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06.10.2016

15:53 Uhr

Nouriel Roubini

„Dr. Doom“ mit leisen Tönen

VonMatthias Streit

Der US-Ökonom gilt als einer der wenigen, der die globale Finanzkrise und das Platzen der Immobilienblase kommen sah. Eine ähnliche Krise sieht er derzeit zwar nicht heraufziehen. Doch es gibt Anlass zur Sorge.

Der Professor für Wirtschaft an der Universität in New York sah das Platzen der Immobilienblas voraus, sieht aktuell für den Immobilienmarkt keine großen Gefahren. Reuters

Nuriel Roubini

Der Professor für Wirtschaft an der Universität in New York sah das Platzen der Immobilienblas voraus, sieht aktuell für den Immobilienmarkt keine großen Gefahren.

MünchenObwohl mancher Immobilienexperte vor einer Trendwende am deutschen Immobilienmarkt warnt, herrscht auf der größten deutschen Immobilienmesse Feierstimmung statt Skepsis oder gar Untergangsstimmung. Geändert hat sich das auch nicht, als der US-Ökonom Nouriel Roubini einen kurzen Aufenthalt in München nutzte, um etwa 100 Immobilienunternehmern seine Sicht der Dinge darzulegen.

Denn der unter dem Spitznamen „Dr. Doom“ (Dr. Untergang) bekannte Ökonom, der als einer der wenigen das Platzen der Immobilienblase in den USA und die folgenden Finanzkrise voraussah, hatte aufhellende Nachrichten im Gepäck.

„Es gibt an den Immobilienmärkten einiger Länder zwar ein paar Übertreibungen, etwa in den skandinavischen Ländern oder auch in Teilen der USA und Kanada. Von einer Blase oder einem systemischen Risiko würde ich aber nicht sprechen“, sagte Roubini.

Entwicklung der Kaufpreise angebotener Eigentumswohnungen (2016)

München

1. Halbjahr 2004: 3.210 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 5.770 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 6.490 Euro/m²

Veränderung: +102 Prozent (zu 2004) / +12,5 Prozent (zu 2015)

Die Angaben sind Medianwerte - 50 Prozent der angebotenen Wohnungen sind teurer, 50 Prozent günstiger. Quelle: JLL

Frankfurt

1. Halbjahr 2004: 2.430 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.990 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 4.210 Euro/m²

Veränderung: +73 Prozent (zu 2004) / +5,5 Prozent (zu 2015)

Hamburg

1. Halbjahr 2004: 2.140 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.790 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.880 Euro/m²

Veränderung: +81 Prozent (zu 2004) / +2,3 Prozent (zu 2015)

Stuttgart

1. Halbjahr 2004: 2.200 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.340 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.900 Euro/m²

Veränderung: +77 Prozent (zu 2004) / +16,7 Prozent (zu 2015)

Düsseldorf

1. Halbjahr 2004: 1.880 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.160 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.320 Euro/m²

Veränderung: +77 Prozent (zu 2004) / +5 Prozent (zu 2015)

Berlin

1. Halbjahr 2004: 1.630 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.020 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.320 Euro/m²

Veränderung: +104 Prozent (zu 2004) / +10 Prozent (zu 2015)

Köln

1. Halbjahr 2004: 2.010 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 2.840 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.100 Euro/m²

Veränderung: +54 Prozent (zu 2004) / +9,2 Prozent (zu 2015)

Leipzig

1. Halbjahr 2004: 1.590 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 1.350 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 1.620 Euro/m²

Veränderung: +2 Prozent (zu 2004) / +20 Prozent (zu 2015)

In Zeiten der anhaltenden Niedrigzinsphase rücken für viele Investoren wie Pensionskassen oder Versicherer Immobilien als Renditebringer in den Fokus. Das hat nicht zuletzt in Deutschland die Preise teils kräftig steigen lassen. Laut einer Untersuchung von Jones Lang LaSalle haben sich die Preise für Eigentumswohnungen in München und Berlin seit 2004 verdoppelt. In Hamburg beträgt das Plus mehr als 80 Prozent.

Ernsthaften Anlass zur Sorge sieht Roubini jedoch nicht. „Die Preise am deutschen Immobilienmarkt sind in den vergangenen Jahren zwar bedeutend gestiegen. Im Vergleich zu anderen Ländern kommen sie jedoch von niedrigen Niveaus.“ Wie auch andere Experten glaubt er, dass die Banken die Beleihungswerte und die Bonität gut im Blick behielten – im Gegensatz zur Immobilienblase, die 2007 platzte. Damals waren verbriefte Hypothekenpapiere und letztlich die hohe Verschuldung der Immobilienkäufer eine Hauptursache für die folgende Krise.

Heute werden die Preise vor allem durch Investoren getrieben, die Rendite im Immobilienmarkt suchen, die sie in Anleihen beispielsweise nicht mehr finden. Dass diese Renditejagd so schnell endet, glaubt Roubini nicht. Die Zentralbanken stünden nicht vor einem raschen Zinserhöhungszyklus. Damit würden auch alternative Anlagen wie Anleihen länger unattraktiv bleiben. „Selbst Staaten wie die USA werden ihre Zinsen nur sehr langsam erhöhen. Ich rechne mit einem, vielleicht zwei Schritten im nächsten Jahr.“ Schließlich behielten andere große Notenbanken wie die EZB oder die Bank of Japan ihre ultralockere Geldpolitik bei. Das ließe der US-Notenbank kaum Spielraum.

Also alles in bester Ordnung am Häusermarkt? Nicht so ganz. Zwar schätze Roubini die Blasengefahr derzeit gering. Anlass zur Sorge hat er aber doch. Denn wenn die Nachfrage weiter so hoch bleibe, die Preise weiter stiegen, bestehe durchaus die Gefahr einer Preiskorrektur. Und auch eine lang anhaltende Niedrigzinsphase kann die Übertreibungen befeuern: Wenn Geld nur noch in alternative Anlageklassen wie etwa Immobilien fließt, könne das durchaus zur Blasenbildung führen. „Das Risiko dafür sehe ich wenn dann aber eher in der langen Frist“, erklärt Roubini.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.10.2016, 17:56 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

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