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29.09.2011

15:42 Uhr

Pro und Contra Immobilien

Krisenfester Sachwert oder Schuldentreiber?

Niedrige Zinsen und drohende Inflation machen Immobilien zur optimalen Anlage, wirbt Schwäbisch-Hall-Chef Matthias Metz. Universitäts-Professor Steffen Sebastian hält dagegen: Er warnt vor einer Preisblase.

Sind Immobilien Wohl oder Wehe? In Zeiten niedriger Zinsen und drohender Inflation raten viele Experten zum Kauf der eigenen vier Wände. Doch günstige Möglichkeiten können auch leichtfertige Entscheidungen provozieren. Doch wer zu teuer oder in der falschen Lage kauft, Und wenn die Kalkulation nicht stimmt, droht die Überschuldung. Das Handelsblatt hat zwei Experten nach Ihrer Meinung zur Immobilien-Anlage gefragt. Die Meinungen der beiden gehen weit auseinander:

Matthias Metz ist Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall. dpa

Matthias Metz ist Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Matthias Metz: „Ein Freibrief gegen Mietsteigerungen“

Gerade in Krisenzeiten schätzen die Menschen besonders die elementaren Dinge des Lebens. Dazu gehören ganz unzweifelhaft die eigenen vier Wände. Für die meisten stehen dabei emotionale Aspekte wie Sicherheit, Geborgenheit, Unabhängigkeit und die Verwirklichung eines Lebenstraums im Vordergrund. Doch selbst bei nüchternerer Betrachtung liegen die Vorteile einer eigenen Immobilie auf der Hand.

Zunächst einmal ist der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung eine Investition in einen Sachwert. Das schätzt gerade der am höchsten, der in Krisenzeiten um sein angelegtes Geld fürchtet. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es sich dabei um eine inflationssichere Investition handelt – und eine steuerlich interessante dazu. Schließlich sind Gewinne aus Wertsteigerungen einer Immobilie nach zehn Jahren steuerfrei.

Nicht nur in den Ballungsräumen der Großstädte, auch in attraktiven Wohngegenden der Mittel- und Kleinstädte sind diese Werterhöhungen nicht bloßer Wunschtraum, sondern erwiesene Realität. Deshalb ist es ratsam, bei der Erfüllung seines „Lebenstraums“ stets die gute Lage im Blick zu haben, um die Attraktivität der Immobilie zu erhalten. Und es bleibt empfehlenswert, schon in jungen Jahren Eigenkapital anzusparen, um schneller den angepeilten Immobilienwunsch realisieren zu können. Nicht umsonst fördert der Staat den Erwerb von Wohneigentum: Über die Altersvorsorge-Zulage („Wohn-Riester“), über die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmer-Sparzulage bei Bausparverträgen.

Die Finanzierungskosten einer Immobilie sind häufig nicht höher als die zu zahlende Miete. Wenn solch historisch niedrige Kreditzinsen hinzukommen wie derzeit, geht die Rechnung noch viel schneller auf – abgesehen von der Tatsache, dass ein Immobilienbesitzer auf das eigene Konto und nicht auf das seines Vermieters „einbezahlt“.

Vor allem: Die eigenen vier Wände bieten den besten Schutz gegen Altersarmut. Sie ersparen dem Eigentümer Mietzahlungen, die schon heute einen beachtlichen Teil der Einkünfte eines normalen Rentners verschlingen. Und sie sind der sicherste Freibrief gegenüber Mietsteigerungen. Kurz: Sie schaffen Unabhängigkeit, in jeder Beziehung.

Kommentare (2)

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trabelschuter

29.09.2011, 18:06 Uhr

Natürlich ist die weitverbreitete Meinung, Immobilien sind eine sichere Basis oder wie heißt es so schön Betongold, dass stimmt jedoch nur bedingt. Käufer die vor 40 oder 50 Jahren ein Reiheneigenheim oder kleines freihstehendes Haus gekauft haben, haben einen Wertzuwachs erlebt. Ausnahme sind hier Toplagen, die seit Jahren satte Steigerungen haben. Wer aber vor 10 oder 20 Jahren in einer "Normallage" gekauft hat, hat in der Regel keinen Wertzuwachs erlebt. Auch die Anzahl an Bestandsimmobilien drücken in vielen Bereichen auf den Markt, da der demographische Faktor eine Rolle spielt. Ein anderer Aspekt ist auch noch wichtig, man wird älter und die Immobilie ist irgendwann zu groß. Auch kosten eigene Immobilien Unterhaltkosten und nicht zu wenig. Ich überlege gerade, ob ich nicht meine Immobilie verkaufen soll, weil ich lieber die Zeit, statt beim Rasenschneiden und Wege fegen, nicht mit was sinnvollem verbringen kann. Es gibt also kein einfaches ja oder nein für eine Immobilie, sondern wohl immer eine individuelle Entscheidung, die dann auch noch emotional gefärbt ist.

pbberlin

30.09.2011, 11:16 Uhr

Sind nicht die Nebenkosten bei Anschaffung (Notar, Grunderwerbsteuer, Makler-Provision) von bis zu DREIZEHN Prozent noch erwähnenswert?

Bei jedem Eigentümerwechsel werden die wieder fällig.

Würden Sie 'ne Aktie kaufen oder 'n Wertpapier, bei dem 13 Prozent Provision fällig werden?

Und was mich seit 40 Jahren verwundert:
Die Festlegung für alle Ewigkeit auf ein einziges Geschäft (die Immobilie) und auf einen einzigen Ort.
Wenn die Stadt verarmt - wenn mein Sohn Asthma kriegt - wenn ich eine Stellung in Österreich angeboten kriege - wenn meine Ehe schiefgeht´- wenn ich krank werde - wenn ich eine lukrative Geschäftsbeteiligung entdecke, aber mein Kapital gebunden habe...
in all diesen Fällen ist das Haus ein Mühlstein um meinen Hals.

Noch keiner meiner Eigenheim-Käufer-und-Abzahler hat darüber auch nur nachgedacht.

ne ne - die meisten Hauskäufer begeben sich völlig blind in die Hände der Makler und Immobilienfinanzierer.
"Ein eigenes Haus" ist für den Kleinbürger wie Heroin für den Junkie - er MUSS es haben, um sich nicht als wertloser Versager zu fühlen.

Es sind aus meiner Sicht auch nicht die Makler oder Hypo-Banker, die für "Überschuldungen" und "Wertverluste" verantwortlich sind - sondern eine große Zahl von hirnlosen Käufern.

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