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18.08.2014

11:07 Uhr

Niedrigzinsen sei dank

Boom im deutschen Wohnungsbau hält an

Der Immobilienboom hält an: Im ersten Halbjahr wurden deutlich mehr neue Wohnungen genehmigt. Ein Grund ist das niedrige Zinsniveau. Doch mittelfristig steht eine leichte Abkühlung bevor.

Der Bedarf an neuem Wohnraum steigt, besonders in Ballungszentren. Der Schwung könnte aber nachlassen. dpa

Der Bedarf an neuem Wohnraum steigt, besonders in Ballungszentren. Der Schwung könnte aber nachlassen.

BerlinDer Bauboom in Deutschland setzt sich ungebremst fort und stützt sich zunehmend auf den Mietwohnungsmarkt. Zwischen Januar und Juni gaben die Behörden grünes Licht zum Bau von 136.800 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das waren 9,6 Prozent oder knapp 12.000 mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Damit stieg die Zahl der Baugenehmigungen binnen Jahresfrist um 9,6 Prozent.

Das Wachstumstempo war damit exakt dasselbe wie im ersten Halbjahr 2013. Ein Grund dürfte das historisch niedrige Zinsniveau sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins im Euroraum auf inzwischen 0,15 Prozent gesenkt, das verbilligt tendenziell auch Kredite. Zudem gelten Immobilien gerade in gefragten Innenstadtlagen nach wie vor als attraktives Renditeobjekt – erst Recht aktuell, wo klassisches Sparen kaum noch Zinsgewinne bringt.

Wie die Zinsen sinken und die Preise steigen

Analyse

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken hat für Handelsblatt Online die Kaufpreise in den vier begehrtesten Metropolen Deutschlands berechnet. Im Vergleich mit der Zinsstatistik der Bundesbank für Baugeld zeigt sich: Die Zinsen fallen, die Immobilienpreise steigen.

2007

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 5,03%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3191 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2302 Euro pro Quadratmeter
München: 4232 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2949 Euro pro Quadratmeter

2008

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,83%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3302 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2385 Euro pro Quadratmeter
München: 4283 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2975 Euro pro Quadratmeter

2009

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,29%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3414 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2438 Euro pro Quadratmeter
München: 4384 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3090 Euro pro Quadratmeter

2010

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,70 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3503 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2521 Euro pro Quadratmeter
München: 4524 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3137 Euro pro Quadratmeter

2011

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,54 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3768 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2721 Euro pro Quadratmeter
München: 4905 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3320 Euro pro Quadratmeter

2012

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,78 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4023 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2949 Euro pro Quadratmeter
München: 5252 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3494 Euro pro Quadratmeter

2013

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,85 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4287 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 3166 Euro pro Quadratmeter
München: 5590 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3660 Euro pro Quadratmeter

Mittelfristig dürfte der Schwung aber nachlassen, schätzen Fachleute. „Wir sind auf einem hohen Niveau, und es wird wohl nicht mehr weiter nach oben gehen“, sagte der Chefvolkswirt des mittelständischen Bauverbands ZDB, Andreas Geyer, der Nachrichtenagentur Reuters.

Für Impulse sorgt derzeit vor allem der Bau von Mietwohnungen. „Kommunale Wohnungsträger in Großstädten planen Bauprojekte, um der wachsenden Nachfrage nach Mietwohnungen nachzukommen“, sagte Geyer. „Der Mietwohnungsbau dürfte deshalb weiter anziehen.“ Dies zeigt sich bereits an den Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser, die um knapp 13 Prozent zulegten.

Dagegen gab es einen Rückgang bei Ein- (minus 1,0 Prozent) und Zweifamilienhäusern (minus 0,4 Prozent). Hier sei seit längerem eine Stagnation zu beobachten, fügte Geyer hinzu. „Wer selbst bauen will, hat in den letzten Jahren sicher schon die finanziell günstigen Konditionen mitgenommen.“

Die Lobby der Immobilienbranche hat wiederholt die geplante Mietpreisbremse der großen Koalition kritisiert. Denn die Preis-Deckelung könnte Bauinvestoren abschrecken, lautet die Sorge der Wirtschaft. Derweil zeichnet sich Entspannung auf dem Immobilienmarkt ab, der zuletzt vor allem in einigen Großstädten heiß gelaufen war. Demnach stiegen die Preise für Eigentumswohnungen zwischen April und Juni binnen Jahresfrist nur noch so gering wie seit rund vier Jahren nicht mehr, wie aus einer Studie des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) hervorgeht.

Von

rtr

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