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11.03.2013

09:07 Uhr

Offene Immobilienfonds

Banken laufen Sturm gegen Regierungspläne

Das Aus für offene Immobilienfonds hat die Finanzbranche gerade verhindert. Nun sorgen die aktuellen Gesetzespläne in der Branche für Unmut. Vor allem private Anleger würden benachteiligt, lautet die Kritik.

In der Finanzkrise waren zahlreiche offene Immobilienfonds in Schieflage geraten. dpa

In der Finanzkrise waren zahlreiche offene Immobilienfonds in Schieflage geraten.

BerlinDie deutsche Kreditwirtschaft macht weiter Front gegen die von der Koalition geplanten Gesetzesänderungen für offene Immobilienfonds. In Stellungnahmen für eine Anhörung des Bundestags-Finanzausschusses am kommenden Mittwoch warnen Banken, Sparkassen und Fonds vor erheblichen Nachteilen für Kleinanleger und Rückschlägen bei der privaten Altersvorsorge.

Unterschiedliche Rückgabemöglichkeiten für Alt- und Neuanleger führten nicht nur zu einer ungerechtfertigten Ungleichbehandlung. Letztlich könnten die Pläne für eine beschränkte Anteilsrückgabe sowie begrenzte Ausgabe neuer Anteile das Aus für das Anlageprodukt bedeuten.

Gescheiterte offene Immobilienfonds

Kanam US Grundinvest

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 55 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 478 Mio. €

Anteilspreis: 8,01 €

Kurs Börse Hamburg: 5,41 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -32,5 %

Ankündigung der Auflösung: 30.09.10

Degi Europa

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 845 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 1681 Mio. €

Anteilspreis: 32,33 €

Kurs Börse Hamburg: 20,80 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -35,7 %

Ankündigung der Auflösung: 22.10.10

Morgan Stanley P2 Value

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 647 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 1671 Mio. €

Anteilspreis: 20,93 €

Kurs Börse Hamburg: 11,02 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -47,3 %

Ankündigung der Auflösung: 26.10.10

TMW Weltfonds

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 673 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 1006 Mio. €

Anteilspreis: 43,95 €

Kurs Börse Hamburg: 25,30 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -42,4 %

Ankündigung der Auflösung: 31.05.11

Axa Immoselect

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 2463 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 3609 Mio. €

Anteilspreis: 51,14 €

Kurs Börse Hamburg: 29,45 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -42,4 %

Ankündigung der Auflösung: 19.10.11

Degi International

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 1563 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 2503 Mio. €

Anteilspreis: 43,51 €

Kurs Börse Hamburg: 30,35 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -30,2 %

Ankündigung der Auflösung: 25.10.11

Kanam Grundinvest

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 3924 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 4622 Mio. €

Anteilspreis: 54,85 €

Kurs Börse Hamburg: 34,70 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -36,7 %

Ankündigung der Auflösung: 29.02.12

SEB Immoinvest

Status: eingefroren

Volumen aktuell: 6336 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 6212 Mio. €

Anteilspreis: 54,46 €

Kurs Börse Hamburg: 36,75

Kursabschlag vom Anteilspreis: -32,5 %

CS Euroreal

Status: eingefroren

Volumen aktuell: 6000 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 6537 Mio. €

Anteilspreis: 57,80 €

Kurs Börse Hamburg: 42,09 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -27,2 %

Quellen

BVI, Thomson Reuters, HB Research

Den Regierungsplänen zufolge sollen Kleinsparer ihre Anteile nur noch einmal jährlich zurückgeben können, damit die Fonds ihre Zahlungsfähigkeit besser managen können. Wer also Anteile kauft, kommt frühestens ein Jahr später wieder an sein Kapital.

Zudem soll der Freibetrag für neu aufgelegte Immobilienfonds sowie neu erworbene Anteile bestehender Fonds entfallen. Lediglich Altanleger sollen Anteile - im Rahmen des Freibetrags von 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr - börsentäglich zurückgeben können. Geplant ist ferner, dass nur noch viermal im Jahr Anteile von offenen Immobilienfonds an Anleger ausgeben werden können.

