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21.10.2013

16:52 Uhr

Preisentwicklung

Immobilien bewegen sich jenseits von Gut und Böse

VonKatharina Schneider

Wohnungen in Städten wie München, Frankfurt und Hamburg sind heiß begehrt. Doch an vielen Orten sind die Preise laut einer Bundesbankstudie schon übertrieben. Welche Bedeutung das für Immobilienbesitzer hat.

Wohnungen überbewertet

Das sind die teuersten Städte Deutschlands

Wohnungen überbewertet: Das sind die teuersten Städte Deutschlands

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DüsseldorfDie Nachricht kommt eigentlich nicht überraschend: Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland sind seit dem Jahr 2010 deutlich gestiegen, in den Ballungsräumen um mehr als 25 Prozent im Gegensatz zu gut acht Prozent bundesweit. Doch die Bundesbank hat nun berechnet, dass die Immobilien vielfach überteuert sind. In Städten sind Wohnungen demnach im Durchschnitt zwischen fünf und zehn Prozent überbewertet. Die Preissteigerung passe nicht zu den längerfristigen demografischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren.

In attraktiven Großstädten wie Hamburg, München und Frankfurt sollen die Preise sogar bis zu 20 Prozent übertrieben sein. Diese Entwicklung breite sich von den Städten ins Umland aus. Das klingt besorgniserregend. Steuert Deutschland etwa auf eine Immobilienblase hin? Wird bald auch der deutsche Immobilienmarkt zusammenbrechen, so wie es erst vor wenigen Jahren in den USA geschah?

Wo wohnt man günstig - und wo teuer?

Günstig, Platz 6

Vogtlandkreis
Der Vogtlandkreis im Westen von Sachsen kann mit günstigen Grundstückspreisen aufwarten: In der Gemeinde Ellefeld etwa kostet der Quadratmeter 295,5 Euro.

Günstig, Platz 5

Uckermark
Die brandenburgische Uckermark landet auf Platz fünf der günstigsten Regionen Deutschlands. In der Gemeinde Templin wohnt es sich besonders günstig: Hier zahlt man nur 343,8 Euro.

Günstig, Platz 4

Bad Kissingen
Der Kreis Bad Kissingen liegt im bayerischen Unterfranken, nahe an der Grenze zu Hessen und Thüringen. In der Gemeinde Zeitlofs zahlt man wenigsten: nämlich nur 248,3 Euro.

Günstig, Platz 3

Wartburgkreis
Der Wartburgkreis liegt in Thüringen an der Grenze zu Hessen. Günstigster Wohnort ist die Gemeinde Treffurt: Dort kostet der Quadratmeter 242,9 Euro.

Günstig, Platz 2

Kreis Haßberge
Der Kreis Haßberge liegt nördlich des Mains im bayerischen Unterfranken. In der Gemeinde Kirchlauter kostet der Quadratmeter 232,4 Euro.

Günstig, Platz 1

Mansfeld-Südharz
In der Region Mansfeld-Südharz bei Leipzig wohnt es sich am günstigsten - vor allem in der Gemeinde Sandersleben: Dort kostet der Quadratmeter 192,8 Euro. Aber auch in Blankenheim (233,5 Euro), Hettstedt (259,5 Euro) und Friedeburg (267,7 Euro) sind die Preise niedrig.

Teuer, Platz 6

Bitburg-Prüm
Der Kreis Bitburg-Prüm ist der am dünnsten besiedelste Landkreis von Rheinland-Pfalz. Doch im rund 400 Einwohner großen Ort Kruchten kostet der Quadratmeter laut Immobilienscout24 4882,9 Euro.

Teuer, Platz 5

Hamburg
Ein Quadratmeter in der Hamburger Hafencity kostet 5760,2 Euro. Ein wenig günstiger lebt es sich im Bezirk Harvesthude (5168,8 Euro).

Teuer, Platz 4

Norderney
Die ostfriesische Insel Norderney wartet mit hohen Grundstückspreisen auf. Für einen Quadratmeter zahlt man 6578,8 Euro.

Teuer, Platz 3

München
Der Münchener Bezirk Lehel landet auf dem dritten Platz. Dort kostet der Quadratmeter 6947,6 Euro. Auch die Bezirke Altstadt (6918 Euro), Maxvorstadt (5848,2 Euro), Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (5445,1 Euro) und Schwabing-West (5441,5 Euro) haben hohe Grundstückspreise.

