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19.09.2012

13:42 Uhr

Rolf Elgeti im Interview

„Wohnen ist in Deutschland zu billig“

VonJörg Hackhausen, Jens Hagen

Die Preise für Wohnungen schießen in die Höhe. Auch die Mieten werden deutlich steigen, meint Rolf Elgeti, Chef des Immobilienkonzerns TAG. Wo es noch Chancen gibt - und von welchen Immobilien er lieber die Finger lässt.

Rolf Elgeti ist Vorstandsvorsitzender bei TAG-Immobilien. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Rolf Elgeti ist Vorstandsvorsitzender bei TAG-Immobilien.

Herr Elgeti, sehen Sie eine Blase am deutschen Immobilienmarkt?
Alle reden darüber. Aber ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn wir über den deutschen Immobilienmarkt sprechen, sehe ich nicht einmal annähernd eine Blase. Nur in einzelnen Städten gibt es eine Überhitzung.

Wo denn?

In Berlin zum Beispiel. Viele ausländische Investoren drängen in den Markt. Sie setzen Berlin mit Deutschland gleich, was natürlich schlichtweg falsch ist. Aber wenn man in London oder Paris sitzt, dann weiß man das eben nicht besser. Der Berliner Markt ist in manchen Bereichen völlig verzerrt.

Ärgert Sie das?

Im Gegenteil. Das ist eine fantastische Gelegenheit, um hin und wieder einzelne Mehrfamilienhäuser zu hohen Preisen zu verkaufen. Uns werden aktuell Preise geboten, die weit über dem Buchwert liegen. Es wäre sträflich, das nicht mitzunehmen.

Wer investiert in deutsche Immobilien?

Wohl situierte Privatleute, Vermögensverwalter von reichen Unternehmerfamilien. Zunehmend investieren Versicherungen und Pensionskassen. Es würde mich nicht wundern, wenn bald auch Staatsfonds größere Transaktionen tätigen.

Aus welchen Ländern kommt das meiste Geld?

Skandinavien, Österreich, Israel, USA, ein wenig aus der Schweiz.

Und Asien?

Das sehen wir bislang sehr wenig.

Rolf Elgeti: Lebenslauf eines Aufsteigers

1976

Geboren in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern.

1995

Abitur mit fünf Leistungskursen und der Bestnote 1,0.

1996

Wirtschaftsstudium in Mannheim, danach in Paris.

1999

Mit 22 Jahren folgt der Berufseinstieg bei UBS als Aktienanalyst.

2000

Es folgt der Wechsel in die Aktienstrategie bei Commerzbank Securities.

2004

Mit 27 Jahren wird er Chefstratege bei ABN Amro.

2007

Mit 30 Jahren steigt er als Analyst aus und verwaltet von da an Immobilienfonds.

2009

Vorstandschef bei der TAG Immobilien AG in Hamburg.

2013

Elgeti hat TAG in kürzester Zeit zu einen der größten Wohnimmobilienkonzerne in Deutschland gemacht. Die Gesellschaft verwaltet knapp 70.000 Wohnungen. TAG ist damit einer der größten börsennotierten Immobiliengesellschaften in Deutschland.

2013

Ein Bericht der „Welt am Sonntag“ kratzt am Image des Saubermanns. Die Zeitung berichtet, Elgeti habe private und geschäftliche Interessen vermischt - und dabei auf Kosten des Unternehmens profitiert. Elgeti erklärt, die Vorwürfe seien „komplett falsch“, räumt aber ein, er hätte seine privatem Immobilien-Investitionen früher offenlegen sollen.

2014

Elgeti gibt überraschend den Chef-Posten zum 31. Oktober auf. Er will sich neuen Aufgaben widmen.

Viele Privatleute sind bereit, extrem hohe Preise für Immobilien in guter Lage zu zahlen. Ein Fehler?

Es gibt wohlhabende Zahnärzte, die für einzelne Objekte viel höhere Preise zahlen, als wir bereit wären zu zahlen. So etwas sorgt natürlich für Preissteigerungen. Wobei wir eigentlich kaum mit Privatanlegern konkurrieren. Wir schauen uns in ganz anderen Segmenten um. Die Preise, die wir bei den letzten großen Transaktionen bezahlt haben, waren sehr günstig.

Und die Privaten – kaufen die zu teuer?

Nicht unbedingt, die Leute sind ja nicht dumm. Selbst wenn Sie einen sehr hohen Kaufpreis zahlen, kann sich das angesichts der aktuell niedrigen Zinsen rechnen. Entscheidend ist doch, wie hoch die Zinskosten verglichen mit den möglichen Mieteinnahmen sind.

Geben Sie uns ein Beispiel.

Nehmen wir an, Sie wollen ein Haus kaufen, um es anschließend zu vermieten. Heute bekommen Sie als privater Investor mit guter Bonität einen Immobilienkredit für unter drei Prozent, auch langfristig. Selbst wenn Sie nun für ein Objekt das Zwanzigfache einer Jahresmiete zahlen müssten, dann würde sich das noch lohnen. Die Anfangsrendite läge bei fünf Prozent. Damit hätten Sie immer noch einen positiven Cashflow - kein schlechtes Geschäft.

Wenn das so ist, warum machen Sie das nicht auch? Klingt doch nach einer sicheren Sache.

Wenn man in den guten Lagen von Berlin und Hamburg kauft, dann macht man nichts falsch. Aber die Frage ist, ob man dort so große Steigerungen erwarten darf. An anderen Standorten gibt es einfach noch mehr für das Geld, ein besseres Verhältnis von Chance und Risiko - darauf kommt es beim Investieren an.

Von welchen Immobilien würden Sie die Finger lassen?

Alles was gut aussieht, was jeder haben will, ist für mich uninteressant. Ein Haus mit weißer Stuckfassade sieht schön aus, entsprechend hoch sind die Preise. Damit können Sie als Investor nicht viel gewinnen. Es gibt Objekte, die gut auf dem Foto aussehen, und es gibt die, die gut in der Gewinn-und-Verlustrechnung aussehen. Ich konzentriere mich auf die zweite Kategorie.

Kommentare (82)

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faceout

19.09.2012, 13:47 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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Karsten

19.09.2012, 13:54 Uhr

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer meint Wohnen wäre zu günstig versteht kein Stück von Volkswirtschaft und den Bedürfnissen junger Arbeitnehmer. Ich verdiene als Ingenieur nicht schlecht und trotzdem ist es fast unmöglich Wohneigentum zu erwerben. Wenn ich mir dann diese Aussagen anhöre wird mir extrem schlecht. Also bei TAG wird eindeutig nichts mehr gekauft.

Account gelöscht!

19.09.2012, 13:57 Uhr

Bei solchen "Herren" bekommt Büchners Wort vom "Friede den Hütten, Krieg den Palästen !" ein ganz neue Aktualität.
Die Gesinnung mancher Kreise ändert sich nie, nur der Schnitt des Anzugs.

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