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03.09.2015

16:58 Uhr

Schäden am Haus

So schnell gehen Wasserschäden ins Geld

VonJulia Löffelholz

Wasser wischen, Wände aufreißen, Papierkrieg mit der Versicherung – Wasserschäden sind lästig. Wie häufig sie vorkommen und wie teuer sie werden, hängt auch von Stadt und Region ab. Auf was Hausbesitzer achten müssen.

Einen Wasserschaden zu entfernen ist alles andere als einfach. Und kann im Zweifel auch richtig teuer werden. IMAGO

Wasserschaden

Einen Wasserschaden zu entfernen ist alles andere als einfach. Und kann im Zweifel auch richtig teuer werden.

FrankfurtEs ist zwei Jahre her, dass Claus Albertz* die Kellertreppe seines Reihenhauses in der Nähe von Bonn herunter ging und plötzlich nasse Füße hatte. „Nach der letzten Treppenstufe machte es ‚platsch‘“, erzählt er. Sein gesamter Keller habe etwa zwei Finger breit unter Wasser gestanden. Ein kleines Loch war ihm zum Verhängnis geworden. Es war ein Loch in einem Rohr, das nicht etwa in der Kellerwand lag, sondern im zweiten Obergeschoss, kurz unter dem Dach. Von dort war das Wasser durch die Wand bis hinunter in den Keller gelaufen. „Durch Ablagerungen haben sich aggressive Substanzen gebildet, die das alte Kupferrohr durchlöchert haben“, sagt Albertz. Zuerst sei das Wasser nur heraus getropft, als das Loch größer wurde, herausgeflossen und habe schließlich den Keller unter Wasser gesetzt.

So teuer sind Leitungswasserschäden in den einzelnen Bundesländern:

Schleswig-Holstein

Nicht nur durch Sturmfluten richtet Wasser in Schleswig-Holstein schwere Schäden an, sondern auch durch Rohrbrüche. Das zumindest besagt eine Studie des Versicherers Generali. Für die Untersuchung hat Generali mehr als 128.600 Leitungswasserschäden der Jahre 2012 bis 2014 im Bereich der Wohngebäude- und Hausrat-Versicherung ausgewertet und das Risiko auf zehn Jahre hochgerechnet. Das Ergebnis: In Schleswig-Holstein sind die Schäden mit im Schnitt 2.334 Euro pro Fall am höchsten in ganz Deutschland. In der Schadenshäufigkeit liegt Schleswig-Holstein im Mittelfeld: Durchschnittlich 11,4 Prozent aller Schleswig-Holsteiner erleben innerhalb von zehn Jahren einen Wasserrohrbruch.

Hessen

Durchschnittliche Schadenshöhe: 2.176 Euro
Schadenhäufigkeit: 14,0 Prozent

Rheinland-Pfalz

Durchschnittliche Schadenshöhe: 2.155 Euro
Schadenhäufigkeit: 15,7 Prozent

Saarland

Durchschnittliche Schadenshöhe: 2.048 Euro
Schadenhäufigkeit: 21,8 Prozent

Niedersachsen

Durchschnittliche Schadenshöhe: 2.052 Euro

Schadenhäufigkeit: 15,6 Prozent

Bremen

Durchschnittliche Schadenshöhe: 2.045 Euro

Schadenhäufigkeit: 15,0 Prozent

Baden-Württemberg

Durchschnittliche Schadenshöhe:  1.969 Euro

Schadenhäufigkeit: 8,8 Prozent

Bayern

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.941 Euro

Schadenhäufigkeit: 10,9 Prozent

Mecklenburg-Vorpommern

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.931 Euro

Schadenhäufigkeit: 9,9 Prozent

Hamburg

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.860 Euro

Schadenhäufigkeit: 6,3 Prozent

Nordrhein-Westfalen

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.829 Euro

Schadenhäufigkeit: 17,4 Prozent

Sachsen

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.725 Euro

Schadenhäufigkeit: 6,8 Prozent

Brandenburg

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.685 Euro

Schadenhäufigkeit: 7,6 Prozent

Thüringen

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.576 Euro

Schadenhäufigkeit: 9,5 Prozent

Berlin

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.512 Euro

Schadenhäufigkeit: 7,5 Prozent

Sachsen-Anhalt

Durchschnittliche Schadenshöhe: 1.492 Euro

Schadenhäufigkeit: 9,1 Prozent

Fälle wie diesen gibt es in Deutschland täglich. Allein im Jahr 2013 zählte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft 1,1 Millionen Leitungswasserschäden. Sie verursachten einen Gesamtschaden von rund 2,1 Milliarden Euro.
Ursache für Leitungswasserschäden seien meist Rohbrüche, sagt Versicherungsberater Rüdiger Falken. „Dann ist das Rohr an irgendeiner Stelle gebrochen, das Wasser läuft heraus, durchfeuchtet die Wand und läuft schließlich auch in den Wohnraum.“ Auch dass das Wasser wie bei Albertz an einer anderen Stelle als dem Ort des Rohrbruchs austrete, sei keine Seltenheit. „Das Wasser sucht sich immer den einfachsten Weg, deshalb läuft es oft erst einmal durch das Gebäude.“ Die Suche nach dem Schaden sei daher häufig teurer als die Schadensbeseitigung selbst.

Gründe für gebrochene Rohre könnten Alter, Verstopfungen oder eine falsche Montage sein, sagt Falken. Auch Brüche durch Frostschäden seien häufig. „Das passiert vor allem in Ferienhäusern oder wenn die Hausbewohner im Winter vereist sind und die Heizung abgestellt ist. Das Wasser friert, das Rohr bricht, dann taut das Wasser wieder und läuft heraus.“ In solchen Fällen gebe die Versicherung den Versicherten häufig ein Mitverschulden, weil sie nicht ausreichend geheizt haben.

Doch in Häufigkeit und Schadenshöhe von Leitungswasserschäden gibt es große regionale Unterschiede. Das zeigt eine Studie des Versicherers Generali. Im Bereich der Wohngebäude- und Hausratversicherung hat Generali mehr als 128.600 Leitungswasserschäden der Jahre 2012 bis 2014 ausgewertet und das Risiko auf zehn Jahre hochgerechnet.

Besonders häufig haben demnach die Saarländer mit Wasserschäden zu kämpfen. Durchschnittlich jeder Fünfte hat dort innerhalb von zehn Jahren unter einem solchen Schaden zu leiden. Nordrhein-Westfalen, das Bundesland in dem auch Claus Albertz lebt, ist am zweithäufigsten betroffen. Dort müssen immerhin 17,4 Prozent aller Bürger einmal in zehn Jahren Wasser aufwischen, während es in Rheinland-Pfalz 15,7 Prozent sind. Die wenigsten Wasserschäden gibt es in Hamburg und Sachsen. Dort haben nur 6,3 beziehungsweise 6,8 Prozent der Bevölkerung in zehn Jahren einen Leitungswasserschaden. Insgesamt treten Wasserschäden im Westen Deutschlands häufiger auf als im Osten.

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