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26.03.2006

10:00 Uhr

Offshoring-Boom

Indiens Aufschwung lockt Investoren

Indien gilt als der neue Stern am internationalen Immobilienhimmel. Seit die Regierung in Neu Delhi im vergangenen Jahr ihre Abschottungspolitik beendet hat und nun internationale Investoren ins Land lässt, sind Vertreter angelsächsischer Private Equity Funds und Investment Trusts dabei, ihre Claims abzustecken.

HB NEU DELHI. Seit der Jahrtausendwende treibt die boomende Offshore-Industrie Indiens Wirtschaft - und damit den Bedarf an Büroimmobilien. Zunächst waren es nur Software-Unternehmen aus den USA, Japan und Europa, die indische Partnerunternehmen mit Programmierarbeiten beauftragten. Inzwischen, so berichtet der Immobiliendienstleister Colliers International in einer neuen Studie, lassen auch Banken, Versicherungen, Fluggesellschaften, Pharma- und Automobilunternehmen in immer größerem Umfang Back-Office-Arbeiten auf dem Subkontinent erledigen.

Um sieben Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt Indiens in 2005 gestiegen. 7,5 Prozent prognostiziert die Reserve Bank of India (RBI) für dieses Jahr. Hingegen ist die Inflationsrate von 4,4 im Jahr 2004 inzwischen auf unter vier Prozent gefallen. Wirtschaftswissenschaftler der University of California in Berkeley erwarten, dass die Erfolgsgeschichte weiter geht. Zwölf Millionen hoch qualifizierte Arbeitsplätze sollen bis 2015 aus den USA in Niedriglohnländer verlagert werden - ein Großteil davon nach Indien. Beträgt in den USA der monatliche Bruttolohn eines Call-Center-Mitarbeiters 2 800 US-Dollar (2 350 Euro), sind es in Indien nur 700 US-Dollar (588 Euro). Für die von einem Beschäftigten genutzte Bürofläche fällt in Großbritannien nach Berechnungen von Colliers eine Jahresmiete von durchschnittlich 12 200 Euro an - in Indien hingegen sind es nur 817 Euro.

Entsprechend stark wächst der Büromarkt auf dem Subkontinent. Allein in Mumbai sind 2004 nach einer Studie von Jones Lang LaSalle (JLL) die Büromieten um 30 Prozent gestiegen. In Delhi, dem Business-District der Hauptstadt, fiel der Anstieg gar noch etwas stärker aus. Die Nettoanfangsrenditen sehen die Colliers-Experten in Delhi bei 8,5 Prozent.

Um mit der Nachfrage Schritt zu halten, fehlt indischen Investoren und Bauunternehmen jedoch die Finanzkraft. Der Grund, warum die Regierung den Markt für ausländische Investoren geöffnet hat. In den kommenden Jahren, so erwarten Analysten, könnten Milliardenbeträge aus Europa, den USA, Australien und Japan in den indischen Immobilienmarkt fließen. "Die Auslandsinvestitionen werden rasant steigen und den Bau- und Immobiliensektor beflügeln", ist Michael Kohl, Senior Manager bei Ernst & Young, überzeugt.

Auch deutsche offene Immobilienfonds werfen inzwischen ein Auge auf den Subkontinent. "Mittelfristig sind Investments unseres Hausinvest-Global in Indien durchaus vorstellbar", kündigte bereits vergangenes Jahr Dietmar Müller, Sprecher der Commerzbank-Tochter CGI, an.

Überschattet wird der Boom nur durch die Finanznot des indischen Bildungssystems. Die National Association of Software and Service Companies schlug jüngst Alarm: Zu wenige der drei Millionen Studenten, die jedes Jahr indische Universitäten verlassen, seien gut genug ausgebildet, um für Offshore-Unternehmen zu arbeiten. Nach einer Studie des McKinsey Global Institutes sind nur 25 Prozent der indischen Ingenieure qualifiziert genug für Tätigkeiten bei internationalen Unternehmen. hai

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