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05.03.2012

14:29 Uhr

Nachgerechnet

Die wahren Kosten eines Bauspardarlehens

VonGertrud Hussla

Mit einem Bausparvertrag jetzt die günstigen Kreditzinsen sichern –so locken Banken und Bausparkassen die Kunden. Doch das angeblich so günstige Baugeld ist weit teurer als es scheint.

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Bausparen vs. Sparplan - Nachgerechnet

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DüsseldorfOptimoBausparen – unser bestes Bauspardarlehen, das es je gab“, so wirbt die Deutsche Bank für ihre Bausparprodukte. Wer dort in einen Vertrag mit der Bausparsumme von 50 000 Euro gut zehn Jahre lang 200 Euro anspart, sichert sich laut Webseite ein Baudarlehen zu effektiv 3,8 Prozent Zins. Laufzeit zwanzig Jahre.

Ein sehr günstiger Satz für alle, die in zehn Jahren bauen oder renovieren wollen, scheint es. Tatsächlich schneidet die Deutsche Bank mit ihren Konditionen in Vergleichstabellen gut ab.

Trotzdem lohnt es sich, bei Angeboten wie diesem genauer hinzuschauen. Denn der Effektivzins von 3,8 Prozent stellt bei weitem nicht die wahren Kosten des Baudarlehens dar. Sie sind – wie üblich – ab Zuteilung gerechnet. Unberücksichtigt bleiben bei Effektivzins-Angaben die mageren Zinsen, die der Bausparer in der langen Ansparphase von gut zehn Jahren bekommt. Beim Optimo-Produkt etwa muss er sich mit einem Prozent Zinsen begnügen. Obendrein zahlt er noch eine Abschlussgebühr von 500 Euro.

Sparer können im gleichen Haus bleiben, wenn es in der Sparphase ein bisschen mehr sein soll. Ein einfacher „Topzins“-Sparplan, Laufzeit zehn Jahre, garantiert Kunden der Deutschen Bank einen jährlichen Zinssatz von 2,5 Prozent, ganz ohne Abschlussgebühr. Wer dort monatlich 200 Euro einzahlt, hat in gut zehn Jahren immerhin knapp 28 000 Euro angespart. Über 2 700 Euro mehr, als ein Optimo-Bausparer. Der hätte mit seinen dürftigen Zinsen dann erst 25230 Euro.

Schneckentempo in der Sparphase

Jetzt erst rundet sich das Bild: Der Bausparer zahlt zwar niedrige Zinsen, er muss aber eine höhere Kreditsumme aufnehmen, wenn er später 50 000 Euro für sein Häuschen einsetzen will. Da darf das Hypothekendarlehen gerne teurer sein, wenn es in der gleichen Zeit abbezahlt sein soll.

Wer sich schlau anstellt, kann eine Rendite von vier Prozent erzielen. obs

Wer sich schlau anstellt, kann eine Rendite von vier Prozent erzielen.

Es darf sogar ein ganzes Stück teurer sein. Bis zu einem Hypothekenzins von 5,2 Prozent kommt der Banksparplan-Anleger günstiger weg, als der Bausparer. Erst wenn in zehn Jahren ein Hypothekendarlehen mehr als diese 5,2 Prozent kostet, ist der Sparplan-Sparer im Nachteil. Experten bezeichnen diesen Satz als „Grenzzinssatz“. Er kommt den wahren Kosten eines Darlehens weit näher als der offizielle Effektivzinssatz. Die Finanzberatung FMH ermittelte auch bei Kombinationen aus Konkurrenzprodukten Grenzzinssätze zwischen fünf und 5,6 Prozent. Immer vorausgesetzt, der freie Sparer spart zu einem fixen Satz per Sparplan an und zahlt dann über zwanzig Jahre sein Darlehen ab.
Manchmal steigen die Zinsen gar nicht

