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01.05.2010

12:11 Uhr

Nachhaltiger Bau

Im Altbau liegt die grüne Zukunft

VonSusanne Bergius

Ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Gebäude neu zu bauen, sei keine Kunst, meinen Kritiker. Die Herausforderung liege im Bestand. Er müsse saniert und wirtschaftlich attraktiv gemacht werdne. Doch bislang würden Altbauten allerdings sträflich vernachlässigt.

Bürogebäude "Triton" in Frankfurt: Der Altbau wird energetisch so saniert, dass er die Anforderungen an einen Neubau um 70 Prozent unterschreitet. Pressebild

Bürogebäude "Triton" in Frankfurt: Der Altbau wird energetisch so saniert, dass er die Anforderungen an einen Neubau um 70 Prozent unterschreitet.

BerlinNoch immer werde in Deutschland zu viel gebaut, kritisiert der Universitätsprofessor und ehemalige Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Ernst Ulrich von Weizsäcker gegenüber dem Handelsblatt. "Die Akteure vernachlässigen das riesige Potenzial von Energieeffizienz-Maßnahmen in Bestandsbauten - zu Gunsten schicker Solarenergie." Die Immobilienbranche beginnt zwar, sich nachhaltigem Bauen zu widmen. "Aber sie umgeht zwei fundamentale Fragen: Braucht man neue Gebäude? Und wenn ja: Stimmen die Vergleichsmaßstäbe?", bemängelt Olivier Elamine, Vorstandschef der Alstria Office Reit, ein börsennotierter Hamburger Büroimmobilien- und Portfoliomanager.

Seine Kritik richtet sich dabei auch gegen die derzeit gängige Praxis bei der Zertifizierung nachhaltiger Gebäude. Die Siegel seien meist auf Neubauten fokussiert, also auf nur zwei Prozent aller Gebäude weltweit. Dabei seien Bestandsbauten das Problem, in energetischer, ökologischer, gesundheitlicher wie sozialer Hinsicht. Ziel müsse sein, sie zu sanieren und wirtschaftlich attraktiv zu machen. "Deutschland braucht keine neuen Gebäude. Zertifizierungssysteme sollten Neubauten ablehnen und die Sanierung von Altbauten in den Fokus stellen", lautet Elamines provokante Forderung. Die ist nicht ganz uneigennützig: Alstria erwirbt sanierungsbedürftige Altbauten zu relativ niedrigen Preisen, um sie auf nachhaltige Weise zu restrukturieren oder sie - wie etwa das URS Aurora in Hamburg - zu entkernen.

Eine Checkliste für Nachhaltigkeit, laut Fachleuten ein unabdingbares Instrument, habe Alstria nicht, räumt Elamine ein, und keine Nachhaltigkeitsstrategie. Das bescherte dem Unternehmen unlängst ein mageres Umwelturteil der Universität Maastricht. Deshalb entwickelt Alstria derzeit ein entsprechendes Gesamtkonzept mit Zielen und Plänen zur unternehmerischen Nachhaltigkeit, das Anfang 2011 bekannt gegeben werden soll. Zudem trat man kürzlich der Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bei, die Projekte und Neubauten zertifiziert. Sie hat noch kein Bewertungssystem für Bestandsbauten, evaluiert aber nach eigenen Angaben die Möglichkeiten für Büro- und Verwaltungsgebäude. Der Tüv Süd hingegen bietet bereits ein Nachhaltigkeitszertifikat für Bestandbauten.

Kommentare (3)

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lef

01.05.2010, 15:38 Uhr

Ein richtiger Ansatz,
Energie sparen und Kosten stehen in engem Zusammenhang!
Jeder Vermieter oder betreiber will Kosten sparen, und das ist über Energie (Heizung/Klima) nun mal am deutlichsten erreichbar.

Es fehlt auch hier nur die grundsätzliche binsenweisheit, dass alle Kosten im Grunde Energieaufwand bedeuten.

Deswegen wehren sich immobilienbesitzer völlig zu Recht gegen Energiesparverordnungen, die auch langfristig beim besten Willen kein Geld einsparen, sondern einfach nur teuer sind.

Es wird wirklich mal Zeit, zu erkennen, dass ALLE Kosten im Alltagsgebrauch (und hierzu gehören auch immobilien im bau und im betrieb!) im Grunde auf Energieverbrauch basieren, auch Lohnkosten, nicht nur Materialkosten. Und zwar jetzt und in Zukunft.

Dann würde auch der irrglauben aufgeklärt, dass teure Energiesparmaßnahmen immer gut sein müssen.
Was schon zu beginn teurer ist, hat auch schon zu beginn einen hohen Energieaufwand gehabt,
und was sich auch langfristig nicht "lohnt", ist langfristig Energieverschwendung.

lef

01.05.2010, 15:45 Uhr

Grundsätzlich ein richtiger Ansatz,
1. die erkenntnis, dass 98% aller bauten nicht abgerissen (verschrottet) werden können (dafür ist einfach nicht genug Energie mehr vorhanden,
2. ein Konzept für eben diesen bestand völlig fehlt.

ich vermisse eine einfache binsenweisheit:
Energie sparen und Kosten stehen in engem Zusammenhang!
Jeder Vermieter oder betreiber will Kosten sparen, und das ist über Energie (Heizung/Klima) nun mal am deutlichsten erreichbar.
Alle Kosten bedeuten nun mal im Grunde Energieaufwand.

Fehlende Konzepte aufgrund dieser einfachsten Erkenntnis führen zu sinnlosen Verordnungen.
Deswegen wehren sich immobilienbesitzer völlig zu Recht gegen Energiesparverordnungen, die auch langfristig beim besten Willen kein Geld einsparen, sondern einfach nur teuer sind.

Es wird wirklich mal Zeit, zu erkennen, dass ALLE Kosten im Alltagsgebrauch (und hierzu gehören auch immobilien im bau und im betrieb!) im Grunde auf Energieverbrauch basieren, auch Lohnkosten, nicht nur Materialkosten. Und zwar jetzt und in Zukunft.

Dann würde auch der irrglauben aufgeklärt, dass teure Energiesparmaßnahmen immer gut sein müssen.
Was schon zu beginn teurer ist, hat auch schon zu beginn einen hohen Energieaufwand gehabt,
und was sich auch langfristig nicht "lohnt", ist langfristig Energieverschwendung.

mango

03.05.2010, 11:15 Uhr

Ausgerechnet Olivier Elamine von alstria office meldet sich hier Vorreiter in Sachen Umwelt- und Nachhaltigkeit zu Wort. Sein Laden besitzt das "bullshit-Castle", die Daimler-Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen. Und vom ach so energetisch wertvollen Hochbauhaus in Hamburg wurde, wohl aus Kostengründen, nur die eine Hälfte renoviert, in die die Hochbahn eingezogen ist. Die andere ist, vorsichtig formuliert, renovierungsbedürftig. Und Elamine spricht im Handelsblatt von nachhaltigem Umweltkonzept für Altbauten. Die Chefredaktion sollte sich gründlich überlegen, wem sie eine bühne für Populismus bietet ...

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