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07.12.2011

14:14 Uhr

Prognose der Dekabank

Immobilienbranche droht Kreditklemme

Die europäische Immobilienbranche wird sich nach Einschätzung der Dekabank auf eine Kreditklemme vorbereiten müssen. Grund seien die Großbanken, die unter Druck stünden und ihre Bilanzen kürzen müssten.

Die Dekabank warnt vor einer Kreditklemme in der europäischen Immobilienbranche. dpa

Die Dekabank warnt vor einer Kreditklemme in der europäischen Immobilienbranche.

FrankfurtDer Immobilienbranche in Europa droht nach Einschätzung der Dekabank wegen der Schuldenkrise eine Kreditklemme. „Die Finanzierungsbedingungen werden sich verschärfen“, warnte Deka-Immobilienvorstand Matthias Danne am Mittwoch und zog Parallelen zu der Zeit nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Die Großbanken stünden unter Druck und müssten ihre Bilanzen kürzen, für viele gehöre die gewerbliche Immobilienfinanzierung nicht mehr zum Kerngeschäft.

„Wir sehen, dass Versicherer in diese Lücke vorstoßen.“ Die klassischen Hypothekenbanken beobachteten diese neue Konkurrenz sehr genau, betonte Danne. In Deutschland sei der Marktanteil der Assekuranz an Immobilienfinanzierungen zwar noch „verschwindend gering“. Das könne sich aber schnell ändern. In Großbritannien seien Versicherer und Pensionskassen sogar schon in ehemals reinrassigen Bankenkonsortien zu finden.

Danne sprach damit aus, was auch andere Branchenvertreter gerade in Deutschland umtreibt. Sie sorgen sich, dass die Versicherer die derzeitige Schwäche der Bankenbranche ausnutzen könnten. Die einst mächtige Commerzbank-Tochter Eurohypo steckt in der Verlustzone fest und darf überhaupt kein Neugeschäft mehr machen, die WestLB-Tochter Westimmo ist wegen der monatelangen Hängepartie um den Verkauf fast handlungsunfähig.

Die gesunden Teile der in der Finanzkrise kollabierten HRE starten als Pfandbriefbank gerade erst wieder durch. Gut im Geschäft sind dagegen zwar solide Institute wie die Aareal Bank, die Berlin Hyp und die Dekabank - letztere bietet Finanzierungen nicht nur für die hauseigenen Offenen Immobilienfonds an, sondern auch für Dritte. Aber sie alle müssen sich den Kuchen eben zunehmend mit der neuen Konkurrenz teilen.

Die Versicherer stehen angesichts der großen Schwankungen bei Aktien und Staatsanleihen unter immer größerem Anlagedruck. Finanzierungen für langfristig und voll vermietete Büro- und Einzelhandelsimmobilien sind da eine interessante Alternative und verbreitern die Ertragsbasis. Auch bei einem der größten Immobiliendeals in Frankfurt in diesem Jahr stellte eine Versorgungskasse die Finanzierung und nicht eine Bank: Beim Verkauf des ehemaligen Dresdner-Bank-Hauptsitzes „Silberturm“ an die IVG und Co-Investoren.

Generell wird die Schuldenkrise die gewerblichen Immobilienmärkte in Europa 2012 fest im Griff haben, sagte Danne. Die Risikoscheu der Investoren und Mieter habe in den vergangenen Monaten bereits spürbar zugenommen.

Verkäufe von Büros und Ladenobjekten sind erneut fast nur noch in Bestlagen (“Core“) möglich, Mietverträge würden länger verhandelt. Die Dekabank erwartet allerdings eine Zweiteilung analog der Staatsverschuldung in Europa: Kernmärkte wie Deutschland und Frankreich dürften sich demnach weiter robust zeigen und südeuropäische Länder wie Italien und Spanien abhängen. 

Von

rtr

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