Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2015

15:10 Uhr

Russland

Moskaus Mieten brechen um 40 Prozent ein

Die russische Krise schlägt sich auch auf den Immobilienmarkt der Hauptstadt nieder. Weil immer mehr ausländische Firmen ihr Geschäft zurückfahren, verlassen deren Spitzenkräfte das Land. Das torpediert die Mieten.

In den schicken Vierteln der Stadt sind die Mietpreise wortwörtlich abgestürzt. dpa

In den schicken Vierteln der Stadt sind die Mietpreise wortwörtlich abgestürzt.

Während die russische Wirtschaft schrumpft, lebt Rohstoff-Berater Alexander Proswirjakow so luxuriös wie nie zuvor. Proswirjakow, der für einen der vier großen Buchprüfer arbeitet, hatte im April ein Schnäppchen mit einer Wohnung in der Nähe des Moskauer Puschkin-Platzes gemacht. Er zahle für das 120 Quadratmeter große Apartment nur etwa halb so viel wie das, was 2014 verlangt worden sei.

„Als Single habe ich anfangs nicht mal einen Gedanken an eine solch große Wohnung verschwendet“, sagt der 34-Jährige. „Doch als ich begann, mich auf dem Markt umzusehen, stellte ich fest, dass es eine neue Realität gibt. Und ich dachte mir, warum nicht auf großem Fuß leben.“

Die Mieten in Moskaus begehrtesten Stadtteilen brechen regelrecht ein, nachdem viele Manager amerikanischer und europäischer Unternehmen weggezogen sind. Ausländische Firmen senken die Kosten angesichts schrumpfender Gewinne - ausgelöst durch den Rückgang der Ölpreise und die Sanktionen des Westens wegen der Krim-Krise.

„Wir haben beobachtet, wie sich einige Branchen, die sonst Top-Wohnungen verlangten, aus Russland zurückziehen. Das gilt etwa für den Öl- und Gassektor. Bisher gibt es keinen Ersatz“, berichtet Elena Kulikova, Chefin des Maklers IntermarkSavills für Moskau. „Positiv ist jedoch, dass es eine großartige Zeit für Wohnungssuchende ist.“

So hatte zum Beispiel Schlumberger Ltd., der größte Ölfeld-Dienstleister, im vergangenen Jahr alle Mitarbeiter, die EU- oder US- Staatsbürger sind, wegen der Sanktionen aus Russland abgezogen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg aus informierten Kreisen. Ein Sprecher wollte keinen Kommentar abgeben.

Erst im März legte General Motors Co. ein Werk in St. Petersburg still und stoppte den Verkauf der Marke Opel und der meisten Chevrolet-Modelle. Die französische Großbank Societe Generale SA, die in diesem Jahr einen Verlust von bis zu 300 Millionen Euro in ihrer russischen Sparte erwartet, will nach dem Arbeitsplatz-Abbau im ersten Quartal nun noch einmal 1000 Jobs streichen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sergio Puntila

15.05.2015, 17:36 Uhr

„Einige Leute wollen nicht über den Elefanten im Zimmer sprechen„
___________

Wer will das schon...

Herr alexander barnewitz

15.05.2015, 19:31 Uhr

In Euro gerechnet, sind sie also dann 20% gefallen.
Und vor der Krise sind sind sie in 2 Jahren um 20% gestiegen!
Schätzen sie mal, wie hoch nach wie vor die Kapitalverzinsung bei Immobilien in Moskau ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×