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24.05.2013

10:38 Uhr

Mietwahnsinn in München

Die seltsamen Blüten der Wohnungsnot

Günstige Wohnung gegen Sex - die Anzeige einer Studentin in München machte Furore. Es handelte sich um eine Fälschung, machte jedoch auf ein Problem aufmerksam: In Bayerns Landeshauptstadt steigen die Mieten rasant.

Sogar Belohnungen werden ausgesetzt für den „perfect match“: In München stehen nur 0,3 Prozent der Wohnungen leer. Drei Prozent müssten es nach Expertenmeinung mindestens sein. dpa

Sogar Belohnungen werden ausgesetzt für den „perfect match“: In München stehen nur 0,3 Prozent der Wohnungen leer. Drei Prozent müssten es nach Expertenmeinung mindestens sein.

MünchenDie provokante Wohnungsanzeige verbreitete sich Anfang des Jahres im Eiltempo über soziale Netzwerke: Zwei junge Männer boten auf einem Immobilienportal ein WG-Zimmer im begehrten Münchner Stadtteil Schwabing an - für schlappe 125 Euro im Monat. Die Bedingung: Sex. „Du sollst mit jedem von uns (getrennt!) mindestens zweimal in der Woche Liebe machen“, hieß es in der Annonce, die das Portal schleunigst von seiner Homepage löschte.

Die Anzeige war eine Fälschung. Ein paar Tage später berichtete die Münchner „Abendzeitung“ von einer jungen Studentin, die das unmoralische Angebot aus Protest gegen die absurde Situation auf dem Münchner Mietmarkt online gestellt hatte. „Ich pendele jeden Tag 100 Kilometer nach München, weil ich einfach keine bezahlbare Wohnung finde“, zitierte die „AZ“ die junge Frau. „Am Anfang habe ich ein paar Monate gecampt, aber das ist im Winter natürlich nicht möglich.“

So viel geben die Deutschen für Miete aus

Hamburg

2008: 19,6 Prozent*
2009: 20,5 Prozent
2010: 20,1 Prozent
2011: 20,7 Prozent
2012: 21,7 Prozent

* Anteil des Nettoeinkommens, der für Miete inklusive Nebenkosten aufgewendet werden muss.

Quelle: IVD / Statistisches Bundesamt

Hannover

2008: 17,1 Prozent
2009: 17,7 Prozent
2010: 18,0 Prozent
2011: 18,8 Prozent
2012: 20,0 Prozent

Düsseldorf

2008: 17,9 Prozent
2009: 17,9 Prozent
2010: 18,4 Prozent
2011: 19,0 Prozent
2012: 19,0 Prozent

Köln

2008: 20,1 Prozent
2009: 20,1 Prozent
2010: 19,5 Prozent
2011: 20,1 Prozent
2012: 20,3 Prozent

Dortmund

2008: 16,9 Prozent
2009: 16,9 Prozent
2010: 16,7 Prozent
2011: 16,8 Prozent
2012: 16,9 Prozent

Frankfurt

2008: 21,1 Prozent
2009: 21,1 Prozent
2010: 21,0 Prozent
2011: 21,1 Prozent
2012: 21,9 Prozent

Stuttgart

2008: 21,5 Prozent
2009: 21,5 Prozent
2010: 20,9 Prozent
2011: 21,0 Prozent
2012: 22,3 Prozent

München

2008: 21,8 Prozent
2009: 22,4 Prozent
2010: 21,8 Prozent
2011: 22,6 Prozent
2012: 23,5 Prozent

Nürnberg

2008: 19,4 Prozent
2009: 18,1 Prozent
2010: 18,5 Prozent
2011: 18,9 Prozent
2012: 19,3 Prozent

Berlin-West

2008: 21,6 Prozent
2009: 21,6 Prozent
2010: 21,5 Prozent
2011: 21,8 Prozent
2012: 22,7 Prozent

Die Mieten in München gehören bekanntermaßen zu den höchsten in ganz Deutschland. Es ist kein Zufall, dass das neue Mietrecht im vergangenen Jahr den Beinamen „Lex München“ erhielt.

Eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist für Leute mit wenig Einkommen, besonders für Studenten, ein Glücksspiel mit ungewissem Ausgang. München ist für Mieter die teuerste Stadt in Deutschland. Die Durchschnittsmiete liegt in der bayerischen Landeshauptstadt über 12,00 Euro.

„München ist ein Zentrum der problematischen Wohnungsmarktentwicklung in Deutschland“, sagt der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Franz-Georg Rips, und spricht von „Mietenhauptstadt“.

Kommentare (49)

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Michael

24.05.2013, 10:52 Uhr

Gibt es überhaupt eine Wohnungsnot? Nicht eher einen Not an Bezahlung der Arbeiter, so dass sie sich eine Wohnung leisten können?

Matthias

24.05.2013, 11:21 Uhr

Mieter und Dieb sind Besitzer.

Account gelöscht!

24.05.2013, 11:27 Uhr

Weder noch.

Aber:

1. Alle wollen in die Stadt.
2. Die Stadt soll angesagt sein, also München, Hamburg, etc. - nicht aber z. B. das Ruhrgebiet
3. Die Ansprüche an Größe und Komfort steigen immer weiter.

Das alles kann in einem Flächenland wie Deutschland mit der höchsten Bevölkerungsdichte der EU nur funktionieren, wenn die Bevölkerung sinkt. Genau davor hat man aber Panik, die Rentenversicherungssysteme könnten ja kollabieren. Wir werden immer älter, gleichzeitig wird so getan, als seien wir vom Aussterben bedroht. Wenn aber immer weniger sterben und wieder mehr Kinder geboren werden,, wird's hier langsam eng...

Schon jetzt ist jede Neubaumaßnahme auf bisher grünen Flächen von nachhaltigen Bürgerprotesten begleitet, weil der Mensch einfach nicht überall Besiedlung haben will.

Auch wenn es in der Öffentlichkeit ein Tabuthema ist: Wir sollten uns langsam damit vertraut machen, dass unser Land einfach zu voll ist...

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