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22.01.2006

10:00 Uhr

Polen

Wohnungen sind überall Mangelware

VonTabea Mergenthaler

Der Immobilienmarkt Polen lockt mit attraktiven Renditen - vor allem außerhalb der Hauptstadt Warschau.

In Polen sind Luxuswohnungen genauso gefragt wie Wohnungen für die breite Masse.

In Polen sind Luxuswohnungen genauso gefragt wie Wohnungen für die breite Masse.

HB BERLIN.Geht es einer Volkswirtschaft gut, brauchen sich die Geschäfte nicht um ihren Umsatz zu sorgen. Und auch der Immobilienmarkt profitiert – wie momentan in Polen, wo Einkaufszentren Hochkonjunktur haben. Nach Angaben des Beratungshauses Jones Lang Lasalle gibt es in dem Land inzwischen mehr als 120 Einkaufszentren mit mehr als 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. In Warschau gilt der Markt bereits als gesättigt.

Die Polen haben noch immer Nachholbedarf im Bereich Konsum. „Ihre Einkaufskultur ist mit der der Amerikaner vergleichbar. Sie verbringen ihre Freizeit in den Konsumtempeln. Öffnungszeiten an sieben Tagen in der Woche und viel größere Food-Bereiche, als man sie in Deutschland kennt, verstärken den Trend“, sagt Joachim Seeler, Geschäftsführer der HGA Capital in Hamburg. Der geschlossene Immobilienfonds der Gruppe investiert in ein Einkaufszentrum mitten in Krakau.

Nach Einschätzung von Jones Lang Lasalle schauen sich Investoren derzeit verstärkt in Städten mit 100 000 bis 400 000 Einwohnern um. Das Beratungshaus schätzt, dass der Markt für Einkaufszentren bis Ende 2007 um weitere 1,3 Millionen Quadratmeter wächst.

Ähnlich wie bei Einkaufszentren ist auch die Situation im Geschäft mit Hotel-Immobilien. In der Hauptstadt Warschau gibt es hiervon bereits genug, die Auslastung ist eher schwach: Erst in diesem Jahr kletterte sie wieder über die 60 Prozent-Marke. Inzwischen wächst das Angebot zwar langsamer, die Zimmerpreise werden aber weiter unter Druck bleiben, bis sich die Belegung stabilisieren kann, sagt Christoph Härle, Executive Vice President Jones Lang LaSalle Hotels.

Nationale und internationale Investoren schauen sich daher immer mehr außerhalb der Hauptstadt um. Dabei haben Danzig und Krakau hohes touristisches Potenzial, und in Posen spielt das Geschäft mit Meetings und Konferenzen eine große Rolle, sagt Härle.

Ungebrochen ist nach Einschätzung von Experten das Interesse am polnischen Büroimmobilienmarkt – und zwar sowohl in Warschau als auch in den kleineren Städten. Polen sei das Tor nach Russland. und das Land habe gute wirtschaftliche Zukunftsaussichten, begründet Hans Heinrichs, Geschäftsführer von Sachsenfonds, das hohe Interesse an polnischen Büroimmobilien. Sein Haus ist derzeit in vier Objekte in Warschau investiert.

In der Vergangenheit wurde allerdings sehr viel ausländisches Kapital in diesen Markt gepumpt. Dadurch sanken die Einkaufsrenditen in den vergangenen vier Jahren um zwei Prozentpunkte auf sieben Prozent, rechnet Heinrichs vor. „Die Zeiten, in denen einfach drauflosgebaut wurde, sind vorbei. Heutzutage beginnt kein Bau mehr, ohne dass man einen großen Hauptmieter hat“, sagt der Sachsenfonds-Geschäftsführer. Ende des zweiten Quartals dieses Jahres lag der Leerstand in der City der Hauptstadt bei 14 Prozent, in den übrigen Bürovierteln Warschaus bei 7,6 Prozent. „Wir glauben, dass die Leerstandsquote 2006 ihren Höhepunkt erreicht haben wird“, sagt Heinrichs.

Die Experten von John Lang Lasalle machen seit einiger Zeit eine ganz neue Beobachtung: Ursprünglich als Büroobjekte geplante Anlagen werden während der Bauphase kurzerhand zu Wohnimmobilien umfunktioniert, da auf diesem Markt wohl das größte Potenzial für Immobilienanleger schlummert.

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