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17.02.2006

13:15 Uhr

Mietwohnungsbau

Forscher sind gegen Subventionen

Die Bundesregierung hat Subventionen für den Mietwohnungsbau gekürzt und bekommt dafür Beifall von Forschern. „Dann stehen die langfristigen Ertragswerte und weniger die kurzfristigen Steuervorteile im Fokus der Investoren“, loben die Immobilienweisen in ihrem Frühjahrsgutachten 2006. Die Weisen repräsentieren die privaten Forschungsinstitute Empirica, GfK Prisma und Bulwien-Gesa.

HB BERLIN. Zum Jahreswechsel wurde die degressive Abschreibung (Afa) für alle Gebäude abgeschafft, für die bis dahin noch kein Bauantrag gestellt und kein Kaufvertrag rechtskräftig abgeschlossen worden war. Nun dürfen 50 Jahre lang nur noch jeweils zwei Prozent des Gebäudewertes abgeschrieben werden. Warum auch subventionieren, wenn, wie Florian Scheurle, Leiter der Steuerabteilung im Bundesfinanzministerium, kürzlich feststellte, „die Wohnungsversorgung in Deutschland heute so gut wie nie zuvor in der Geschichte ist“.

Doch was gut ist, muss nicht ausreichen: „Gemessen an der Entwicklung der Haushaltszahlen hinkt der Geschosswohnungsbau seit Jahren hinterher. Die Engpässe werden offenbar, sobald die Konjunktur anspringt“, sagt Empirica-Vorstandsvorsitzende Marie-Therese Krings-Heckemeier. Und zwar zuerst in den Ballungsgebieten, so dass dort die Mieten steigen. Die Abschaffung der erhöhten Afa und die ab Jahresbeginn 2007 geplante Besteuerung von Veräußerungsgewinnen schrecke Investoren ab und verlängere die Haltedauer. Empirica-Analysten erwarten bis zum Jahr 2020 steigende Haushaltszahlen und bis 2030 einen zunehmenden Wohnflächenbedarf pro Person. Darum müssten jährlich 330 000 neue Wohnungen gebaut werden. Tatsächlich hat sich der Wohnungsneubau in den vergangenen zehn Jahren auf rund 250 000 Einheiten halbiert.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Geschosswohnungsbau auf Afa-Sätze reagiert. Als 1987 die Fertigstellungen im Geschossbau auf gut 50 000 Einheiten sackten, wurde die Anfangs-Afa von fünf auf sieben Prozent erhöht. Bis Mitte der 1990er-Jahre zogen die Fertigstellungen auf mehr als 250 000 Einheiten im Jahr an. Doch es waren oft die falschen Wohnungen. „Investitionsentscheidungen haben sich zu sehr an einer optimalen Steuerersparnis orientiert. Als Folge gibt es jetzt viel zu viele kleine Wohnungen“, stellen die Immobilienweisen fest. rrl

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