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14.08.2013

19:05 Uhr

Ohne Vorfälligkeitsentschädigung

Kunden können Immobilienkredit vorzeitig auflösen

Zahlreiche Baufinanzierungen sind fehlerhaft, sagen Verbraucherschützer. Die Darlehen lassen sich aber auch Jahre nach Vertragsabschluss ohne weitere Kosten kündigen. Meistens liegt nämlich der Fehler bei der Bank.

Baustellenschild vor dem Rohbau eines Einfamilienhauses: Zwei Drittel von 300 Darlehensverträgen bei Immobilien seien fehlerhaft, urteilt die Verbraucherzentrale Hamburg. dpa

Baustellenschild vor dem Rohbau eines Einfamilienhauses: Zwei Drittel von 300 Darlehensverträgen bei Immobilien seien fehlerhaft, urteilt die Verbraucherzentrale Hamburg.

HamburgViele Bankkunden können häufig auch noch Jahre nach Vertragsabschluss ihr Immobiliendarlehen vorzeitig auflösen, ohne die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen. Bei vielen Darlehensverträgen sei nämlich die Widerrufsbelehrung fehlerhaft und damit unwirksam, teilte die Verbraucherzentrale Hamburg (VZ HH) am Mittwoch mit. Sie überprüfte 300 Darlehensverträge; mehr als zwei Drittel davon sind ihrer Einschätzung nach fehlerhaft.

Banken und Sparkassen informieren der Untersuchung zufolge oft nicht richtig über den Beginn der Widerrufsfrist oder es fehlen entscheidende Hinweise insbesondere zu den Rechtsfolgen eines Widerrufs. „Ist die Widerrufsbelehrung falsch, startet die Widerrufsfrist nicht. Der Widerruf des Kreditvertrags kann also jederzeit erklärt werden“, erläuterte Christian Schmidt-Burgk, Baufinanzierungsexperte bei der VZ HH.

Davon profitieren laut Schmidt-Burgk Bankkunden, die nach der Kündigung ihres Immobilienkredits eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen mussten oder es noch tun sollen. Sie müssten nicht kündigen, sondern könnten einfach widerrufen – und sparten so die Vorfälligkeitsentschädigung. Die sei im europäischen Vergleich in Deutschland überdurchschnittlich hoch, kritisierte Schmidt-Burgk.

Profitieren könnten laut dem Experten auch Kunden, die zur Zeit angesichts der niedrigen Darlehenszinsen in einen günstigeren Kredit umschulden möchten. Hier sei aber wohl fast immer die Unterstützung eines Anwalts nötig, um Ansprüche auch durchzusetzen, erklärte Schmidt-Burgk.

Von

afp

Kommentare (4)

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Pendler

15.08.2013, 08:15 Uhr

Super Artikel - ich mache einen Vertrag und suche dann Hintertürchen da raus zu kommen. Außerdem wird suggeriert dass der Sachverhalt wirklich so ist allerdings besagt der Satz "sind ihrer Einschätzung nach fehlerhaft" lediglich, dass ein Verbraucherschützer davon träumt dass es so wäre.
Eh solche Aussagen von unseren lieben Verbraucherschützern breitgetreten werden, würde es eher Sinn machen ein Musterurteil zu erwirken und dann (bei Erfolg) entsprechend zu publizieren.
So ist das wieder einmal nur heiße Luft.

HaBlaKo

15.08.2013, 11:09 Uhr

@Pendler: es gibt bereits entsprechende Urteile, so hat der Bundesgerichtshof zum Beispiel schon 2009 entschieden.

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&sid=fc7b6eb82e1f5f5fa29e1fe17ce1e434&nr=47891&pos=0&anz=1

wolff-bau

15.08.2013, 20:45 Uhr

Neue EU-Regeln stärken in Zukunft die Rechte der Verbraucher,sofern in den nächsten Wochen das EU-Parlament und die EU-Staaten zustimmen.So soll den Finanzinstituten verboten werden,daß Kunden bei einer vorzeitigen Kündigung bestraft werden und sie sich aus dem Vertrag herauskaufen müssen.

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