Teuer, Platz 2

Rathsweiler
Im Kreis Krusel in Rheinland-Pfalz liegt der Ort Rathsweiler: Dort kostet der Quadratmeter 6951,3 Euro.

Teuer, Platz 1

Sylt
Die Gemeinde Kampen auf der Insel Sylt hat die teuersten Grundstückspreise Deutschlands: Der Quadratmeter kostet hier 12.605 Euro.

Quelle

Quelle: Immobilienscout24; Referenzobjekt: eine Wohnung mit 80 Quadratmetern, 3 Zimmer, 30 Jahre alt.


Angesichts der guten konjunkturellen Entwicklung ist eine steigende Nachfrage nach Immobilien an sich nichts Ungewöhnliches. Doch die aktuelle Nachfrage geht laut Bundesbank über die eigentlich zu erwartende Entwicklung hinaus. Ursachen dafür gibt es viele: Die neue Zuversicht in die deutsche Wirtschaft, die Flucht in Sachwerte aufgrund der Finanz- und Staatschuldenkrise, niedrige Zinsen für Hypothekenkredite und die sehr niedrigen Renditen für andere Anlagen.

„In vielen Städten sind die Immobilienpreise tatsächlich deutlich gestiegen, aber von einer Überbewertung kann nach unseren Erkenntnissen noch keine Rede sein“, sagt Michael Schier, Immobilienökonom beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. „Im europäischen Vergleich waren die Wohnungspreise in Deutschland lange Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau, die Steigerungen lassen sich jetzt auch als Nachholeffekte erklären und sind keinesfalls besorgniserregend.“

Kommentare (8)

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Trollolo

21.10.2013, 18:21 Uhr

Schon recht weltfremd, die Argumentationskette der Experten. Natürlich, wenn man nach Immobilienblase fragt, gibt es keine faktische Überbewertung, weil Angebotsdruck und Nachfrage eine reale Preisentwicklung abbilden. Dass dadurch die Mieterhöhungen durch Sanierungen und Renovierungen, durch Verknappung des Mietraums und durch allgemeine Aufwertung der Wohnlage ("In-Viertel") nicht 1:1, sondern mit einem Aufschlag weitergegeben werden, ist in erster Problem der Mieter, nicht der Wirtschaft. Aber diese Mehrbelastung gerade in Ballungsräumen nicht als makroökonisches Problem zu sehen - ist schon irgendwie ignorant. Klar ist ja übrigens auch, dass in dünnbesiedelten Gebieten die Preise nicht anziehen, weil es keine gesteigerte Nachfrage gibt. Nahezu naiv ist die Aussage bezüglich der Abwanderung ins Umland und dem neugeschaffenen Neuraum. Denn gerade dort, wo die Mietspiegel hoch sind, mangelt es bei Neubauten an sozialen Projekten. Es wird viel gebaut, ja, aber hochpreisig. Was dann auch für die Peripherie gilt. Und dort sind die Standortbedingen (Schule, Kindergarten, Einkaufen, Anbindung) objektiv schlechter und dadurch vielfach indiskutabel. Vielleicht wollte die Bundesbank darauf hinweisen? Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Roothom

21.10.2013, 19:49 Uhr

"Immobilien bewegen sich jenseits von Gut und Böse"

diese schlagzeile ist klasse! immobilien bewegen sich neuerdings also...

aber abgesehen davon, dass wohl deren preise gemeint sind, kann ich auch das nicht nachvollziehen. denn trotz mancher übertreibung in einzelfaellen, ist der markt insgesamt noch lange nichjt "jenseits von gut und böse".

auch die bundesbank sieht das viel differenzierter. warum also wieder eine solch reisserische schlagzeile???

hallihallo

21.10.2013, 19:57 Uhr

Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Wohnungskäufer merken das Mieter nicht jede Mieterhöhung zahlen können, gute und günstige Handwerker rar sind, Baupfusch gefährlich ist, Sanierungen nicht immer klappen, der Mieter die Wohnung nicht so pflegt, wie man sich das gerne wünscht ... Das wird noch lustig werden hierzulande, wenn die Ernüchterung kommt und die Preise fallen. Bei Aktien steht uns das auch noch bevor. Spätestens wenn die die ultra lockere Zinspolitik eine Ende findet beginnt die Deflation. Die Deflation wird schon alleine deshalb kommen, weil die Banken und Schattenbanken ihre "Kriegskasse (cash)" bis unter die Decke gefüllt haben. Und dann beginnt der Wahnsinn von Neuem!

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