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13.11.2012

13:27 Uhr

Schlechte Noten

Geschlossene Immobilienfonds fallen durch

VonThomas Schmitt

Anleger stecken gerne große Summen in Büros, Miethäuser, Hotels oder Einkaufszentren. Doch viele der aktuellen Angebote von Banken und Projektentwicklern sind riskanter als gedacht. Worauf Investoren achten sollten.

„Geschlossene Fonds sind nichts für Kleinanleger“, warnt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest".  Bildquelle: Stiftung Warentest

„Geschlossene Fonds sind nichts für Kleinanleger“, warnt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest".

Bildquelle: Stiftung Warentest

DüsseldorfNiedrige Zinsen, Inflationsangst und die Suche nach krisenfesten Anlagen haben Beteiligungen an Wohnungen und Häusern wieder sehr begehrt gemacht. Doch von 58 aktuell angebotenen geschlossenen Immobilienfonds fallen 40 durch. Nur acht dieser unternehmerischen Beteiligungen seien "befriedigend", kein einziger erhielt die Note "sehr gut" oder "gut". Dies ergab eine Untersuchung der Stiftung Warentest.

Was Verbraucherschützer Fonds-Anlegern raten

Kriterien

Die Stiftung Warentest hat eine Reihe von Kriterien entwickelt, die sich leicht überprüfen lassen. Diese sollte Anleger entweder von den Fondsverkäufern bestätigen lassen oder den Prospekten der Fonds entnehmen

können.

Quelle: Stephan Kühnlenz, Wissenschaftlicher Leiter, Stiftung Warentest

Wertentwicklung

Die tatsächliche Wertentwicklung hängt von sehr vielen Faktoren ab und ist ungewiss. Es gibt Fonds, die sich lohnen können. Ein Totalverlust ist aber auch immer möglich. 

Tipp 1

Mindestens 90 Prozent der Immobilieninvestition sollte vor der Unterzeichnung des Vertrags schon bekannt sein.

Tipp 2

Fremdwährungskredite sollten Tabu sein für Fonds, die in deutsche Immobilien investieren.

Tipp 3

Einzahlungen sollten nicht in Raten erfolgen. Gehe der Fonds pleite, müssten Ratensparer bis zur vereinbarten Gesamtsumme weiterzahlen.

Tipp 4

Die Prospektverantwortung dürfe niemals auf den Fonds selbst übertragen werden. Ansonsten hafte der Fondsanleger mit seinem Fondsanteil selbst für Fehler und müsse notfalls gegen sich selbst klagen.

Tipp 5

Einmalkosten am Anfang dürfen höchstens 20 Prozent betragen. Je höher diese Kosten, desto riskanter die Investition.

Tipp 6

Höchstens 50 Prozent der Investition dürfen durch Kredite abgedeckt werden.

Tipp 7

Geschlossene Immobilienfonds sind eine sehr langfristige Spekulation und sollten nicht zur Altersvorsorge eingesetzt werden.

Tipp 8

Insgesamt sollten nicht mehr als 5 Prozent des Kapitals in geschlossene Immobilienfonds fließen und auch nur dann, wenn man den Verlust notfalls verschmerzen kann.

 

36 Fonds seien schon durch die Vorprüfung gefallen, weil sie aufgrund ihrer Konstruktion für Anleger viel zu riskant seien. Von den restlichen 22 Fonds seien weitere vier "mangelhaft". „Wir haben Fonds unter die Lupe genommen, die in Deutschland anlegen und für die Fondsinitiatoren, freie Vermittler aber auch die Berater in Banken und Sparkassen, zurzeit noch werben“, sagte Hermann-Josef Tenhagen, der Chefredakteur von „Finanztest“ in Berlin.

"Das Ergebnis ist für die Branche kein Ruhmesblatt", heißt es in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“, in der die Untersuchung veröffentlicht ist. Von den 58 Fonds im Test genügten zwei Drittel den Grundanforderungen an ein solides Finanzkonzept nicht, weil sie zum Beispiel Anlegern mehr als 20 Prozent ihrer Anlagesumme für Kosten der Fondsgesellschaft abzogen. Der beste Fonds der Untersuchung ist der "befriedigende" FHH Immobilien 12 Studieren & Wohnen, mit dem man ab 50.000 Euro in Studentenapartments in Hamburg und Frankfurt am Main investiert.

Viel Geld fließt in die Beteiligungsbranche. Allein bei Mitgliedern des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) zahlten Anleger von Januar bis Juni dieses Jahres 732 Millionen Euro für Investitionen in deutsche Immobilien ein.

Nach VGF-Angaben waren das 52 Prozent mehr als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Alle geschlossenen Immobilienfonds in Deutschland sammelten demnach 2011 mehr als 2,2 Milliarden Euro ein - auch das ein Plus von 38 Prozent im Vorjahresvergleich.

Wo ein Haus mit 140 qm am günstigsten ist

Eßleben-Teutleben

55.000 Euro

Lichte

54.000 Euro

Saxler

53.000 Euro

Witzleben

52.000 Euro

Straguth

52.000 Euro

Bechstedt

52.000 Euro

Oberhain

50.000 Euro

Schwobfeld

47.000 Euro

Pennewitz

45.000 Euro

Schäplitz

38.000 Euro

Quelle: Für die aktuelle Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Durchschnittshaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982.

Wohin fließt das Geld? Solche Fonds investieren in Büro- oder Wohnhäuser, Seniorenheime, Hotels oder Einkaufszentren. Anlegern, die sich mit Beträgen ab 10.000 Euro beteiligen, werden jährliche Ausschüttungen sowie ein attraktiver Schlussgewinn aus dem Verkauf der Immobilien zum Ende der Laufzeit in Aussicht gestellt.

Kommentare (6)

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Bankster

13.11.2012, 14:17 Uhr

Nach Lebensversicherungen kommt auch diese Erkenntis reichlich spät, nachdem so viele Anbieter ihre Fonds mit kräftige Vermögensverluste schliessen mussten.
Nach einem Aktiencrash wegen der Wirtschaftsflaute nächstes Jahr werden auch Aktienfonds dran sein.

Genosse

13.11.2012, 14:50 Uhr

Unterschied zwischen offenem und geschlossenem Fonds nicht kapiert?

Reinfall

13.11.2012, 14:56 Uhr

50% der geschlossenen fonds, die ich halte sind notleidend. bei denen gehe ich sogar davon aus, dass da nie eine ernsthafte gewinnerzielungsabsicht für die zeichner angestrebt wurde sondern allein der vertrieb seinen spass hatte. insofern aus meiner sicht: finger weg!

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