Was Verbraucherschützer Fonds-Anlegern raten

Kriterien

Die Stiftung Warentest hat eine Reihe von Kriterien entwickelt, die sich leicht überprüfen lassen. Diese sollte Anleger entweder von den Fondsverkäufern bestätigen lassen oder den Prospekten der Fonds entnehmen

können.

Quelle: Stephan Kühnlenz, Wissenschaftlicher Leiter, Stiftung Warentest

Wertentwicklung

Die tatsächliche Wertentwicklung hängt von sehr vielen Faktoren ab und ist ungewiss. Es gibt Fonds, die sich lohnen können. Ein Totalverlust ist aber auch immer möglich. 

Tipp 1

Mindestens 90 Prozent der Immobilieninvestition sollte vor der Unterzeichnung des Vertrags schon bekannt sein.

Tipp 2

Fremdwährungskredite sollten Tabu sein für Fonds, die in deutsche Immobilien investieren.

Tipp 3

Einzahlungen sollten nicht in Raten erfolgen. Gehe der Fonds pleite, müssten Ratensparer bis zur vereinbarten Gesamtsumme weiterzahlen.

Tipp 4

Die Prospektverantwortung dürfe niemals auf den Fonds selbst übertragen werden. Ansonsten hafte der Fondsanleger mit seinem Fondsanteil selbst für Fehler und müsse notfalls gegen sich selbst klagen.

Tipp 5

Einmalkosten am Anfang dürfen höchstens 20 Prozent betragen. Je höher diese Kosten, desto riskanter die Investition.

Tipp 6

Höchstens 50 Prozent der Investition dürfen durch Kredite abgedeckt werden.

Tipp 7

Geschlossene Immobilienfonds sind eine sehr langfristige Spekulation und sollten nicht zur Altersvorsorge eingesetzt werden.

Tipp 8

Insgesamt sollten nicht mehr als 5 Prozent des Kapitals in geschlossene Immobilienfonds fließen und auch nur dann, wenn man den Verlust notfalls verschmerzen kann.

 

„Eine derartige Ausgestaltung der gesetzlichen Anforderungen wäre für die Kleinanleger mit erheblichen Nachteilen verbunden“, heißt es in der Stellungnahme der Kreditwirtschaft. „Offene Immobilienfonds würden damit erheblich an Attraktivität für diese Anlegergruppe verlieren. Dies kann nicht gewollt sein.“ Insbesondere nicht vor dem Hintergrund, dass Anteilscheine von offenen Immobilienfonds insbesondere zu Zwecken der Altersvorsorge im Rahmen von Sparplänen mit kleinen Beträgen erworben werden.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

11.03.2013, 10:00 Uhr

Ein-und Auszahlungsplan in Maßen, mit Kapitalschutz versehen, muss möglich bleiben. Was die Politik hier liefert ist leider ein Armutszeugnis. Offensichtlich ist man nicht in der Lage sich in die Lage eines Anlegers zu versetzten, der einen regelmäßigen Auszahlungsplan als Altersversorgung mit Kapitalschutz benötigt. Kapitalschutz in dem Sinne, dass eine Verwertung der Immobilien unterhalb des Marktwertes verboten sein muss. Dann muss im Zweifelsfall die Auszahlung zurückstehen. Wen dies nicht möglich ist, sollte die Politik die private Altersvorsorge nicht mehr propagieren! Martin Winkler

erst_nachdenken

11.03.2013, 12:06 Uhr

Der offene Immobilienfonds ist tot. Es hat sich gezeigt, dass ihn bereits geringe Probleme zum Umfallen birngen.

Die "geordnerte" Abwicklung geschlossener offener Immobilienfonds erweist sich für die Anleger regelmäßig als Desaster. Viel besser als die Abwicklung wäre es die Fonds in REITs umzuwandeln.

Account gelöscht!

11.03.2013, 15:34 Uhr

Warum wird hier gejammert? Millionen Rentner und Betreute hanen jede Menge Geld in vermintlich mümdelsicheren Anlagen verloren. Die Branche hat seit 2006 bewiesen, dass sie dieses Produkt nicht managen kann.

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