Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2013

10:06 Uhr

Rechtsanwalt im Interview

„Notare haben das Vertrauen ausgenutzt“

VonBarbara Moormann

Anleger brachten Notaren ein fast grenzenloses Vertrauen entgegen, erklärt Rechtsanwalt Thomas Storch. Aus Geldgier haben die vermeintlich unabhängigen Amtsträger ihre Mandanten ausgenutzt. Diese Rechte haben Mandanten.

Thomas Storch ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Gründer der Kanzlei Dr. Storch & Kollegen in Berlin. PR

Thomas Storch ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Gründer der Kanzlei Dr. Storch & Kollegen in Berlin.

Herr Storch, kennen Sie Fälle aus ihrem Mandantenkreis, in denen Notare sich nicht korrekt verhielten?
Ja, eine Vielzahl.

Können Sie konkrete Einzelfälle schildern?
Es gibt aus meiner Erfahrung zwei Fallarten, wobei es sich immer um die Zwei-Wochen-Frist des Paragraf 17 Abs.2a BeurkG dreht. Also um die gesetzliche Vorgabe, wonach der Kaufvertrag den Erwerbern zwei Wochen vor Beurkundung bereits vorliegen muss.

Und wo liegt hier das Problem?
Man muss man wissen, dass der klassische „Schrottimmobilienverkauf“ sich durch erheblichen Zeitdruck auszeichnet. Oft geschah der Kauf innerhalb weniger Tage und Beurkundungen fanden am Wochenende statt. Auf der anderen Seite sind Immobilienkaufverträge nebst Zwangsvollstreckungs-Klauseln durchaus rechtlich kompliziert und werden sogar von einigen Juristen nicht auf Anhieb verstanden. Hinzu kommt, dass es meist um Summen zwischen 80.000 Euro bis 200.000 Euro ging, die auch noch finanziert werden müssen.

Immobilien: Das wilde Treiben der Mitternachtsnotare

Immobilien

Das wilde Treiben der Mitternachtsnotare

Notare profitieren vom Immobilienboom und von steigenden Gebühren. Einigen reicht das nicht aus. Aus Geldgier arbeiten sie gegen die Interessen privater Immobilienkäufer. Wann Mandanten ihren Notar verklagen können.

Und hier wurden Regeln verletzt?
Ich würde sagen, dass einem Großteil dieser Schrottimmobilien-Erwerber, rund 80 Prozent, der Kaufvertrag nicht zwei Wochen vorher vorgelegt wurde und sie mithin nicht hinreichend verstehen konnten, was sie da eigentlich unterschrieben haben und was im Kleingedruckten des Vertrages stand.

Lässt sich das denn beweisen?
Nicht unbedingt. Aufgrund einer Vielzahl von Aussagen unserer Mandanten haben wir den Eindruck gewonnen, dass den Erwerbern von Vermittlern im Zusammenwirken mit Notaren Klauseln untergeschoben wurden, die die Einhaltung der Zwei-Wochen-Frist bestätigen. So liegen uns Fälle vor, in denen der Kaufvertragsentwurf mit einer entsprechenden Zwei-Wochen-Klausel erst wenige Tage vor dem Notartermin seitens des Notars an die Vermittler übersandt wurde. Dann ist juristisch kaum was zu machen weil die Erwerber eben mitgespielt haben.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.07.2013, 15:08 Uhr

Apropos Vertrauen udn Transparenz: Hat Herr Dr. Storch bzw. seine Kanzlei für die Platzierung als Fachanwalt und Nennung seiner Kanzlei Zuwendungen dem Handelsblatt zukommen lassen?

BoJa

29.07.2013, 12:47 Uhr

Diese Antwort werden wir nie bekommen :)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×