostdeutschland um 1,9 statt 2,5 Prozent. Ein Grund zur Freude ist das aber längst nicht in allen Regionen. Vor allem in sogenannten Schwarmstädten treibt die erhöhte Nachfrage die Preise.

In einigen deutschen Städten und Metropolen wird es eng, so das Gutachten. Am stärksten stieg die Angebotsmiete im Gesamtjahr 2014 in München (3,3 Prozent), gefolgt von Stuttgart (2,4 Prozent), Berlin (2,0 Prozent) und Köln 1,7 Prozent. Die Top-7-Städte (siehe Kasten) ziehen insbesondere junge Menschen an. Die Nachfrage nach Mietwohnungen in attraktiven Städten steigt, während sie in ländlichen Regionen zurückgeht.

Die Sorge vor unbegrenzt steigenden Mieten hält ZIA-Präsident Andreas Mattner allerdings für unbegründet, denn die Immobilienwirtschaft habe auf den nachfragestarken Märkten mit vermehrtem Wohnungsneubau reagiert. „Der Marktmechanismus funktioniert auch ohne staatliche Eingriffe“, so Mattner. Preistreiber seien aber nicht nur die hohe Nachfrage, sondern auch höhere Preise für Bauland, strengere Regulierung und schärfere Vorgaben bei der Energieeffizienz.

Die Nachfrage nach zentralen Lagen sei ungebrochen hoch, sagt Michael Kiefer, Chefanalyst und Leiter Immobilienbewertung bei ImmobilienScout24. Um weiteren Preissteigerungen entgegenzuwirken, sei die Politik auf regionaler Ebene gefragt: „Es müssen attraktive Rahmenbedingungen für mehr Neubau in den Städten geschaffen werden“, sagt Kiefer. „Nur so können Verhältnisse wie in Paris oder London vermieden werden, wo sich inzwischen auch die gut verdienende Mittelschicht das Wohnen in der Innenstadt kaum noch leisten kann.“

Top-7-Wohnimmobilienmärkte

München

Mietpreise 2014: plus 3,3 Prozent
Mietpreise 2013: plus 6,8 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 5,9 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 11 Prozent

Berlin

Mietpreise 2014: plus 2,0 Prozent
Mietpreise 2013: plus 6,7 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 5,1 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 8,0 Prozent

Köln

Mietpreise 2014: plus 1,7 Prozent
Mietpreise 2013: plus 4,5 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 4,5 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 7,2 Prozent

Stuttgart

Mietpreise 2014: plus 2,4 Prozent
Mietpreise 2013: plus 6,9 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 8,4 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 9,6 Prozent

Hamburg

Mietpreise 2014: plus 1,3 Prozent
Mietpreise 2013: plus 3,7 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 3,7 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 7,5 Prozent

Frankfurt

Mietpreise 2014: minus 1,3 Prozent
Mietpreise 2013: plus 2,5 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 8,7 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 7,1 Prozent

Düsseldorf

Mietpreise 2014: minus 0,1 Prozent
Mietpreise 2013: plus 2,4 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 11,1 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 10,8 Prozent

Quelle

Quelle: Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), Preissteigerungen jeweils im Vergleich zum Vorjahr.
Die Zahlen beziehen sich jeweils auf das Gesamtjahr. (Die im Gutachten für 2014 genannten Werte bezogen sich nur auf die ersten drei Quartale.)


Dennoch fällt der Ausblick für 2015 insgesamt positiv für Mieter aus: „Das Jahr 2014 dürfte das Ende des nominalen Mietpreisanstiegs in Deutschland markiert haben.“ Dafür spreche, dass sich der Anstieg der Wohnungsmieten bereits deutlich verlangsamt habe, sich die regionale Breite des Mietpreisaufschwungs verkleinere und die Baufertigstellungen weiter gestiegen seien. Dagegen spreche zwar der weiter gesunkene Leerstand, doch dieser sei in den Regionen mit steigenden Mieten auch bislang schon gering gewesen.

Kommentare (11)

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Herr Peter T. Kroeger

03.02.2015, 15:20 Uhr

Bezogen auf die Basis Haushaltsnettoeinkommen sind Kaufpreise und Mieten bereits weit voraus. Der Durchschnittseinkommensbezieher ist eben selten real existent. Überproportionale Einkommen verzerren somit das Gesamtbild. Wohin es aber führt, wenn Kreditaufnahmen für Immobilienerwerb das 10fache oder mehr eines Jahresnettoeinkommens überschreiten kann man zuletzt in Spanien, unf den USA sehen. Mit erheblichen Folgen für den Gesamtmarkt und systemische Risiken.

Herr Michael Lutz

03.02.2015, 15:40 Uhr

Wer treibt denn auch stark die Baupreise ? Das sind die Länder, der Bund und die Kommunen, die Energieeinsparverordnungen erlasse, die für den Bauherrn sehr teuer werden....Ausserdem sind die Grunderwerbssteuer mit ihren erheblichen Steigerungen und die Erwerbsnebenkosten ausserordentlich belastend.......

Sergio Puntila

03.02.2015, 15:47 Uhr

Man sollte sich mal eine Mietinvestition der Deutsche Annington vor Augen führen:
Durch die Deutsche Annington ergibt eine Primärinvestition von rdbt EURO via KV einen Preis von ca. EURO 5.000. Wenn die Deutsche Annington da nachrechnet kommen da munter 50.000 Euro raus bei.
Davon ganz abgesehen rechnet die Deutsche Annington die danach zusammengekommenen EURO 50.000 noch mal sauber ad infinitum in die Gewinnbilanz.
So kann man das natürlioch auch machen als "Woge" - oder als Miepreis-Tsunami.

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