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12.01.2009

08:20 Uhr

Premium-Häuser leiden

Hotelmarkt: Gäste wollen es günstig

VonAnja Steinbuch

Die Krise hat den deutschen Hotelmarkt erreicht. Besonders die Premium-Häuser bekommen das zu spüren. Zahlungskräftige Kunden bleiben aus, Firmen verzichten auf Kongresse, Geschäfts- und Incentive-Reisen ihrer Mitarbeiter. Von der derzeitigen Wirtschaftslage profitieren am meisten klug konzipierte Low-Budget-Hotels.

Hotel Adlon in Berlin: Trotz derzeitiger Flaute; die Hotel-Branche bleibt ein Wachstumssegment. Foto: ap ap

Hotel Adlon in Berlin: Trotz derzeitiger Flaute; die Hotel-Branche bleibt ein Wachstumssegment. Foto: ap

HAMBURG. "Auf die Hotellerie kommen harte Zeiten zu", sagt Alexander Trobitz, zuständig für den Bereich Hotelimmobilien beim Beratungsunternehmen Dr. Lübke. Turbulent sei bereits das vergangene Jahr gewesen. "Die Finanzkrise wirkt sich mit leichter Verzögerung auf das Gastgewerbe und damit auch auf Investoren aus." Beraterin Ursula Kriegl, Leiterin von Jones Lang Lasalle Hotels Deutschland, bestätigt: "2008 lag das Hotelinvestmentvolumen bei einer Milliarde Euro, mehr als 50 Prozent weniger als in den Rekordjahren 2007 und 2006."

Vor allem Premium-Häuser leiden unter der Krise: Gerade zahlungskräftige Reisende aus den USA und Großbritannien blieben zu Hause. Firmen streichen Geschäftsreisen, Kongresse und Incentive-Veranstaltungen. "Die Folge ist eine Verschärfung der bereits bestehenden Konkurrenz auf dem Hotelmarkt", erklärt Trobitz. Gute Chancen aber sieht er für Nischenprodukte wie Low-Budget- oder Design-Hotels. Diese Meinung teilt die auf Hotels spezialisierte Beraterin Martina Fidlschuster aus Frankfurt: "Der Rotstift wird zuerst bei teuren Geschäftsreisen angesetzt." Pfiffig konzipierte Low-Budget-Hotels brauchten die Wirtschaftskrise nicht zu fürchten.

Investoren warten dennoch ab. Finanzierungen sind nach wie vor rar und teuer, viele Hoteleigentümer legen ihre Verkaufspläne daher vorerst auf Eis. Neue Hotelprojekte werden aufgrund der unsicheren Marktsituation abgesagt oder auf bessere Zeiten verschoben.

Die werden kommen. Denn die Hotel-Branche bleibt ein Wachstumssegment: Trotz aller Unkenrufe werden im Jahr 2010 weltweit eine Milliarde Touristen unterwegs sein, prognostiziert das Münchener Beratungsunternehmen Deloitte. Für das Gesamtjahr 2008 erwartet der Hotelverband Deutschland (IHA) etwa zweieinhalb Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Die Zimmerpreise zogen um fünf Prozent an, ebenso der Zimmerertrag.

Auf gute Renditen hoffen Investoren etwa in Hamburg: Hier haben 2008 acht neue Hotels eröffnet. 2009 kommen zehn weitere hinzu. Eines von ihnen wird das Stadthaushotel Hafencity Hamburg sein. Das Drei-Sterne-Haus mit 80 Zimmern soll das größte Integrationshotel Europas werden. Der Clou: Es ist ein Hotel für Behinderte, das von Behinderten geführt wird. Der Vorsitzende des Trägervereins "Jugend hilft Jugend", Kai Wiese, hat auf dem scheinbar rappelvollen Hotelmarkt der Hansestadt seine Nische entdeckt: "Wir wollen ein barrierefreies und behindertenfreundliches Hotel sein." Eine Marktlücke in der Stadt. "Mit unserem Haus werden wir zum Image Hamburgs als soziale Stadt beitragen."



Um erfolgreich zu arbeiten, müssen Nischenhotels andere Vertriebswege auftun als Häuser mit bekanntem Markennamen. Das Clubhotel Landskron in Österreich etwa segelte elf Jahre lang unter der Flagge des Robinson Club, bis sich die Eigentümer vor vier Jahren von der Tui-Marke trennten. Hotelchef Rudi Besiak blieb und gibt heute zu: "Wir mussten umdenken." Die exponierte Lage am Ossiacher See und die bewährte touristische Infrastruktur in Kärnten waren keine Erfolgsgarantie.

Besiak folgte dem Wunsch der Gäste nach mehr Sportangeboten und arbeitet mit Sport-Veranstaltern und-Profis zusammen. Heute kommen sieben von zehn Zimmerreservierungen übers Internet oder Telefon. Mit 74 Prozent Auslastung über das Jahr und rund 70 000 Übernachtungen sei die wirtschaftliche Lage inzwischen "ausgezeichnet".

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