Nun ist der Grenzzinssatz, ab dem sich ein Bausparvertrag lohnt, stark davon abhängig, wie erfolgreich ein Bauwilliger als freier Sparer sein Geld anlegen könnte. Wer sich schlau anstellt, kann wohl auch heute noch eine Rendite von vier Prozent erzielen. Schafft er das, fährt der künftige Bauherr in zehn Jahren sogar mit Hypothekenzinsen bis 9,5 Prozent besser, als mit einem Bauspardarlehen. „Opportunitätskosten“ würden Experten die versteckten Kosten eines Bausparvertrags nennen. Der Banker Gerd Kommer kritisiert in seinem Buch „Bauen oder Mieten“, dass genau diese Zusammenhänge bei der Beratung verschwiegen werden. Die Deutsche Bank sagt, sie empfehle Banksparen oder Bausparen je nach Bedarf des Kunden.

Erfahrungsgemäß schließt fast jede Bank heute bei ihren Finanzierungspaketen einen Bausparvertrag mit ein.  Anleger können übrigens den Grenzzinssatz ihres Bauspar-Angebots sehr leicht mit einem Rechner der Stiftung Warentest ausrechnen.  Wer feste Pläne - etwa für eine Renovierung - hat mag trotz aller Kosten zum Bausparvertrag greifen. „Bausparverträge sind eine Versicherung gegen steigende Zinsen“, sagt Max Herbst von FMH.

Doch manchmal steigen die Zinsen gar nicht. Bausparkredite, die heute zugeteilt werden, sind oft deutlich teurer, als Hypothekendarlehen. Ein  BHW-Bausparvertrag  von 1999 sieht für das Darlehen 5,8 Prozent effektiv vor. Debeka, Abschluss 2003, verlangt für das Bauspardarlehen 5,5 Prozent Zins. Am freien Markt kosten Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit heute nur noch drei Prozent.

Mich persönlich stören die langen Bindungszeiten eines Bausparvertrags. Woher weiß ich, ob ich 2022 bauen oder auswandern will? Aber das ist Mentalitätssache.

Kommentare (13)

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Mib63

05.03.2012, 15:13 Uhr

Es sollte mehr informiert als polarisiert werden. In dem Artikel werden die zum heutigen Zinsniveau hohen Guthaben zinsen verschwiegen, die es bei einem Bausparvertrag aus dem Jahr 1999 "noch" gab. Es ist nicht nur wichtig welche Sparmöglichkeiten der Bauwillig hat, sondern auch wie sich die Baupreise am Markt verändern. Der Bausparer ist nach wie vor eine gute Beimischung zum "Häusle" bauen und sollte nicht negativ und eindimensional dargestellt werden. Es sollten auch mal die Kunden gefragt werden, die durch die "Zinssicherung" Vorteile durch den Abschluss eines Bausparvertrages hatten....

brainy

05.03.2012, 16:15 Uhr

So negativ ist der Bericht gar nicht.
Wie sieht wohl der GESAMTE eff. Zins aus, wenn man Bausparverträge mit gleichzeitigem Vorwegdarlehen betrachtet? Wie wirkt sich die zwangsweise höhere Tilgung eines Bausparvertrags auf meine finanzielle Leistungsfähigkeit (= maximal mögliche Darlehenshöhe) aus? Normale Immodarlehen sind seit mindestens einem Jahrzehnt vorzuziehen. Einzig die Zinsbindung für die nächsten 30 Jahre ist der Vorteil der Buasparkasse.

Anonym

05.03.2012, 16:17 Uhr

Völlig unberücksichtigt bleiben die staatlichen Förderungen bei diesen Artikel. Gerade wenn jemand die Riester-Förderung auf den Bausparvertrag nutzt um eben für seinen Wunsch nach Eigentum vorzusorgen, ist ein Bausparvertrag extrem Preiswert. Die "langen Laufzeiten" sind Anbieter- und Tarifabhängig. Interessant finde ich jedoch den Ansparplan zu 2,5% über 10 Jahre. Mit Treueoption und ohne staatliche Förderungen gerechnet bietet Schwäbisch Hall im Rendite-Tarif eine Gesamtrendite von ca. 2,81% (ca. 7 Jahre Laufzeit)

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