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05.07.2014

22:47 Uhr

Passivhäuser

Von Geisterstadt zur grünen Siedlung

Früher gab es in der Heidelberger Bahnstadt nichts als einen alten Güterbahnhof. Doch das ändert sich. Nun soll hier die größte Ökohaus-Siedlung der Welt entstehen, die auch anderen Städten als Vorbild dienen soll.

So ähnlich wie in diesem Passivhaus im hessischen Bad Nauheim sollen schon bald über 6000 Heidelberger wohnen. Die Häuser sind so energieeffizient, dass sie keine Heizung brauchen. obs

So ähnlich wie in diesem Passivhaus im hessischen Bad Nauheim sollen schon bald über 6000 Heidelberger wohnen. Die Häuser sind so energieeffizient, dass sie keine Heizung brauchen.

HeidelbergEs ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands: Als Alessa Nägele Ende 2012 einzog, wirkte die Heidelberger Bahnstadt noch wie eine Geisterstadt. Heute ist das neue Viertel in der Nähe des Hauptbahnhofs zwar noch immer zu großen Teilen Baustelle. Inzwischen leben hier aber schon rund 2000 Menschen, Monat für Monat ziehen neue Bewohner ein. Mit einer Fläche von rund 116 Hektar wird das Quartier am Ende größer sein als die Heidelberger Altstadt. Das Besondere: Alle Häuser werden im Passivhaus-Standard gebaut, sind also besonders energieeffizient.

Das macht Passivhäuser besonders

Was ist ein Passivhaus?

Ein Passivhaus ist ein Haus, das besonders wenig Energie verbraucht. Dem Passivhaus-Institut in Darmstadt zufolge darf ein solches Gebäude 90 Prozent weniger Heizwärme als ein herkömmliches Haus im Baubestand verbrauchen. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Neubau wird mehr als 75 Prozent eingespart. Der Heizölverbrauch eines Passivhauses liegt somit auch unterhalb des Verbrauchs von einem Niedrigenergiehaus.

Wie erreicht das Haus die Effizienz?

Der jährliche Heizenergie-Verbrauch eines Passivhauses höchstens 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter betragen. Erreicht wird das mit einer besonders starken Dämmung der Wände und Fenster. Über eine Lüftungsanlage wird sichergestellt, dass der Großteil der von Bewohnern und Elektrogeräten abgegebenen Wärme nicht ungenutzt entweicht und die Räume mit Frischluft versorgt werden. So heizen die Bewohner ihr Haus auch durch ihre Körperwärme - eine klassische Heizung brauchen Passivhäuser nicht.

Kann man Passivhäuser überall bauen?

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, Passivhäuser zu bauen. So untersuchte das Passivhaus-Institut in einer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Studie die Bedingungen für den Bau von Passivhäusern in verschiedenen Klimazonen - etwa in der Wüste von Dubai oder im Frost im russischen Jekaterinburg. Überall ließen sich Testhäuser errichten.

Sind Passivhäuser reine Wohnhäuser?

Passivhäuser sind nicht nur zum Wohnen da. In ihnen können auch Schulen und Kindergärten und Supermärkte untergebracht werden. Auch Altbauten können nach den Passivhaus-Prinzipien saniert werden.

Wo sind Passivhäuser zu finden?

Die größte Passivhaus-Siedlung der Welt entsteht gerade in der Bahnstadt von Heidelberg. Dort sollen einmal mehr als 6000 Menschen wohnen. In Bamberg und in Lünen können Besucher auch baden, ohne mit ihrem Energieverbrauch die Umwelt zu belasten. Dort stehen nämlich die ersten Passivhaus-Schwimmbäder in Deutschland.

Nach Angaben der Stadt entsteht so die größte zusammenhängende Passivhaus-Siedlung der Welt. Das Passivhaus-Institut in Darmstadt bestätigt diesen Superlativ. „Der Ansatz, ein ganzes Quartier im Passivhaus-Standard zu errichten, ist einmalig und hat schon von daher Vorbildcharakter für andere Städte“, sagt ein Sprecher.
„Es gibt doch diesen Film mit den Aliens, in dem die Stadt komplett verlassen ist - so war das hier damals. Ein bisschen gruselig“, erinnert sich die 29-Jährige Alessa Nägele an ihren Einzug. „Das hier muss man auch wollen. Denn die Pioniere leben auf der Baustelle.“ Ein Jahr nach dem Einzug kam Nägeles Tochter Emilia zur Welt. „Eine echte Bahnstädterin“, sagt die Mutter stolz.

Nicht für jeden Käufer oder Mieter ist die Energieeffizienz das ausschlaggebende Kriterium. „In manchen Punkten ärgert es mich sogar, weil wir keinen offenen Kamin mehr haben können, wie wir ihn vorher hatten“, sagt Maren Klug, die noch darauf wartet, ihre Wohnung zu beziehen. Momentan werkeln darin Bauarbeiter. Doch bis der Sommer vorbei ist, soll sie einziehen können.
Die 43-Jährige steht zwischen Bauutensilien auf ihrer Dachterrasse und blickt auf die Nachbarhäuser. Sie sind sehr modern gehalten, gradlinig, in hellen Farben. Viel Abwechslung gibt es nicht. Ein bisschen wirkt das Viertel wie eine Feriensiedlung. In vier bis fünf Jahren soll die Wohnbebauung in der Bahnstadt komplett fertig sein.

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