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25.01.2007

07:43 Uhr

HB WIEN. Wien ist anders. Während ein Büro in Londons Westend inzwischen mit 137 Euro pro Quadratmeter Monatsmiete ein Loch in jede Kasse reißt, lebt und arbeitet es sich im Wiener ersten Bezirk zwischen Staatsoper, Rathaus und alter Börse vergleichsweise günstig. 20 Euro Miete pro Quadratmeter in Toplage und toprenoviert - dafür lässt sich schon allerhand finden. Wien liegt damit im europäischen Vergleich im unteren Drittel.

Diese Faustregel galt jedenfalls bislang. Im zweiten Halbjahr 2006 allerdings, so haben es unter anderem die Büromarktexperten von CB Richard Ellis beobachtet, hat sich die Lage geändert. Der Preis bewege sich, 22 Euro würden inzwischen erzielt, sagt Andreas Ridder, Geschäftsführer bei Ellis in Österreich. Den Trend bestätigt Astrid Kratschmann, die den Immobilienmarkt für die S-Bausparkasse beobachtet, der Immobilientochter der österreichischen Ersten Bank. "Im Luxussegment im innerstädtischen Bereich ziehen die Preise an", sagt sie.

Was ist passiert? Ist es mit den Besonderheiten des Wiener Immobilienmarktes vorbei? Zu den Außergewöhnlichkeiten in der österreichischen Hauptstadt zählt, dass jeder vierte Einwohner in einem Gebäude der Gemeinde lebt. Die Stadt ist ein Studienobjekt für junge Architekten, die sich der Geschichte des sozialen Wohnungsbaus annehmen wollen. Es gibt Doktorarbeiten über einzelne Bauwerke, wie den Karl-Marx-Hof, einem festungsähnlichen Bau aus den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, mit dem zum ersten Mal erschwingliche, komplette Wohnungen für Arbeiter geschaffen wurden. Die Stadt Wien besitzt heute rund 220 000 Gemeindewohnungen und ist damit die mit Abstand größte Hausverwaltung Europas.

Jährlich werden etwa 10 000 Gemeindewohnungen neu vergeben. Zwischen 1994 und 2005 hat die Stadt mehr als fünf Mrd. Euro in den Wohnbau investiert. Österreich gibt rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukt für den sozialen Wohnungsbau aus. Das ist im europäischen Vergleich zwar keine besonders hohe Quote, aber das Geld wird offenbar so eingesetzt, dass von Wohnungsmangel keine Rede ist und die Mieten für Wohnungen, aber auch für Gewerbeimmobilien niedrig bleiben. Nebeneffekt war bislang, dass Investoren aus dem Ausland, die anderswo höhere Renditen als in Wien erwirtschaften konnten, sich in Österreich kaum engagierten.

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